{"id":399,"date":"2025-08-29T09:10:49","date_gmt":"2025-08-29T09:10:49","guid":{"rendered":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/?p=399"},"modified":"2025-08-29T12:39:35","modified_gmt":"2025-08-29T12:39:35","slug":"historia-prima-ein-studentisches-jahrbuch-als-hochschuldidaktisches-experiment-und-erfolgsgeschichte-severin-cramm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/?p=399","title":{"rendered":"Historia Prima \u2013 ein studentisches Jahrbuch als hochschuldidaktisches Experiment und Erfolgsgeschichte &#8211; Severin Cramm"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Historia Prima \u2013 ein studentisches Jahrbuch als hochschuldidaktisches Experiment und Erfolgsgeschichte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Severin Cramm<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.timeshighereducation.com\/features\/bureaucracy-why-wont-scholars-break-their-paper-chains\/2020256.article?utm_source=chatgpt.com\">Immer wieder wird diskutiert, wie Studierende angesichts immer st\u00e4rkerer B\u00fcrokratisierung und enger Regeln der Zugang zu Forschung und Wissenschaft erm\u00f6glicht werden kann. Wie k\u00f6nnen Studenten an das sehr selbstgesteuerte und eigenverantwortliche wissenschaftliche Arbeiten und Publizieren gef\u00fchrt werden, w\u00e4hrend sie gleichzeitig durch starke Verschulung universit\u00e4rer Lehre zu Zuh\u00f6rern und Rezipienten gemacht werden.<\/a>&nbsp;Historia Prima ist eine Antwort auf genau diese Frage \u2013&nbsp;&nbsp;ein innovatives Lehr- und Forschungsprojekt, das in seinen Vorl\u00e4ufern bis auf das Semester 2020\/2021 zur\u00fcckgeht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-2 wp-block-paragraph\"><strong>Unser hochschuldidaktischer Anspruch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-3 wp-block-paragraph\">Das Lehrprojekt Historia Prima verbindet drei innovative und viel diskutierte didaktische Konzepte der Hochschullehre, um dies zu erreichen: Das Student Centered Learning oder studentenzentrierte Lernen basiert auf der konstruktivistischen Lerntheorie,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/227191314_Cognition_and_Student-Centered_Web-Based_Learning_Issues_and_Implications_for_Research_and_Theory\">wonach der Lernende die Bedeutung des Gelernten auf Grundlage seiner individuellen Erfahrungen selbst konstruiert.<\/a>&nbsp;Nach dieser didaktischen Lehre \u00fcbernimmt der Lernende selbst die Bewertung der Fortschritte im Lernprozess und der daraus zu ziehenden Konsequenzen. Deshalb verfolgen&nbsp;<a href=\"https:\/\/xqsuperschool.org\/teaching-learning\/what-is-student-centered-learning\/\">SCL-zentrierte Programme und Projekte<\/a>&nbsp;einen starken Fokus auf projektorientiertes, interdisziplin\u00e4re und feedbackgeleitetes Lernen. Sie verlangen eine flexible und adaptive Konzentration der Ressourcen auf den einzelnen Lernenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-4 wp-block-paragraph\">Das zweite grundlegende Konzept, das diesen Ansatz erweitert, ist das des&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1039\/C5RP00099H\">problembasierten Lernens<\/a>. Dieser Ansatz fokussiert vor allem auf die konkrete Aufgabengestaltung im Projektverlauf und verlangt, dass Studierende selbstst\u00e4ndig an komplexen, mehrstufigen Aufgaben arbeiten und diese aktiv, individuell und kooperativ bearbeiten. So n\u00e4hert sich die Hochschullehre selbst einem forschungsorientierten Zyklus an, um so die wissenschaftliche Methodik am Beispiel praktisch zu erproben und das&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1039\/C5RP00099H\">Selbstwirksamkeitsgef\u00fchl der Studierenden zu steigern<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-5 wp-block-paragraph\">Kombiniert werden diese beiden Ans\u00e4tze bei Historia Prima mit der outputorientierten Lehre, wonach die Studierenden weitgehend selbstst\u00e4ndig selbst Zwischenziele setzen und sich in Teams organisieren, um ein klares Ziel zu erreichen: die Publikation der n\u00e4chsten Ausgabe ihrer studentischen Jahresschrift. Dies&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.capgemini.com\/de-de\/insights\/blog\/produktorientierte-entwicklung\/\">soll die konkreten Lerneffekte durch starke Eigenst\u00e4ndigkeit und die eigenst\u00e4ndige Methodenwahl st\u00e4rken<\/a>. Zudem soll die intrinsische Motivation der Studierenden durch das konkrete Ziel massiv gesteigert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-6 wp-block-paragraph\">Als Kombination dieser didaktischen Ans\u00e4tze entstand das Projekt Historia Prima als \u201ePraxis- und Lernwerkstatt\u201c, in der Studierende anhand konkreter F\u00e4lle die Praxis des wissenschaftlichen Publizierens kennenlernen, Methodiken der Forschung aneignen und durch eigene Anwendung dauerhaft festigen. In Historia Prima erreichen wir dies durch die Bef\u00e4higung und Eigenverantwortlichkeit der Studierenden selbst. Nach einem Grundwissen schaffenden Crashkurs zu wissenschaftlichen Prinzipien und Lektoratspraxis werden die Studierenden selbst zu den handelnden Akteuren, legen inhaltliche Schwerpunkte, methodisches Vorgehen und Teams bzw. Kollaborationswege fest.