Diese Aufsatzsammlung analysiert die Darstellung und Diskussion von Flucht und Migration in der australischen Presse der späten 1930er Jahre. Im Zentrum steht die Frage, wie Presseberichte zur Konstruktion von Fremdheit, Zugehörigkeit und nationaler Identität beitrugen, insbesondere im Kontext globaler Fluchtbewegungen aus dem nationalsozialistischen Europa. Die Blogbeiträge untersuchen anhand diskursanalytischer Methoden, welche Narrative – etwa Bedrohung, Überfremdung, ökonomische Belastung oder Humanität – in führenden australischen Zeitungen reproduziert und verhandelt wurden. Besonderes Augenmerk gilt dabei der restriktiven „White Australia Policy“ und der grundlegenden Prägung nationaler Identität durch Medienrhetorik. Die unterschiedlichen Beiträge nehmen spezifische Fallbeispiele in den Blick, darunter die Berichterstattung über die Évian-Konferenz, die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge, die Darstellung unbegleiteter Migrant:innen und die spezifischen Narrative zu einzelnen Gruppen oder Ereignissen. Ebenso werden die Wechselwirkungen von Politik, Presse und Öffentlichkeit sowie die Spielräume für solidarische oder ausgrenzende Diskurse beleuchtet. Methodisch basiert das Projekt auf der Auswertung digitalisierter Zeitungsquellen und einer multiperspektivischen Herangehensweise im Rahmen eines universitären Lehrprojekts. Insgesamt verdeutlicht die Beiträge die historische Verwobenheit von medialen Diskursen, migrationspolitischer Praxis und gesellschaftlicher Identitätsbildung, deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart reichen.
School, a Place of “Australianization”? – Der Diskurs um die Aufnahme europäischer Flüchtlingskinder in australischen Schulen: Eine Analyse australischer Zeitungsberichte (1938-1942)
Agnes Hammerschmied, Johanna Salomon-Petschnigg
„They are all of very good type and so intelligent and eager to learn that I would like to have a school of them.”[1]
Einleitung
Die Aufnahme geflüchteter Kinder in bestehende Schulsysteme ist ein Thema, das heute vielfach in den Medien diskutiert wird und eine hohe gesellschaftliche Relevanz aufweist. Dabei stehen oft die Herausforderungen im Vordergrund, die sich für Schulen als zentrale Bildungs- und Integrationsinstitutionen ergeben – meist anhand spezifischer Erwartungen und Narrativen verhandelt. Diese Beobachtung hat den Impuls gegeben, den Diskurs zur schulischen Integration geflüchteter Kinder in einem anderen historischen und geografischen Kontext zu untersuchen. Vor diesem Hintergrund orientiert sich diese Untersuchung an folgender Forschungsfrage: Wie wurde die Aufnahme europäischer Flüchtlingskinder zwischen 1938 und 1942 an australischen Schulen in der zeitgenössischen Presse dargestellt? Welche Erwartungshaltungen und Werte spiegelten sich in diesen Berichten wider?
Während die Migration von Kindern nach Australien während des Zweiten Weltkriegs in der Forschung Beachtung gefunden hat, ist die Frage nach ihrer Integration in das australische Schulsystem bislang kaum thematisiert worden. Die vorliegende Arbeit soll als Impuls verstanden werden, um diese Forschungslücke zu schließen. Dies wird anhand einer diskursanalytischen Untersuchung von 13 ausgewählten Zeitungsartikeln durchgeführt, die in verschiedenen australischen Publikationen erschienen sind.
Als Quellenbasis dienten alle Bestände des Onlinearchivs Trove. Um unseren Korpus zu bilden, haben wir die Fülle an Quellen im ersten Schritt mit folgenden Suchkriterien gefiltert: „refugee children schools“ / Zeitraum: 1938-01-01 bis 1942-12-31. Im zweiten Schritt, und nach Recherche bezüglich des historischen Kontextes, haben wir geographisch auf die beiden Zentren Sydney und Melbourne eingegrenzt. Um eine gute Basis für die Diskursanalyse zu schaffen, beschlossen wir im finalen Schritt sowohl eher liberale bis konservative Zeitungen (The Herald, Melbourne; The Age, Melbourne; The Argus, Melbourne), als auch eine regionale jüdische Zeitung (The Australien Jewish Herald, Melbourne) im Vergleich zu analysieren. Durch eine erweiterte Schlagwortsuche ergänzten wir noch wenige Zeitungen zur Ausweitung der Analyse.
