{"id":430,"date":"2025-10-23T09:49:50","date_gmt":"2025-10-23T09:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/?p=430"},"modified":"2025-10-23T14:53:07","modified_gmt":"2025-10-23T14:53:07","slug":"migration-als-spiegel-osterreichische-geschichte-neu-gelesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mom.univie.ac.at\/?p=430","title":{"rendered":"Migration als Spiegel: \u00d6sterreichische Geschichte neu gelesen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>Ein studentisches Publikationsprojekt mit Rezensionen zentraler Werke zur \u00f6sterreichischen Migrationsgeschichte<\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Philipp Strobl, Moritz Boesser, Katja Dolinek, Fabian Eigner, Reinhard Faber, Mohammad Amin Haeri, Matthias Hailwax, Sven Ivanic, Felix Kisling, Anna-Lena K\u00f6gler, Maximilian K\u00f6pl, David Manaila, Clemens Mayr, Lukas Pallua, Hanna Perbeschlager, Leonie Scheumbauer, Anna Schuster<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\"><br>Migrationsgeschichte ist in \u00d6sterreich in den letzten Jahren zunehmend in das Blickfeld der \u00d6ffentlichkeit und der Wissenschaft ger\u00fcckt. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, da das Thema \u00fcber Jahrzehnte hinweg ein Schattendasein f\u00fchrte. Migration und insbesondere Fluchtmigration wurde in der nationalen Erinnerungskultur wie auch in der akademischen Forschung lange Zeit marginalisiert. Dabei handelt es sich um ein Ph\u00e4nomen, das die \u00f6sterreichische Gesellschaft seit 1945 in ihrer sozialen Zusammensetzung, kulturellen Vielfalt und politischen Struktur grundlegend gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-2 wp-block-paragraph\">Der Historiker Dirk Rupnow bringt diesen Befund pr\u00e4gnant auf den Punkt: Migration sei \u201elange nicht in die hegemoniale Version der \u00f6sterreichischen Nachkriegsgeschichte integriert\u201c worden.<sup data-fn=\"4523bf41-ece1-45bc-96bc-be8ae27d7766\" class=\"fn\"><a href=\"#4523bf41-ece1-45bc-96bc-be8ae27d7766\" id=\"4523bf41-ece1-45bc-96bc-be8ae27d7766-link\">1<\/a><\/sup> Die nationale Erz\u00e4hlung konzentrierte sich \u00fcber Jahrzehnte auf Wiederaufbau, wirtschaftliches Wachstum und Neutralit\u00e4t, w\u00e4hrend die vielf\u00e4ltigen Formen von Zuwanderung, Exil und Integration weitgehend ausgeblendet blieben. Dass \u00d6sterreich nach 1945 sowohl ein Herkunfts-, Transit- als auch ein Aufnahmeland war, wurde erst sp\u00e4t zum Gegenstand historischer Reflexion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-3 wp-block-paragraph\">Diese Zur\u00fcckhaltung verweist auf ein tieferliegendes Strukturproblem der \u00f6sterreichischen Zeitgeschichtsforschung. Thomas Angerer konstatierte bereits in den 1990er Jahren eine gewisse Scheu seiner Fachkolleg:innen, sich mit den j\u00fcngsten und politisch sensiblen Epochen auseinanderzusetzen.<sup data-fn=\"21e9ccbb-c4af-41b0-a896-99e73ff04193\" class=\"fn\"><a href=\"#21e9ccbb-c4af-41b0-a896-99e73ff04193\" id=\"21e9ccbb-c4af-41b0-a896-99e73ff04193-link\">2<\/a><\/sup> W\u00e4hrend in Deutschland oder Gro\u00dfbritannien schon fr\u00fch umfangreiche Studien zur Migrations- und Exilgeschichte entstanden, blieb der \u00f6sterreichische Forschungsdiskurs vergleichsweise defensiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-4 wp-block-paragraph\">Erst der sogenannte <em>Cultural Turn<\/em> in den 1990er Jahren brachte eine allm\u00e4hliche Wende. Mit der \u00d6ffnung der Geschichtswissenschaft hin zu Alltags-, Mentalit\u00e4ts- und Biografieforschung sowie zur Geschlechter- und Kulturgeschichte verschoben sich die Perspektiven: Migration wurde nicht l\u00e4nger nur als