&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-658-07353-4_10\">Das Dozierenden-Team \u00fcbernimmt die Rolle der klassischen Lernbegleitung, die den selbst organisierten Lernprozess der Studierenden unterst\u00fctzen und steuern.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-7 wp-block-paragraph\">Vor allem lernen die Studierenden durch die Anwendung selbst die Vorteile des genauen, validen und reliablen wissenschaftlichen Arbeitens.&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/ele.14395\">Sie erproben als Gutachtende den Peer-Review-Prozess und Feedback-Mechaniken. So werden sie selbst indirekt auf den Publikationsdruck in der Wissenschaft und auf die Begutachtung ihrer Studien vorbereitet.<\/a>&nbsp;Die Studierenden erreichen durch diesen sehr eigenst\u00e4ndigen, forschungsvorbereitenden Ansatz ein zentrales R\u00fcstzeug an Kompetenzen f\u00fcr den sp\u00e4teren wissenschaftlichen Werdegang. Ihre Kritikf\u00e4higkeit, ihre F\u00e4higkeit zum konstruktiven Kritisieren, die Probleml\u00f6sungsf\u00e4higkeit und die soziale Kollaborationsf\u00e4higkeit werden durch die Anwendung deutlich gest\u00e4rkt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-8 wp-block-paragraph\">Nicht zuletzt wird zudem auch ihr inhaltliches Wissen gefestigt, da sie im Laufe des Seminars mehrere inhaltliche Fachartikel nicht nur lesen und verstehen, sondern im wissenschaftlichen Kontext einordnen, beurteilen und diskutieren m\u00fcssen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.14434\/josotl.v20i2.26794\">So werden auch Konzepte iterativen Arbeitens in den Projektverlauf integriert und wissenschaftliche Kompetenzen direkt gest\u00e4rkt.<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-9 wp-block-paragraph\"><strong>Das Projektseminar<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-10 wp-block-paragraph\">Im Laufe der mittlerweile drei Jahre Projektzeit hat sich ein prototypischer Projektablauf etabliert, der mehrfach angepasst und iterativ an die Interessen der studentischen Redakteur:innen, der studentischen Autor:innen, der betreuenden Dozierenden und des Universit\u00e4tsverlags Hildesheim (in dem das Jahrbuch erscheint) angepasst wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-11 wp-block-paragraph\">Demzufolge wird jeweils zum Anfang des Jahres ein CfP (Call for Papers) gemeinsam mit dem zu diesem Zeitpunkt bestehenden studentischen Redaktionsteam ausgearbeitet, in dem Erkenntnisse und neuere Entwicklungen aus dem letzten Jahrgang ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-12 wp-block-paragraph\">Dieser wird zun\u00e4chst auf der Projekt-Webseite ver\u00f6ffentlicht und gegen\u00fcber den bisherigen studentischen Redakteur:innen und studentischen Autor:innen kommuniziert, um zun\u00e4chst pers\u00f6nliche Kontakte und Netzwerke zu aktivieren. In einem zweiten Schritt wird der CfP sp\u00e4testens im Juni\/Juli des Jahres online beworben, um so mit dem Hauptinteresse das Ende der Vorlesungszeit der nieders\u00e4chsischen Universit\u00e4ten zu bespielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-13 wp-block-paragraph\">Zus\u00e4tzlich werden ab Ende Juli, Anfang August die weiteren Netzwerke zu engagierten und bereits zuvor kooperierenden Lehrbeauftragten, Dozierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen, Professor:innen und Institutsleiter:innen in Niedersachsen aktiviert. So werden diese in dem Zeitraum an die Einsendung erinnert, in dem sie selbst mit der Betreuung, Bewertung und Begutachtung von studentischen Haus- und Abschlussarbeiten besch\u00e4ftigt sind und so Studierende selbst direkt ansprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-14 wp-block-paragraph\">Zudem werden nun \u00fcber die studentischen Redakteur:innen des letzten Jahres und verschiedene Mailverteiler und Universit\u00e4ts-Webseiten Studierende angeschrieben, die sich f\u00fcr das Projektseminar interessieren und sich auch die zus\u00e4tzliche M\u00fche, die mit dem Projekt einhergehen, zutrauen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-15 wp-block-paragraph\">In einem ersten Schritt sichtet das Projektleitungs- und Dozierenden-Team von Historia Prima die eingesandten Artikel und pr\u00fcft ausschlie\u00dflich, ob diese grundlegenden Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen und formale Kriterien entsprechen. Dazu sollten die Abstracts zun\u00e4chst 250-300 W\u00f6rter umfassen und Inhalt, Methodik und Erkenntnisse darstellen. Erf\u00fcllen die Abstracts die Grundanspr\u00fcche, werden die studentischen Autoren zur Einsendung der umf\u00e4nglichen Texte aufgefordert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-16 wp-block-paragraph\">Ab dem Oktober des Jahres beginnt dann auch die Arbeit f\u00fcr das studentische