Die methodische Annäherung erfolgt dabei auf zwei Ebenen: Einerseits wird analysiert, welche Themen im Zusammenhang mit der Aufnahme geflüchteter Kinder aufgegriffen wurden. Andererseits wird untersucht, wie darüber gesprochen wurde –also welche Begriffe, Beschreibungen und rhetorischen Mittel konkret verwendet wurden. Diese Ebenen bieten ein nützliches Werkzeug, um die sprachlichen und inhaltlichen Nuancen des Diskurses sichtbar zu machen. Da sie meist nicht eindeutig trennbar sind, werden die erlangten Ergebnisse in einem Analyseteil zusammenfassend präsentiert.
Der gewählte Untersuchungszeitraum, 1938 bis 1942, spiegelt eine Phase wider, in der die Thematik besonders brisant war. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der Einführung des National Security Act im Jahr 1939, der geflüchtete Personen als “enemy aliens” klassifizierte[2], rückte die gesellschaftliche Wahrnehmung von geflüchteten Personen in den Fokus. Geografisch umfasst die Analyse vor allem Zeitungen aus dem Südosten Australiens, darunter insbesondere Melbourne. Die Vielfalt der untersuchten Publikationen – von Massenblättern wie The Herald bis hin zu jüdischen Publikationen wie dem Australian Jewish Herald – bietet einen differenzierten Einblick in die mediale Konstruktion und Verhandlung des Aufnahmediskurses. Ziel dieser Arbeit ist es, durch die Analyse dieser unterschiedlichen Perspektiven einen Beitrag zum Verständnis der historischen Verhandlung von gesellschaftlichen Integrationsprozessen und ihren zugrunde liegenden Erwartungen zu leisten.
Historischer Kontext
Bevor nun näher auf die in der Einleitung vorgestellte, zentrale Forschungsfrage eingegangen wird, soll ein kompakter Abriss des historischen Kontextes gegeben werden. Dies ist notwendig, um den im Analyseabschnitt behandelten Diskussionslinien und -themen besser folgen zu können.
Im Zusammenhang mit der australischen Flüchtlingspolitik vor und während der ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs dominierte eine sogenannte „Culture of Control“. Diese Politik zeichnete sich durch eine starke staatliche Regulierung der Immigration aus, die die „Zusammensetzung“ der Bevölkerung maßgeblich beeinflusste.[3] Insbesondere Ende der 1930er Jahren herrschte eine weit verbreitete Ablehnung von Flüchtlingen, vor allem aus Ländern, mit denen Australien aktiv im Krieg stand. Diese Haltung, die später als “anti-refro feeling”[4] bezeichnet wurde, manifestierte sich in der Vorzugsbehandlung von Migrant:innen aus Großbritannien. Dies war nicht nur eine kulturelle und politische Präferenz, sondern auch ein Ausdruck des rassischen Überlegenheitsverständnisses der australischen Bevölkerung, die sich als „britische Untertanen“ und ethnisch als „überlegen“ betrachtete.[5] In dieser Phase, die von politischen Spannungen geprägt war, fielen die Flüchtlingsbewegungen nach Australien in einen Kontext der Unsicherheit und Ablehnung.[6]Ausdruck für diese restriktive Haltung ist der 1939 eingeführte National Security Act, der der australischen Regierung weitreichende Vollmachten über die bestehende Verfassung hinaus erteilte.[7] Dieser rechtliche Rahmen verstärkte die Kontrolle über alle Migrant:innen, insbesondere derjenigen aus „feindlichen“ Staaten. Insbesondere Personen, die als „non-British subjects“ galten, befanden sich in einer äußerst schwierigen Situation. Flüchtlinge, etwa aus dem nationalsozialistischen Deutschland, die im Rahmen des National Security Acts als „enemy aliens“ klassifiziert wurden, erfuhren eine Gleichstellung mit „gewöhnlichen“ Migrant:innen – unabhängig von der lebensbedrohlichen Situation, aus der sie flohen.[8]
Diese Problematik wurde durch das Fehlen eines international anerkannten Flüchtlingsbegriffs bis 1951 noch verschärft.[9] Ohne rechtliche Grundlage für ihre spezielle Schutzbedürftigkeit wurden Flüchtlinge vor allem vor dem Hintergrund ihrer finanziellen Selbstständigkeit betrachtet. Die australische Regierung setzte voraus, dass Migrant:innen – einschließlich (Kriegs-)Flüchtlingen, die zu dem Zeitpunkt nach dem Recht offiziell gar nicht existierten – eigenes Kapital mitbrachten. Es wurde zeitweise eine „landing money“-Gebühr erhoben, die nur jene vorweisen konnten, die über entsprechende Mittel verfügten.[10] Es erscheint logisch, dass gerade jene durch den Krieg mittellos gewordene Personen diese oftmals nicht aufbringen konnten und somit eine klare (ökonomische) Hürde von Seiten der australischen Regierung gesetzt wurde.