demografisches oder arbeitsmarktpolitisches Ph\u00e4nomen verstanden, sondern als Teil eines umfassenden kulturellen, gesellschaftlichen und epistemischen Wandels. Die verst\u00e4rkte Internationalisierung und Interdisziplinarisierung der Forschung \u2013 auch im Dialog mit Soziologie, Anthropologie und Literaturwissenschaft \u2013 f\u00fchrte zu neuen Fragestellungen: Wie pr\u00e4gt Migration das kollektive Ged\u00e4chtnis? Welche Wissensformen, Praktiken und sozialen Netzwerke entstehen durch Migration? Wie ver\u00e4ndert sich durch Migration das Verst\u00e4ndnis von \u201e\u00f6sterreichischer Identit\u00e4t\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-5 wp-block-paragraph\">Zahlreiche Einzelstudien haben seither wertvolle Beitr\u00e4ge geleistet. Untersuchungen zu Flucht und Exil w\u00e4hrend des Nationalsozialismus, zu den \u201eGastarbeiter\u201c-Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre oder zur j\u00fcngeren Migrationsgeschichte nach 1990 zeigen, wie sehr \u00d6sterreich ein Land der Bewegung und Transformation war und wie fluide die \u00f6sterreichische Gesellschaft ist. Forschungsarbeiten zu transnationalen Wissensr\u00e4umen \u2013 etwa im Umfeld emigrierter Wissenschaftler:innen oder K\u00fcnstler:innen \u2013 verdeutlichen zudem, dass Migration nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch produktive Transfers und kulturelle Innovationen hervorgebracht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-6 wp-block-paragraph\">Trotz dieser Erkenntnisse fehlt bislang eine systematische Zusammenschau. W\u00e4hrend die politische Geschichte der Zweiten Republik mit Werken wie Oliver Rathkolbs <em>Paradoxer Republik<\/em><sup data-fn=\"33aad9bb-19c8-4ff6-b350-7b18e8021b30\" class=\"fn\"><a href=\"#33aad9bb-19c8-4ff6-b350-7b18e8021b30\" id=\"33aad9bb-19c8-4ff6-b350-7b18e8021b30-link\">3<\/a><\/sup> gut dokumentiert ist, existiert nach wie vor keine umfassende Geschichte der Migration in \u00d6sterreich im 20. Jahrhundert. Einzelne Sammelb\u00e4nde und Aufs\u00e4tze, etwa zu Flucht und Exil oder zur Integration von Arbeitsmigrant:innen, bilden zwar wichtige Mosaiksteine \u2013 doch ein verbindendes Narrativ, das diese Forschungsans\u00e4tze integriert und \u00fcbergreifend interpretiert, steht weiterhin aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-7 wp-block-paragraph\">Gerade jetzt, da die gesellschaftlichen Debatten \u00fcber Migration wieder an Sch\u00e4rfe gewinnen und Fragen nach Zugeh\u00f6rigkeit, Erinnerung und Verantwortung neu gestellt werden, w\u00e4re es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Die Migrationsgeschichte \u00d6sterreichs erz\u00e4hlt nicht nur von jenen, die kamen oder gehen mussten, sondern auch davon, wie die Gesellschaft auf diese Bewegungen reagierte \u2013 und welche Narrative sie dar\u00fcber entwickelte oder verdr\u00e4ngte. Die Geschichten jener rund 2,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (aber auch der Ausgewanderten) zu integrieren w\u00fcrde helfen, die \u00f6sterreichische Geschichte inklusiver zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-8 wp-block-paragraph\">Dieser Beitrag versteht sich als ein Schritt in Richtung einer umfassenderen Auseinandersetzung mit der Migrationsgeschichte \u00d6sterreichs. Die hier vorliegende Sammelrezension vereint zentrale Werke zur \u00f6sterreichischen Migrations- und Fluchtgeschichte, die zwischen den 1990er Jahren und 2025 erschienen sind, und bietet einen \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Forschungsans\u00e4tze, Themenfelder und methodischen Zug\u00e4nge, die das Feld heute pr\u00e4gen. Die ausgew\u00e4hlten Texte aus