Redaktionsteam. Die Teilnehmenden erhalten in der Regel jeweils einen Text zugeteilt und m\u00fcssen diesen f\u00fcr das erste von drei Blockseminaren vorbereiten, also auf Qualit\u00e4t und Relevanz pr\u00fcfen. Daf\u00fcr bekommen die Studierenden von den Dozierenden einen ersten Leitfaden, mit dem die erste Einsch\u00e4tzung vorgenommen werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-17 wp-block-paragraph\">Vor Ort erhalten die Studierenden dann einen grundlegenden Crashkurs in wissenschaftlichen Arbeitsweisen, insbesondere zum Formulieren ad\u00e4quater Fragestellungen, wissenschaftlichem Zitieren und in der Textstrukturierung. Au\u00dferdem werden die zu schreibenden Gutachten, insbesondere konstruktive Kritik am Text thematisiert. Die studentischen Einsendungen werden dann im Gesamtkurs vorgestellt und besprochen. Als Ergebnis des ersten Blockseminars steht zun\u00e4chst eine Bewertung der Frage, ob die Texte f\u00fcr die Weiterarbeit geeignet sind und es wird demokratisch \u00fcber die Annahme der Texte abgestimmt. Die angenommenen Texte werden dann unter den Studierenden neu verteilt und die Gutachten erstellt. W\u00e4hrenddessen verschickt das Dozierenden Team die abgelehnten Texte und erstellt f\u00fcr diese aufgrund der studentischen R\u00fcckmeldung ein Kurzgutachten inklusive Verbesserungsvorschl\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-18 wp-block-paragraph\">Die von den Studierenden zu erstellenden Gutachten werden auf Grundlage der Qualit\u00e4tspr\u00fcfung, der Redaktionsdiskussionen und ihrer eigenen Einsch\u00e4tzung erstellt. Sind diese fertig, erhalten die studentischen Redakteure die Kontaktdaten ihrer studentischen Autor:innen. Bis zum n\u00e4chsten Blockseminar nehmen die betreuenden Redakteur:innen Kontakt zu ihren studentischen Autor:innen auf, besprechen die Kritikpunkte mithilfe des Gutachtens, die aus der Begutachtung hervorgingen und \u00fcberarbeiten die Texte entsprechend gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-19 wp-block-paragraph\">Im n\u00e4chsten Seminar stellen die studentischen Redakteur:innen dann nicht nur ihre Gutachten, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Autoren und die \u00fcberarbeiteten Texte in der Redaktionssitzung vor. Gemeinsam diskutieren die studentischen Redakteur:innen den weiteren Umgang mit den studentischen Autor:innen, die Weiterentwicklung oder bestehenden Kritikpunkte in den Texten und weitere Optimierungspotentiale. Zudem erhalten die Studierenden nun einen Crashkurs zum Thema Lektorieren und Rechtschreibpr\u00fcfung, um die Texte nun gezielt auch in diesem Bereich fortzuentwickeln. Au\u00dferdem sch\u00e4rfen die Dozierenden insbesondere inhaltlich nach und weisen auf wichtige Punkte in Epoche, Thema und Methodik der Texte hin. Um Probleme mit studentischen Autor:innen und Perspektivit\u00e4t zu verringern, die Abwechslung zu erhalten und den Kompetenzzuwachs bei allen Studierenden zu sichern werden die Texte nun neu verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-20 wp-block-paragraph\">Auch hier erhalten die studierenden Redakteure nun Zeit, ihre neuen Texte aufmerksam durchzuarbeiten und dann auf Grundlage ihrer Recherchen und Anmerkungen sowie der Diskussionen der Redaktionssitzung ein zweites Gutachten zu verfassen. Nach Abschluss und Pr\u00fcfung der Gutachten werden auch den neu zugeordneten studentischen Redakteur:innen die Kontaktdaten der studentischen Autor:innen \u00fcbergeben, sodass diese gemeinsam mit ihnen die Texte erneut \u00fcberarbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-21 wp-block-paragraph\">Die so ein zweites Mal \u00fcberarbeiteten Texte wurden dann in einem weiteren Wochenendseminar vorgestellt, insbesondere die \u00c4nderungen und das Vorgehen gemeinsam besprochen. In dieser finalen Sitzung werden die Studierenden noch einmal aufgefordert, die Texte und deren Entwicklung zu besprechen und finale \u00c4nderungen am Text vorzuschlagen. Basierend auf den gesammelten Diskussionspunkten wird hier auch im Konsens-Verfahren der beste Text gek\u00fcrt, der sp\u00e4ter in jeder Ausgabe mit einem Preis \u00fcber 200 Euro ausgezeichnet wird. Nach der finalen Diskussion wurden die letzten \u00c4nderungen an die Autor:innen \u00fcbergeben, die ihre Texte entsprechend anpassen und final dem Dozierenden-Team \u00fcbergeben. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag bis zur finalen Ver\u00f6ffentlichung wurde dann von den Dozierenden \u00fcbernommen, die auch eine finale Pr\u00fcfung auf formale Vorgaben vornahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-22 wp-block-paragraph\">Auf Anregungen aus dem Studierendenkreis entstand zudem die M\u00f6glichkeit, dass sich die studentischen Redakteur:innen ebenfalls mit Texten an einer Ausgabe beteiligten. Dazu durften sie zu selbst ausgew\u00e4hlten Ver\u00f6ffentlichungen, die ebenfalls von Studierenden geschrieben worden sein mussten, Rezensionen in den jeweiligen Ausgaben von Historia Prima ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-23 wp-block-paragraph\">Aus diesem Vorgehen wird deutlich, wie die hochschuldidaktische Konzeption von Historia Prima zu verstehen ist: Die Studierenden, ihre Lernerfahrung und ihr Vorgehen stehen im Mittelpunkt des Projektes. Es gibt einen organisatorischen Rahmen, aber das konkrete Vorgehen, die Absprachen und der Umgang mit den studentischen Autoren liegt im Ermessen der Studierenden. Sie \u00fcbernehmen die redaktionelle Arbeit inklusive dem Peer Review, der Fragestellungs-, der Argumentations- und Zitationsoptimierung sowie der Inhaltspr\u00fcfung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-24 wp-block-paragraph\">Das hat auch deshalb einen enormen Vorteil, da die studentischen Autoren erfahrungsgem\u00e4\u00df eine gro\u00dfe Vielfalt an Inhalten und Methoden liefern. Die Studierenden selbst sind daf\u00fcr verantwortlich, die inhaltliche Vertiefung in Epoche, Methode, Thema und Referenzwerke ihrer studentischen Autoren nachzuvollziehen. Dass die Studierenden sich die Texte in Absprache selbst aussuchen d\u00fcrfen steigert dabei ihre intrinsische Motivation und stellt sicher, dass die Themen angemessen verteilt werden. Dass die \u00dcberarbeitungen im Rahmen der Redaktionssitzungen mit den Peers besprochen werden und jeder Text im Laufe des Prozesses im Wechsel von mehreren studentischen Redakteuren betreut wird, stellt zudem eine angemessene multiperspektivische Betrachtung sicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-25 wp-block-paragraph\">Hinzu kommt, dass das Seminar in enger Abstimmung mit dem Hildesheimer Universit\u00e4tsverlag stattfindet. Mitarbeiter des Verlages nehmen an Redaktionssitzungen teil, sind an den \u00f6ffentlichen Buchpr\u00e4sentationen beteiligt und stehen in enger Absprache mit dem Dozierenden-Team. So wird sichergestellt, dass die Studierenden auch Einblicke in die konkrete Verlagsarbeit erhalten, dass die Qualit\u00e4t und das Format der Texte perfekt auf die Publikation durch den Verlag angepasst ist und durch die studentische Entscheidung zu Style Sheet, Layout und Umschlag des Werkes die Studierenden selbst eine starke Identifikation mit den Ausgaben vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-26 wp-block-paragraph\"><strong>Die Publikation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-27 wp-block-paragraph\">Historia Prima baut auf zwei S\u00e4ulen auf: Einerseits ist es eben dieses innovative Lehrprojekt, in dem Studierende in einem Projektseminar ein Redaktionsteam bilden und problembasiert selbstst\u00e4ndig arbeiten. Andererseits ist Historia Prima auch das Ergebnis dieser Arbeit:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/bibliothek\/forschen-publizieren\/publizieren\/universitaetsverlag\/verlagsprogramm\/zeitschriften\/historia-prima\/\">Ein studentisches, j\u00e4hrlich erscheinendes Jahrbuch, das inhaltlich vielf\u00e4ltige Themen der Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik sowie angrenzender Disziplinen und Methoden abbildet.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-28 wp-block-paragraph\">Auf diese Weise st\u00e4rkt Historia Prima den Weg von Studierenden in die Wissenschaft. Sie k\u00f6nnen mithilfe von Historia Prima in einem sicheren Rahmen und in einem kollegialen Austausch mit Kommilitonen ihre erste Publikation erarbeiten.&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1187\/cbe.04-01-0022\">Angesichts aktueller Debatten zu dieser Frage erhalten sie so einen leichteren Zugang zur Wissenschaft und k\u00f6nnen nach dem Studium leichter angestellt werden.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-29 wp-block-paragraph\">Dies verfolgen wir auch aus \u00dcberzeugung, denn&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11192-024-04952-1\">es ist ein anerkanntes Problem<\/a>, dass immer wieder hervorragende Hausarbeiten aber auch Abschlussarbeiten wie Bachelorarbeiten und Master-Arbeiten mit Erkenntnissen, die f\u00fcr die breite geschichtswissenschaftliche Forschung relevant w\u00e4ren, Kleinststudien \u00fcber Partikularph\u00e4nomene mit gro\u00dfer Beispielhaftigkeit oder methodisch innovative Konzepte nach der Abgabe in Archiven \u201everstauben\u201c. Diese potentiell relevanten und f\u00f6rderlichen Arbeiten werden durch die Publikation bei Historia Prima f\u00fcr eine breite wissenschaftliche \u00d6ffentlichkeit sichtbar und nutzbar gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-30 wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/fb1\/institute\/geschichte\/das-institut\/historia-prima\/informationen-fuer-autoren\/\">einzigen Bedingungen<\/a>&nbsp;daf\u00fcr sind, dass eingereichte Hausarbeiten und&nbsp;Abschlussarbeiten sehr gut bewertet wurden, die Studierenden aus Niedersachsen stammen bzw. zum Zeitpunkt der Einreichung an einer nieders\u00e4chsischen Universit\u00e4t eingeschrieben sind und dass sie bereit sind, gemeinsam mit dem studentischen&nbsp;Redaktionsteam an