Ende 1938 / Anfang 1939 kam es aufgrund der stärker werdenden Gefährdung der (vor allem) jüdischen Personen im Deutschen Reich zu einem langsamen Umdenken in Australien bezüglich humanitärer Hilfestellungen für flüchtende Personen. Es kam zur Einführung einer Aufnahmequote von 15.000 Menschen über einen Zeitraum von 3 Jahren.[11] Obwohl schleichend Anerkennung für die Notlage mancher Gruppen von geflüchteten Personen aufkam, blieb die Aufnahmequote dennoch sehr restriktiv. Wie oben bereits erwähnt war diese Quote weiterhin zusätzlich an strikte Aufnahmekriterien gekoppelt, wodurch Australien auch später noch eine stark selektive Migrationspolitik (“Culture of control”) verfolgte: Nur wer ins System passt und genügend Kapital mitbringt, wird auch immigriert. Die Sicherstellung der Aufrechterhaltung der britischen Kultur und einer Stabilität im australischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem waren das oberste Anliegen der australischen Politikmaßnahmen.[12]
In diesem Kontext stellt die Integration von geflüchteten Kindern in das australische Schulwesen von 1938 bis 1942 einen besonders spannenden Aspekt dar. Die Auseinandersetzung mit Zeitungsartikeln aus dieser Zeit bietet die Möglichkeit, die Bemühungen und Maßnahmen des australischen Bildungssystems im Kontext der restriktiven Migrationspolitik zu analysieren. Durch die diskursanalytische Auseinandersetzung mit repräsentativen Zeitungsartikeln wird versucht, die Bemühungen und Maßnahmen des australischen Bildungssystems in Relation zur restriktiven Migrationspolitik zu setzen und das Bild zu vervollständigen.
Diskursanalyse des Quellenkorpus
Im Hauptteil der Arbeit wird anhand der vorgestellten Methodik analysiert, wie sich der Diskurs über geflüchtete Kinder und Jugendliche, die sich ins australische Schulwesen integrierten beziehungsweise integriert wurden, in den australischen Medien zwischen 1938 und 1942 gestaltete. Einerseits soll eine nähere Betrachtung zentral angesprochener Themen erfolgen, andererseits sollen zentrale Begriffe analysiert werden, um eine Abbildung des Diskurses auf rhetorischer Ebene zu erreichen.

Zunächst wird im Folgenden auf die Darstellung des Diskurses in australischen Leitmedien eingegangen. In den untersuchten Artikeln wurde selten ausschließlich über eine bestimmte, sei es ethnisch oder national definierte, Gruppe von geflüchteten Kindern berichtet. Stattdessen erfolgte meist eine generalisierte Darstellung europäischer Geflüchteter ohne Differenzierung nach Herkunftsländern. Dies verdeutlicht eine Tendenz zur Homogenisierung von geflüchteten Schulkindern in der öffentlichen Berichterstattung. Ein Beispiel hierfür ist ein Artikel des The Herald vom 10. Februar 1939 mit dem Titel „They Will All Be Good Australians: Foreign Children in our Schools“, in dem überhaupt auf alle ausländischen Kinder als einheitliche Gruppe referenziert wird.[13] Bei genauerer Lektüre des Quellenkorpus finden sich jedoch auch differenzierte Einschätzungen, die Flüchtlingskinder deutscher Herkunft aufwerten, während im Gegensatz insbesondere südeuropäische Geflüchtete tendenziell abgewertet werden: So berichtete The Newcastle Sun am 2. November 1938, dass Lehrkräfte „austrian-German refugees“ als körperlich und intellektuell überlegen gegenüber südeuropäischen Kindern wahrnehmen.[14] Diese Bewertungen zeigen, dass die Wahrnehmung von Flüchtlingen nicht nur durch ihre Herkunft, sondern auch durch gesellschaftliche Vorstellungen von Assimilationsfähigkeit geprägt war. Während des Zweiten Weltkriegs erlebten deutschsprachige Geflüchtete in Australien besondere Bedingungen: Trotz ihrer Flucht vor dem NS-Regime wurden sie als „enemy aliens“ (feindliche Ausländer) eingestuft, zugleich vielfach offensichtlich auch als gut integrierbar wahrgenommen. Südeuropäische Geflüchtete hingegen wurden als weniger assimilationsfähig betrachtet und als “racially inferior” angesehen. Dies geht auf einen im 19. Jahrhundert begründeten Mythos der “rassischen” Überlegenheit zurück, wonach Personen aus Australien lediglich britische Personen und Personen aus nordeuropäischen Ländern für gleichwertig ansahen.[15] Dies zeigte sich sogar in der versuchten Verhinderung der Einwanderung südeuropäischer Flüchtlinge in den 1930er Jahren und hatte auch noch Anfang der 1950er Jahre politische Konsequenzen für die australische Immigrationspolitik.[16]
In der Berichterstattung zur Aufnahme von Flüchtlingskindern in australischen Schulen wird konsequent der Begriff der Assimilation verwendet, was die Erwartung einer vollständigen Anpassung an die australische Gesellschaft widerspiegelt. So heißt es in einem Artikel: „If it were not for the remarkable intelligence shown by the refugee children the Australian teachers and pupils might have faced an impossible task in ‘assimilating’ the foreigners.“[17] Der Begriff der Assimilation bezieht sich dabei auf die vollständige Anpassung an eine gesellschaftliche Ordnungseinheit, die typischerweise durch den Nationalstaat repräsentiert wird, und impliziert letztlich einen umfassenden Wechsel kultureller Identität.[18]
Die damit verbundene Erwartung einer kulturellen Anpassung zeigt sich besonders deutlich in einer Passage aus einem Artikel von 1938: “About four any day in Darlinghurst can be seen a pack of boys, one of girls, and another of well-dressed members of both. The last are refugee children. Different countries, different manners. No doubt the segregation of the sexes is one of the peculiar Anglo-Saxon customs they will learn later.”[19]Diese Beobachtung verdeutlicht, dass Assimilation nicht nur als wirtschaftliche oder sprachliche Eingliederung verstanden wurde, sondern auch soziale Normen und Verhaltensweisen umfasste. Die Anpassung an australische Gepflogenheiten wurde als unausweichlicher Bestandteil des Integrationsprozesses betrachtet, wodurch Flüchtlingskinder nicht nur als Lernende, sondern als zukünftige Australier:innen wahrgenommen wurden, deren europäische Herkunft zunehmend in den Hintergrund rückte. Dabei geht es um die Übernahme „kultureller Muster“ der Mehrheitsgesellschaft – wie Sprache, aber auch äußere Merkmale wie Kleidung, oder innere Aspekte wie Werte und Einstellungen.[20]
Die Assimilation geflüchteter Kinder in Australien wurde vor allem über den Erwerb der englischen Sprache definiert und verfolgt. So wird etwa der erfolgreiche Weg zur Assimilierung einer polnischen Schülerin in einem Artikel geschildert: „Take the case of Nelly Berkowicz, […]. She has been in Australia for a month and spoke no English when she arrived. Yet she now knows enough English to write exercises, do sums and chatter with her Australian classmates.“[21]
Dieses Beispiel unterstreicht die zentrale Bedeutung der Sprachbeherrschung als Voraussetzung für die schulische – und in weiterer Folge auch gesellschaftliche –Eingliederung der Kinder. Der Großteil der Berichterstattung über geflüchtete Kinder im Kontext ihrer schulischen Integration konzentriert sich auf deren sprachliche Fortschritte und hebt hervor, wie schnell dadurch ihr anfängliches sprachliches Handicap überwunden wurde. In einem – gewiss als Extremfall zu betrachtenden – Artikel wurde beispielsweise berichtet, dass eine Familie nun darum bemüht sei, rasch Englisch zu lernen, um mit ihren Kindern weiterhin kommunizieren zu können, da diese nur noch Englisch sprächen.[22]
Beim Verständnis von Sprache als Schlüssel zur Assimilation ging es nicht allein um das Erlernen der englischen Sprache, sondern explizit um den Verlust sprachlicher Herkunftsmerkmale. Kinder, die nicht nur fließend Englisch sprachen, sondern auch regionale Dialekte übernahmen und ihren ursprünglichen Akzent vollständig ablegten, wurden besonders positiv hervorgehoben[23], wie auch folgendes Beispiel veranschaulicht: „Hannah Schultz, aged 10, only left Silesia late last year, but she declares in the dialect of Carlton that she is no longer European but Australian.“[24] Die Anpassung an die spezifische Sprachvarietät wurde als Zeichen einer besonders gelungenen Assimilation gewertet. Sprache diente in diesem Kontext nicht allein als Kommunikationsmittel, sondern wurde als zentrales Instrument der kulturellen Anpassung verstanden. Der Erwerb eines akzentfreien, regional geprägten Englisch galt als Indikator für eine erfolgreiche Eingliederung und vollständige Übernahme der australischen Identität. Diese Sichtweise verweist auf ein enges Verständnis von Zugehörigkeit, das kulturelle und sprachliche Vielfalt nicht als Bereicherung, sondern als Hindernis für die angestrebte Assimilation ansah. Indem der vollständige Verlust der Muttersprache und der Herkunftsmerkmale als erstrebenswert dargestellt wurde, wird die völlige kulturelle Angleichung als Zielsetzung deutlich. Dies verweist auf eine tiefgehende Erwartungshaltung: Anpassung war nicht nur ein pragmatischer Prozess zur gesellschaftlichen Teilhabe, sondern eine ideologisch geprägte Forderung nach Homogenität. Besonders der Bezug auf regionale Sprachvarietäten zeigt, dass Assimilation nicht nur auf nationaler Ebene gedacht wurde, sondern bis in die feinen sozialen und kulturellen Nuancen des Alltags hineinreichte.