ihren Texten zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-31 wp-block-paragraph\">Diesen W\u00fcnschen nach mehr \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr hervorragende studentische Arbeiten und mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr junge studierende Forschende folgend sind s\u00e4mtliche Ausgaben von Historia Prima&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.buchkatalog.de\/historia-prima-9783964240873\">nicht nur als gedruckte Ausgaben erh\u00e4ltlich<\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/kvk.bibliothek.kit.edu\/hylib-bin\/kvk\/nph-kvk2.cgi?maske=kvk-redesign&amp;lang=de&amp;title=KIT-Bibliothek%3A+Karlsruher+Virtueller+Katalog+KVK+%3A+Ergebnisanzeige&amp;head=asset%2Fhtml%2Fhead.html&amp;header=asset%2Fhtml%2Fheader.html&amp;spacer=asset%2Fhtml%2Fspacer.html&amp;footer=asset%2Fhtml%2Ffooter.html&amp;input-charset=utf-8&amp;ALL=Historia+Prima&amp;TI=&amp;AU=&amp;CI=&amp;ST=&amp;PY=&amp;SB=&amp;SS=&amp;PU=&amp;VERBUENDE=&amp;kataloge=K10PLUS&amp;kataloge=BVB&amp;kataloge=NRW&amp;kataloge=HEBIS&amp;kataloge=HEBIS_RETRO&amp;kataloge=KOBV_SOLR&amp;kataloge=DDB&amp;kataloge=STABI_BERLIN&amp;ref=direct&amp;client-js=yes\">und in zentralen Bibliotheksbest\u00e4nden ausleihbar<\/a>, sondern auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/hilpub.uni-hildesheim.de\/entities\/publication\/6b3bc2b6-b8ed-481d-ae7d-3638eb44a4a0\">im Open Access Format frei zug\u00e4nglich<\/a>. In Zusammenarbeit mit dem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/bibliothek\/forschen-publizieren\/publizieren\/universitaetsverlag\/verlagsprogramm\/zeitschriften\/historia-prima\/\">Universit\u00e4tsverlag Hildesheim<\/a>&nbsp;und dem dort angesiedelten Publikationsserver&nbsp;<a href=\"https:\/\/hilpub.uni-hildesheim.de\/entities\/publication\/c5b48d89-b8bc-4a38-a691-836541e056f5\">HilPub<\/a>&nbsp;sind die gesammelten Ausgaben wie auch die einzelnen Beitr\u00e4ge kostenfrei als PDF herunterladbar und \u00fcber die Bestandssuche beziehbar, um die Auffindbarkeit der Texte zu maximieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-32 wp-block-paragraph\">Nicht m\u00f6glich w\u00e4re das Projekt dabei ohne die vielen Unterst\u00fctzer des Projektes. Neben dem bereits genannten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/bibliothek\/forschen-publizieren\/publizieren\/universitaetsverlag\/verlagsprogramm\/zeitschriften\/historia-prima\/\">Universit\u00e4tsverlag<\/a>&nbsp;ist hier&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/fb1\/institute\/geschichte\/das-institut\/historia-prima\/informationen-fuer-autoren\/\">das Institut f\u00fcr Geschichte der Universit\u00e4t Hildesheim<\/a>&nbsp;zu nennen, das die Infrastruktur und die organisatorische Hintergrundarbeit liefert. Finanziell wurde das Projekt durch das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mwk.niedersachsen.de\/ausschreibungen\/innovative-lehr-und-lernkonzepte-innovation-plus-186759.html\">Nieders\u00e4chsische Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kultur<\/a>&nbsp;gef\u00f6rdert, das mit der Linie \u201eInnovation plus\u201c zur Entwicklung innovativer Lehr-Lern-Konzepte beigetragen, so das Projekt in dieser Form erst erm\u00f6glicht und perfekt mit den Zielen des Projektes \u00fcbereingestimmt hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-33 wp-block-paragraph\">Zur F\u00f6rderung der besten studentischen Arbeiten und als Anreiz zur Einreichung von Artikeln hat zus\u00e4tzlich die<a href=\"https:\/\/www.vb-eg.de\/privatkunden.html?gad_source=1&amp;gad_campaignid=11435761617\">&nbsp;Volksbank Hildesheim mehrmals den Volksbank Award finanziert<\/a>, mit denen wir den besten Beitr\u00e4gen der Ausgaben eine kleine Auszeichnung verleihen konnten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-34 wp-block-paragraph\"><strong>Projektmitglieder und Ausrichtung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-35 wp-block-paragraph\">Das Projektteam von Historia Prima ist im Laufe der Jahre organisch gewachsen. Die Projektleitung bestand aus PD Dr. Philipp Strobl und Dr. Severin Cramm, die insbesondere in der Anfangszeit als wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Geschichte der Universit\u00e4t Hildesheim t\u00e4tig waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-36 wp-block-paragraph\">PD Dr. Philipp Strobl lieferte insbesondere eine umfassende Erfahrung mit studentischen Ver\u00f6ffentlichungen und Publikationen. Schon w\u00e4hrend seiner vorausgegangenen Arbeit an den Universit\u00e4ten Innsbruck, Melbourne, Bratislava und New Orleans erprobte er studentische Beteiligung an Publikationsformaten und ihre Einbeziehung in die wissenschaftliche Praxis.<br>Dr. Severin Cramm legte neben seiner eigenen wissenschaftlichen Promotion w\u00e4hrend seiner Lehrt\u00e4tigkeit an der Universit\u00e4t Hildesheim gro\u00dfen Wert auf studentische Beteiligung und outputorientierte Seminare und Proseminare.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/241465214_Student-centred_learning_What_does_it_mean_for_students_and_lecturers\">Er orientierte sich dabei an SCLT-Methodik und moderner Hochschuldidaktik.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-37 wp-block-paragraph\">Gemeinsam entwickelten sie das Pilotprojekt \u201e<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.18442\/170\">Transkulturelle Geschichte im 21. Jahrhundert aus studentischer Perspektive<\/a>\u201c, bei dem im Jahr 2020 die Ans\u00e4tze zur forschungsorientierten und forschungsintegrativen Lehrausrichtung mit der prozessoffenen, outputorientierten Student-Centered-Learning and Teaching Methodik vereint wurden. Studierende wurden hier an die wissenschaftliche Publikationspraxis herangef\u00fchrt, indem sie selbst als wissenschaftliche Autor:innen t\u00e4tig wurden, einen verk\u00fcrzten und vereinfachten Peer-Review-Prozess durchliefen&nbsp;und den Publikationsprozess damit am eigenen Beispiel erlebten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-38 wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse dieses Pilotprojektes flossen in eine Weiterentwicklung des Konzeptes ein. Wir erlebten, dass Studierende nicht nur f\u00e4hig waren, wissenschaftlich zu arbeiten und zu publizieren, sondern von dem Prozess inhaltlich, methodisch und motivational massiv profitierten. So entwickelten wir daraus ein ambitionierteres Projekt: Studierende sollten nicht nur selbst publizieren, sondern andere studentische Autoren auch anleiten und in diesem Prozess begleiten. Nachdem die Finanzierung hierf\u00fcr durch eine Projektf\u00f6rderung durch das Land Niedersachsen erreicht war, war das Projekt Historia Prima geboren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-39 wp-block-paragraph\">Nun stie\u00df zu dem Projekt auch die wissenschaftliche Hilfskraft Dinh Chien Do hinzu, der bereits an dem Pilotprojekt als Autor beteiligt gewesen war und der sich durch auff\u00e4llig gro\u00dfes Engagement auszeichnete. Er \u00fcbernahm die Projektkoordination, das Stakeholder-Management mit Verlag und Archiven sowie die Terminabsprachen mit den studentischen Autoren und Redakteuren. Damit jedoch nicht genug: Im Laufe der Zeit engagierte sich Herr Do auch in der Lehre, brachte eigene Impulse in die Seminargestaltung ein und etablierte sich so als fester, unverzichtbarer Bestandteil des Dozierendenteams.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-40 wp-block-paragraph\">Das Projekt ist dabei genuin transdisziplin\u00e4r aufgebaut. Erfahrungsgem\u00e4\u00df verfassen Studierende auff\u00e4llig h\u00e4ufig Texte zu bisher eher unbeleuchteten Zeitspannen der Geschichte, ziehen bisher wenig oder nicht genutzte Quellen hinzu oder verwenden besonders innovative oder disziplin\u00fcbergreifende Methodik. Das Denken au\u00dferhalb von Grenzen und die Begeisterungsf\u00e4higkeit f\u00fcr unerforschte Felder zeichnet Studierende aus und bietet damit auch einen enormen Mehrwert f\u00fcr die Geschichtswissenschaft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-41 wp-block-paragraph\"><strong>Auswirkungen und Erkenntnisse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-42 wp-block-paragraph\">Aus den Erfahrungen des Pilotprojektes und des gro\u00df aufgezogenen Lehr- und Forschungsprojektes Historia Prima lassen sich nach insgesamt 5 Jahren diverse Erkenntnisse f\u00fcr eine moderne Hochschuldidaktik ziehen. Studierenden sollten unserer Ansicht nach als handelnde Subjekte ernst genommen, ihr Entwicklungsweg in den Fokus genommen und ihre Motivation, ihre Neugierde und ihr Forschungsdrang gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-43 wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/sciadv.ado6759\">Die erste Erkenntnis dabei ist wenig erstaunlich, sollte aber sehr stark betont werden, da sie in der Hochschullehre dennoch noch zu wenig Beachtung findet: Eine gesteigerte Autonomie der Studenten in der Hochschullehre steigert deren Motivation und ihre eigene Wahrnehmung von Selbstf\u00e4higkeit.<\/a>&nbsp;So werden die h\u00e4ufig von Lehrenden beklagten Mangel an Engagement und Selbstst\u00e4ndigkeit von Studierenden unserer Erfahrung nach abgemildert oder ins Gegenteil gewandelt. Studierende, die sich in ihren Ansichten und Vorgehensweisen wertgesch\u00e4tzt und ernst genommen f\u00fchlen, sind eher bereit dazu, an Seminaren teil zu nehmen, sich in diesen zu engagieren und auch \u00fcber das Seminar hinaus an den Inhalten, Methoden und Themen zu arbeiten. Sie arbeiten nicht mehr nur f\u00fcr abstrakte \u201eCredits\u201c, sondern haben ein Interesse an einer hochwertigen Publikation als Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-44 wp-block-paragraph\">Hinzu kommt, dass die Studierenden durch die redaktionelle Arbeit am praktischen Beispiel den wissenschaftlichen Publikationsprozess erleben.