Die Bedeutung der Sprache als Integrationsfaktor findet sich auch in strukturellen Maßnahmen des Schulsystems. So wurde berichtet, dass geflüchtete Kinder mündliche Tests bestehen mussten, um Zugang zu weiterführenden Schulen in Sydney zu erhalten.[25] Eine zügige, sprachliche Eingliederung gilt auch heute noch als eines der zentralsten Kriterien für eine gelungene Integration. Dies zeigt beispielsweise eine vom Österreichischen Integrationsfond (OIF) durchgeführte Studie, nach der 98% der befragten Personen die Befolgung spezifischer Regeln und Normen des Landes und die Beherrschung der Sprache als Zeichen für eine gelungene Integration betrachten.[26] Dass Sprachtests bis heute in vielen Aufnahmeländern als Form sozialer Kontrolle dienen, verweist auf die anhaltende Bedeutung von Sprache als Mittel der Regulierung von Zugehörigkeit.[27]
Obwohl der Sprache die zentrale Rolle im Assimilationsprozess der geflüchteten Kinder in australischen Schulen zukam, wurden nur sehr zurückhaltend Forderungen nach separaten Klassen für ausländische Kinder, in denen man ihnen zunächst Englischunterricht ermöglichen wollte, bevor sie mit australischen Schülern mithalten sollten, kolportiert beziehungsweise dieses Konzept überhaupt erwähnt.[28] Der bewusste Verzicht auf separate Klassen für geflüchtete Kinder kann nach Analyse der Berichterstattung als wichtige Maßnahme zur grundsätzlichen Assimilierung ausländischer Schüler verstanden werden und wurde auch als solcher kommuniziert. Statt die ausländischen Kinder als „foreign“ zu kategorisieren, tritt in den analysierten Zeitungsartikeln klar der Assimilierungsprozess der/durch „Australianisierung“ (original: „Australinization“) in den Vordergrund.[29] Diese Strategie sollte klar eine möglichst rasche und vollständige Assimilation fördern und von vornherein keinen Raum für (kulturelle) Diversität ermöglichen. Die – zwar nicht lautstark ausgetragene, aber doch offensichtlich existente – Kontroverse über separate Klassen für geflüchtete Kinder in Australien zeigt allerdings auch, dass es keine einheitliche Meinung darüber gab, wie Integration beziehungsweise Assimilation am besten gelingen könne. Diese mediale Darstellung spiegelt ein vermutlich grundlegendes Spannungsverhältnis in der öffentlichen Debatte wider: Soll Integration durch möglichst schnelle Eingliederung in bestehende Strukturen, oder durch gezielte Fördermaßnahmen erfolgen?
Weiters hebt die Berichterstattung die positive Aufnahme von Flüchtlingskindern durch australische Mitschüler:innen hervor und betont die aktive Unterstützung durch die einheimischen Kinder. So wird beschrieben, dass australische Schüler:innen eigene Willkommenskomitees einrichteten und darauf achteten, dass ihre neuen Mitschüler:innen respektvoll behandelt wurden.[30] Besonders interessant ist die Schilderung der Situation an innerstädtischen Schulen, wo Kinder aus bis zu sieben verschiedenen Nationalitäten gemeinsam unterrichtet wurden. Hier wird explizit betont, dass es keine nationalen Streitigkeiten gäbe[31] – die Implikation des vorherrschenden Integrationsverständnisses: Vielfalt wohnt ein Konfliktpotential inne, und dies unterstützt diskursiv die integrationspolitische Zielsetzung Australiens nach vollständiger Assimilation der zugezogenen Kinder und Jugendlichen. Es sei nur am Rand erwähnt, dass es sich hierbei meistens um eine mediale Idealvorstellung handelte und nicht die Realität widerspiegelte.
Darüber hinaus wurde etwa auch ein Programm hervorgehoben, das gezielt gegen die Viktimisierung geflüchteter Kinder an Schulen vorging. Dass es jedoch notwendig war explizit darauf hinzuweisen, dass „friendly aliens“ nicht wie „enemies“ behandelt werden sollten, legt nahe, dass es trotz des offiziellen Diskurses der Akzeptanz durchaus Herausforderungen und Widerstände im Schulalltag, eine Art Differenzierung zwischen „guten“ und „schlechten“ Ausländern, gegeben haben wird.[32] Während also eine freundliche Aufnahme betont wurde, lässt sich gleichzeitig – auch in Anbetracht der bereits erwähnten Schlechterstellung südeuropäischer Geflüchteter – eine diskursive Unterscheidung zwischen erwünschten, integrationswilligen Flüchtlingen und potenziell unerwünschten Flüchtlingen erkennen.

Die Perspektive der australischen Leitmedien zeigt zusammenfassend jedenfalls eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber der Aufnahme der geflüchteten Kinder und ihrer in Folge erwarteten Assimilation, die als erfolgreich und erreichbar dargestellt wird. Nur am Rande und in einigen wenigen Artikeln wurde erwähnt, dass durch den Zustrom von Flüchtlingskindern Probleme entstehen könnten.[33] Es wurde angedeutet, dass den Kindern womöglich zunächst mehr Aufmerksamkeit als üblich zuteilwerde oder der Unterricht aufgehalten werden könnte, was das Lehrpersonal in eine potentiell herausfordernde Situation bringt.[34] Diese Bedenken wurden gesamt-diskursiv jedoch klar relativiert, indem darauf hingewiesen wurde, dass kein Kind Vorrang vor einem anderen habe[35]. Außerdem wird darauf verwiesen, dass die Kinder überdies außerordentlich intelligent und fleißig seien und sowohl Lehrer:innen als auch Kinder die Situation gut und rasch gemeistert hätten beziehungsweise meistern würden.[36] In den Medien wurde sich also um die Darstellung einer fairen und gerechten Bildungspolitik bemüht, wenn auch gleichzeitig eine unterschwellige Sorge um die Belastung des Schulsystems erkennbar ist. Summa summarum legt die mediale Darstellung um die Assimilation der Flüchtlingskinder diese als einen kurzfristig lösbaren Prozess nahe, der insbesondere durch die Anpassung an die englische Sprache und die schulische Umgebung unterstützt wurde.
Die ausdrückliche Dankbarkeit jüdischer Eltern für die Bildungschancen ihrer Kinder – sei es in Form finanzieller Beiträge oder aktiven Engagements – könnte auf eine zugrundeliegende Erwartungshaltung hindeuten. Dankbarkeit und Anpassungsbereitschaft galten als erwünschte Reaktionen von Flüchtlingsfamilien, was sich auch in öffentlichen Äußerungen und Gesten widerspiegelte. Ein Beispiel hierfür findet sich in der jüdischen Publikation The Australian Jewish Herald vom 29. August 1940, in der berichtet wird, dass das Migrants Consultative Committee einen Dankesbrief an den Bildungsdirektor verfasste. In diesem Schreiben wurde die große Wertschätzung für die Bemühungen zur Integration geflüchteter Kinder in Victorias Schulen betont und mit einer Spende von 50 US-Dollar unterstrichen – gesammelt von jüdischen Geflüchteten aus Österreich und Deutschland.[37] Gleiches wurde auch in einer nicht-jüdischen Zeitung, dem The Herald, publiziert.[38] Diese Form der öffentlichen Anerkennung verweist nicht nur auf die kommunizierte Bedeutung von Bildung für die geflüchtete jüdische Gemeinschaft, sondern impliziert damit auch eine bewusste Demonstration von Anpassungswillen.
Gleichzeitig reflektierten jüdische Publikationen den Assimilationsprozess innerhalb der eigenen Gemeinschaft und betonten die sogenannte „Australianization“. Dieser Begriff bezeichnete einen Prozess, in dem geflüchtete jüdische Kinder aktiv zu „healthy Australians“ geformt werden sollten.[39] Die Wortwahl impliziert, dass Assimilation nicht nur als schrittweise Anpassung verstanden wurde, sondern als umfassende Transformation, die mit der Annahme einer neuen nationalen Identität einherging. Besonders eindrücklich ist die Berichterstattung über jüdische Kinder, die erklärten, sie seien keine „Europäer“ mehr, sondern „Australier“.[40]Dies verdeutlicht, dass die Erwartung an die sprachliche und kulturelle Anpassung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft bewusst war und die Akzeptanz dieser Erwartungshaltung kommuniziert wurde.
Narrative wie diese waren häufig mit einer positivistischen Sprache verbunden, die Zukunftsorientierung und Gestaltungsprozesse in den Vordergrund stellte. So formulierte besipielsweise The Australian Jewish Herald: „Here were lives to be moulded: here were futures to be built.“[41] Die bewusste Verknüpfung mit optimistischen Begrifflichkeiten diente dabei nicht nur der Konstruktion eines positiven Selbstbildes, sondern stellte auch eine strategische Rhetorik dar, um in potenziellen Problemsituationen eine hoffnungsvolle Perspektive zu vermitteln.