&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1128\/jmbe.00199-22\">Wie bereits andere Forschungen nahelegen, verstehen die Lernenden so den wissenschaftlichen Betrieb und die wissenschaftliche Praxis sehr viel besser als durch das reine Konsumieren wissenschaftlicher Literatur oder die Besch\u00e4ftigung mit dieser.<\/a>&nbsp;\u00dcbertragen wir dies auf die Hochschullehre, so f\u00fchren wir Studierende nicht nur in einem sicheren Rahmen an die Wissenschaft, sondern st\u00e4rken auch die wissenschaftliche Praxis selbst, da die Studierenden neue Ans\u00e4tze, frische Ideen und Innovation in die Wissenschaftswelt tragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-45 wp-block-paragraph\">Durch die Selbstorganisation und die eigene Auswahl von Methodik und Ansprache studentischer Autor:innen steigern wir zudem ihr Verantwortungsgef\u00fchl. Die Studierenden identifizieren sich st\u00e4rker mit den Texten und den Autor:innen und nehmen eine h\u00f6here Selbstwirksamkeit wahr.&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.compedu.2022.104580\">Auch vorige Studien wiesen bereits auf die Vorteile studentischer Selbstorganisation und die Arbeit in Projektgruppen zur L\u00f6sung individueller Probleme hin. Hier wurde festgestellt, dass insbesondere die soziale Interaktion die Identifikation mit der gemeinsamen Arbeit f\u00f6rdert.<\/a>&nbsp;Die Erfahrungen unseres Projektes best\u00e4tigen diese These. Die Studierenden identifizierten sich mit der Ausgabe, sie engagierten sich f\u00fcr das Ergebnis und organisierten sich untereinander selbstst\u00e4ndig. Dies bewirkte als Nebeneffekt auch ein sehr gro\u00dfes soziales Miteinander der Studierenden untereinander und einer sehr starken Gruppenwahrnehmung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-46 wp-block-paragraph\">Ergebnis dieser st\u00e4rkeren Identifikation und des vertieften Engagements ist also ein vertieftes Wissen. Was wir in unserem Projekt jedoch dar\u00fcber hinaus feststellen konnten, war eine l\u00e4ngerfristige Verankerung des Wissens und viel nachhaltigere Beibehaltung wissenschaftlicher Prinzipien in das methodische Vorgehen der Studenten.&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1287\/orsc.1090.0483\">Studien aus der Organisationssoziologie<\/a>&nbsp;oder&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3390\/educsci11100580\">der P\u00e4dagogik weisen ebenfalls bereits in diese Richtung<\/a>: Selbstorganisierte Teams, die innerhalb von sicheren Umgebungen mit komplexen Aufgaben konfrontiert werden und geeignete Methoden selbst aussuchen und anwenden m\u00fcssen, um ihre Ziele bestm\u00f6glich zu erreichen, modifizieren ihr Vorgehen stark, gehen innovativer und flexibler vor und identifizieren sich mit dem Ergebnis sehr stark. Dies f\u00fchrt dazu, dass nicht nur die inhaltlichen Ergebnisse sehr viel st\u00e4rker gefestigt werden, sondern dass gerade das Vorgehen, die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen von Methoden und gerade auch die Vorteile akribischen und genauen Vorgehens sichtbar und st\u00e4rker verinnerlicht werden. So entsteht ein wahrhaft bleibender, dauerhafter methodischer Zuwachs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-47 wp-block-paragraph\">So erreichten wir mit dem Projekt eine nachhaltige St\u00e4rkung wissenschaftlicher Praxis und einen gr\u00f6\u00dferen Praxisbezug in der Hochschullehre. Gleichzeitig trugen wir interessante studentische Beitr\u00e4ge und Ansichten in die wissenschaftliche \u00d6ffentlichkeit und erm\u00f6glichten Studierenden so auch erste Publikationserfahrungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-48 wp-block-paragraph\">Der Preis daf\u00fcr war ein deutlich h\u00f6herer Zeit- und Betreuungsaufwand f\u00fcr das Dozierendenteam, der das Normalma\u00df anderer Seminare bei weitem \u00fcberstieg. Das Seminar erforderte unter anderem, dass weit vor Beginn der eigentlichen Redaktionssitzungen schon der CfP an Universit\u00e4ten verteilt, Dozierende sensibilisiert und f\u00fcr die Einsendung von Beitr\u00e4gen geworben wurde. Auch mussten die Studierenden w\u00e4hrend des Seminars stets Ansprechpartner im Dozierendenteam haben und auch auf abwegige oder eher zwischenmenschliche Probleme reagiert werden. Schlie\u00dflich blieb auch noch die Zeit nach dem Semester, in dem die finale Publikation betreut, jeweils eine Buchpr\u00e4sentation vorbereitet und durchgef\u00fchrt und zudem die Preise vergeben werden mussten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-49 wp-block-paragraph\">Unserer Erfahrung nach lohnte sich dieser Mehrwert. Es entstand durch das Seminar ein Netzwerk aus studentischen Redakteur:innen und Autor:innen, das noch weit nach den Seminaren nachwirkt. Nieders\u00e4chsische Dozierende standen im Austausch miteinander und berieten die studentischen Beitr\u00e4ge. Andere Institute an der Universit\u00e4t Hildesheim wurden auf das Projekt aufmerksam und beraten aktuell eigene davon inspirierte Lehrprojekte. Einige der beteiligten Studierende streben auch aufgrund der Erfahrungen eigene wissenschaftliche Laufbahnen an. Und nicht zuletzt ist Historia Prima als studentisches Jahrbuch ein anerkanntes Publikationsorgan geworden, in dem sich mittlerweile eine gro\u00dfe Anzahl an Themen, Methoden und Inhalte versammelt haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-50 wp-block-paragraph\"><strong>Der weitere Weg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-51 wp-block-paragraph\">Das Projekt lie\u00dfe sich noch mannigfaltig erweitern, um weitere didaktische Ans\u00e4tze aufzunehmen und den Gewinn f\u00fcr die Studierenden noch weiter zu st\u00e4rken.