Dennoch blieb die Bewahrung der jüdischen Identität ein zentrales Anliegen. Einige Jahre nach der ersten Aufnahme jüdischer, geflüchteter Kinder wurde in jüdischen Medien eine veränderte Wahrnehmung sichtbar. Ein veröffentlichter Appell thematisierte den wachsenden Antisemitismus in Australien und betonte die Notwendigkeit, die jüdische Kultur – insbesondere durch Bildung – zu bewahren. In diesem Kontext wurden jüdische Schulen als essentiell für den Fortbestand der religiösen und kulturellen Identität betrachtet.[42] Dies verweist auf ein Spannungsfeld: Einerseits wurde Assimilation als Erfolgsmodell befürwortet und gefördert, andererseits erkannten jüdische Vertreter:innen die Notwendigkeit, zentrale Elemente ihrer Kultur und Religion zu erhalten und dafür entsprechende – auch schulische – Institutionen zu etablieren. Diese Dynamik korrespondiert mit migrationssoziologischen Erkenntnissen. Während äußerliche Merkmale – wie Sprache oder Kleidung – häufig rasch adaptiert werden, gelten intrinsische kulturelle Elemente, insbesondere Religion, als stabilere Faktoren, die seltener aufgegeben werden.[43]
Fazit
Das untersuchte Quellenmaterial lässt den Schluss zu, dass trotz der restriktiven Migrationspolitik Australiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Integration geflüchteter Kinder im Schulwesen überwiegend positiv dargestellt wurde. Anstatt Barrieren und Herausforderungen zu betonen, wie man aufgrund der politischen Lage erwarten könnte, berichteten die Medien vorwiegend über die erfolgreichen Bemühungen um die rasche Eingliederung dieser Kinder in das australische Schulsystem. Die Kinder wurden als „neue Australier“ beschrieben, was die Erwartung weckte, dass sie sich schnell den Normen und Werten des Landes anpassen würden. Der Diskurs – sowohl in australischen Leitmedien als auch in jüdischen Medien – spiegelte den Prozess einer umfassenden Umgestaltung der Identität der Kinder wider – „The process of Australianization is meeting with complete success and the young migrants are growing up into healthy Australians.”[44]
Zentraler Bestandteil dieses Integrationsprozesses war die Förderung der „Australianization“, insbesondere durch das schnelle Erlernen der englischen Sprache. Diese Strategie, die auch heute noch als entscheidend für die Integration angesehen wird, war nicht nur auf die Sprachkompetenz der Kinder fokussiert, sondern auch auf die Anpassung an die kulturellen Eigenheiten Australiens. Die Medien hoben wiederholt hervor, wie erfolgreich und zielstrebig die Kinder bei der Übernahme der australischen Kultur waren, was die positive Darstellung der Assimilation unterstrich. Die Berichterstattung über diese Entwicklungen legt nahe, dass eine rasche und vollständige Assimilation als eine Art Modellprozess angesehen wurde, der sowohl den Kindern als auch der Gesellschaft zugutekommen sollte.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Medien in ihrer Darstellung der Integration von geflüchteten Kindern weniger die Schwierigkeiten betonten, sondern vielmehr den Erfolg und die positiven Auswirkungen der Assimilation hervorhoben. Diese narrative Ausrichtung spiegelt nicht nur die damaligen gesellschaftlichen und politischen Ideale wider, sondern auch die Erwartung, dass geflüchtete Kinder als schnelle und vollständige Mitglieder der australischen Gesellschaft integriert werden sollten.
[1] “Refugee Children in N.S.W. Schools,” The Newcastle Sun, November 2, 1938, http://nla.gov.au/nla.news-article167353350, 6.
[2] “National Security Act 1939. No 15 of 1939,” Australasian Legal Information Institute, accessed February 26, 2025, https://classic.austlii.edu.au/au/legis/cth/num_act/nsa193915o1939257/.
[3] Philipp Strobl, A History of Displaced Knowledge. Austrian Refugees from National Socialism in Australia (Verlag Brill, 2025), 49–50.
[4] Philipp Strobl, “Collective Refugee Agency and the Negotiation of Migration Laws in Wartime Australia, 1939–1943,” The Historical Journal (2025): 4.
[5] Strobl, “Collective Refugee Agency,” 4–6.
[6] Strobl, “Collective Refugee Agency,” 4–6.
[7] “National Security Act 1939. No 15 of 1939.” Australasian Legal Information Institute, accessed February 26, 2025, https://classic.austlii.edu.au/au/legis/cth/num_act/nsa193915o1939257/.
[8] Strobl, “Collective Refugee Agency,” 4–5.
[9] Strobl, “Collective Refugee Agency,” 4–5.
[10] Katrina Stats, “‘Characteristically Generous’? Australian Responses to Refugees Prior to 1951,” Australian Journal of Politics and History 60, no. 2 (2014), 182–183.
[11] Stats, “‘Characteristically Generous’?”, 177–178.
[12] Stats, “‘Characteristically Generous’?”, 182–183.
[13] “They Will All Be Good Australians. Foreign Children In Our Schools,” The Herald, February 10, 1939, http://nla.gov.au/nla.news-article243375762, 6.
[14] “Refugee Children in N.S.W. Schools,” 6.
[15] Philipp Strobl, eds., Die Flüchtlingskrise der 1930er Jahre in australischen Tageszeitungen. Eine medienhistorische Diskursanalyse (Verlag Dr. Kovač 2019), 10–12.
[16]Strobl, Flüchtlingskrise, 10–11; Joan Beaumont, Ilma Martinuzzi O’Brien, and Mathew Trinca, Under Suspicion: Citizenship and Internment in Australia during the Second World War (National Museum of Australia Press, 2008), 1–4; Astrid Tumpold-Juri, „Skim off the cream”: Auswanderung von Österreich nach Australien 1945–1978 (Dissertation, Karl-Franzens-Universität Graz, 2008), 247–248.
[17] “They Will All Be Good Australians,” 6.
[18] Jutta Aumüller, Assimilation: Kontroversen um ein migrationspolitisches Konzept, 1st ed, (Transcript Verlag, 2015), 36.
[19] “Refugee Children in N.S.W. Schools,” 6.
[20] Richard Alba and Victor Nee, Remaking the American Mainstream: Assimilation and Contemporary Immigration, 1st ed. (Harvard University Press, 2003), 23–24.
[21] “They Will All Be Good Australians,” 6.
[22] “Refugee Children in N.S.W. Schools,” 6.
[23] “Gratitude of Refugee Parents,” The Herald, September 26, 1940, http://nla.gov.au/nla.news-article244460148, 15; “Gratitude of Refugee Parents,” 15.
[24] “They Will All Be Good Australians,” 6.
[25] “Refugee Children in High Schools,” Barrier Miner, May 30, 1939, http://nla.gov.au/nla.news-article48318168, 1; “Refugee Children. Admission to High Schools,” Glen Innes Examiner, May 30, 1939, http://nla.gov.au/nla.news-article178531049, 1.
[26] Rudolf Bretschneider, Integration und Zusammenleben. Was denkt Österreich?, (Österreichischer Integrationsfonds, 2016), https://www.integrationsfonds.at/fileadmin/user_upload/OEIF_Studie_Integration_und_Zusammenleben_Was_denkt_OEsterreich_Web.PDF.
[27] Tim McNamara and Elama Shohamy, “Viewpoint, Language Tests and Human Rights,” International Journal of Applied Linguistics 18, no. 1 (2008): 89-95, https://doi.org/10.1111/j.1473-4192.2008.00191.x, 89–91.
[28] “News of the Day. The Refugee,” The Age, February 23, 1939, http://nla.gov.au/nla.news-article205956082, 10; “They Will All Be Good Australians,” 6.
[29] “Gratitude of Refugee Parents,” 15.
[30] “Gratitude of Refugee Parents,” 15; “They Will All Be Good Australians,” 6.
[31] “Gratitude of Refugee Parents,” 15.
[32] “Protection in Schools,” The Argus, October 23, 1939, http://nla.gov.au/nla.news-article11265796.
[33] “Refugee Problem,” 6; “Refugee Problems. Immigration and Refugee Problems,” 2; “News of the Day,” 10; “They Will All Be Good Australians,” 6.
[34] “Gratitude of Refugee Parents,” 15; “News of the Day,” 10; “They Will All Be Good Australians,” 6; “Educating Children,” The Argus, December 14, 1939, http://nla.gov.au/nla.news-article11274502, 8; “Refugee Children in High Schools,” 1.
[35] “Educating Children,” 8.
[36] “They Will All Be Good Australians,” 6; “Gratitude of Refugee Parents,” 15; “Refugee Children in N.S.W. Schools,” 6.
[37] “Gratitude of Refugees,” 3.
[38] “Gratitude of Refugee Parents,” 15.
[39] “About the Communities. ’Lareno’ Children,” The Australian Jewish Herald, August 1, 1940, http://nla.gov.au/nla.news-article261413267, 4.
[40] “They Will All Be Good Australians,” 6; “Refugee Problem,” The Herald, March 23, 1939, http://nla.gov.au/nla.news-article243336213, 6.
[41] Newman Rosenthal, “Australia Can Do With Them! Refugee Children Begin New Lives,” The Australian Jewish Herald, August 3, 1939, http://nla.gov.au/nla.news-article261590902, 6–7.
[42] “Refugee Problems. Immigration and Refugee Problems,” The Australian Jewish Herald, October 15, 1942, http://nla.gov.au/nla.news-article261393297, 2.
[43] Alba and Nee, Remaking the American Mainstream, 23–24.
[44] “’Lareno’ Children,” The Australian Jewish Herald, 4.