&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3390\/educsci11080444\">So k\u00f6nnten in die redaktionelle Arbeit Konzepte agilen Projektmanagements integriert werden, die die Zusammenarbeit selbst in den Blick nehmen und so auch die sozial-organisatorische Struktur selbst betrachten<\/a>. Dies lie\u00dfe sich erweitern, indem auch von Dozierendenseite agile Methoden wie&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.22492\/issn.2189-1036.2023.42\">Kanban f\u00fcr die Aufgabenverteilung und das Nachverfolgen des Projektfortschritts pr\u00e4sentiert und diese Methodik zur Priorisierung verwendet werden w\u00fcrde.<\/a>&nbsp;Auch die Organisation von Dozierenden- und Studierdenenaustausch k\u00f6nnte von modernen didaktischen Ans\u00e4tzen profitieren,&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1186\/s41239-016-0032-z\">indem etwa Flipped Classroom-Modelle Effektivit\u00e4t, Flexibilit\u00e4t und Lernzuwachs in dem Seminar zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzen<\/a>. All dies w\u00e4ren Wege, die hervorgehobenen Vorteile dieses Projektseminars weiter zu st\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-52 wp-block-paragraph\">Dies wird sich im Rahmen von Historia Prima nicht mehr testen lassen. Versteht man das Projekt aber als Ansto\u00df in die richtige Richtung, so hat es diesen Auftrag voll erf\u00fcllt. Die Teilnehmenden berichten weiterhin von dem Mehrwert, den sie aus dem Projektseminar bis heute ziehen und von vielf\u00e4ltigen Gebieten, in denen ihnen die dort vermittelten Kompetenzen bis heute helfen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Ans\u00e4tze in Zukunft in einer noch breiteren Form Anklang finden und noch mehr Seminare sich output-orientierten und problembasiertem Lernen \u00f6ffnen. die Vorteile dieses Vorgehens sind aus unserer Sicht vielf\u00e4ltig und bieten gro\u00dfe Chancen f\u00fcr Studierende.&nbsp;\u00a0<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mom.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Fotografie-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-404\" style=\"width:529px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/mom.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Fotografie-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mom.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Fotografie-300x200.jpg 300w, https:\/\/mom.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Fotografie-768x512.jpg 768w, https:\/\/mom.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Fotografie-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mom.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Fotografie-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Severin Cramm ist Dozent, Moderator und Researcher. Er hat in Hildesheim Deutsch und Geschichte studiert, war dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter t\u00e4tig und promovierte im Jahr 2021 in Zeitgeschichte. Seitdem arbeitet er in verschiedenen Funktionen als wissenschaftlicher Projektleiter, Workshop- und Schulungsmoderator sowie als Markt- und Trendforscher an privaten wie auch universit\u00e4ren Einrichtungen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Zeitgeschichte, insbesondere in der Internationalen Geschichte, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie im agilen Projektmanagement. Zuletzt leitete er gemeinsam mit Priv. Doz. Dr. Philipp Strobl das Projekt Historia Prima.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historia Prima \u2013 ein studentisches Jahrbuch als hochschuldidaktisches Experiment und Erfolgsgeschichte Severin Cramm Immer wieder wird diskutiert, wie Studierende angesichts [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":411,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-399","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reviews-and-reports"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/399","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=399"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/399\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":406,"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/399\/revisions\/406"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/411"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=399"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=399"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}