Geschichtswissenschaft, Soziologie, Kultur- und Sozialwissenschaft zeigen Migration als ein vielschichtiges, dynamisches und gesellschaftsformendes Ph\u00e4nomen, das weit \u00fcber nationale Grenzen und Disziplinen hinausweist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-9 wp-block-paragraph\">Entstanden ist diese Sammelrezension im Rahmen eines Guided-Reading-Seminars am Institut f\u00fcr Zeitgeschichte der Universit\u00e4t Wien, in dem die teilnehmenden Studierenden zentrale Werke der \u00f6sterreichischen Migrationsgeschichte recherchierten, analysierten, kontextualisierten und kritisch diskutierten. Alle hier vorgestellten Rezensionen stammen von diesen Studierenden, die sich \u00fcber ein Semester hinweg intensiv mit den vielf\u00e4ltigen Facetten von Migration, Flucht und Erinnerung auseinandergesetzt haben. Ihr Engagement, ihre analytische Pr\u00e4zision und ihr kritisches Interesse gingen weit \u00fcber die Anforderungen einer regul\u00e4ren Lehrveranstaltung hinaus und haben entscheidend dazu beigetragen, dieses Projekt zu verwirklichen. Ihnen geb\u00fchrt besonderer Dank.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-10 wp-block-paragraph\">Damit versteht sich dieser Blogbeitrag als Einladung, den Dialog \u00fcber Migration in \u00d6sterreich weiterzuf\u00fchren: als Forschungsfeld, als gesellschaftliches Thema und als Teil einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-11 wp-block-paragraph\">Diese Sammelrezension versammelt zentrale Arbeiten zur \u00f6sterreichischen Migrations- und Fluchtgeschichte, die zwischen den 1990er Jahren und 2025 erschienen sind. Gemeinsam zeichnen sie ein facettenreiches Bild der Migrationsforschung in \u00d6sterreich \u2013 von der sp\u00e4ten Habsburgermonarchie bis zu postmigrantischen Diskursen der Gegenwart \u2013 und machen deutlich, dass Migration ein konstitutives Element \u00f6sterreichischer Geschichte ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-12 wp-block-paragraph\">Den Ausgangspunkt bildet die Rezension von <strong>Leonie Scheumbauer und Anna-Lena K\u00f6gler<\/strong>, die Annemarie Steidls Studie <em>On Many Routes: Internal, European, and Transatlantic Migration in the Late Habsburg Empire<\/em> (2021) analysieren. Steidl zeigt, dass Mobilit\u00e4t in der sp\u00e4ten Habsburgermonarchie allgegenw\u00e4rtig war \u2013 von inner\u00f6sterreichischen Wanderbewegungen bis zu transatlantischen Migrationen in die USA. Ihre quantitativen Analysen und regionalhistorischen Ans\u00e4tze offenbaren, dass Migration nicht als Ausnahme, sondern als integraler Bestandteil des Alltags verstanden werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-13 wp-block-paragraph\">Daran kn\u00fcpfen <strong>Katja Dolinek und Clemens Mayr<\/strong> an, die zwei Arbeiten zur Zwischenkriegszeit \u2013 Andreas Weigls <em>Demographic Transitions Accelerated<\/em> (2010) und Ilse Reiter-Zatloukals <em>Ehe, Staatsangeh\u00f6rigkeit und Migration \u2013 \u00d6sterreich 1918\u20131938<\/em> (2012) \u2013 vergleichen. Weigl beschreibt den demographischen und sozialen Wandel nach dem Ersten Weltkrieg, w\u00e4hrend Reiter-Zatloukal die rechtliche Dimension von Migration und Geschlechterungleichheit untersucht. Zusammen zeigen sie, wie eng Bev\u00f6lkerungspolitik, nationale Identit\u00e4t und rechtliche Zugeh\u00f6rigkeit miteinander verwoben waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-14 wp-block-paragraph\">Mit der Emigration nach dem \u201eAnschluss\u201c 1938 setzen sich <strong>Maximilian K\u00f6pl und Lukas Pallua<\/strong> auseinander. Ihre Rezension zu Philipp Strobls und Susanne Korbels <em>Mediations Through Migrations<\/em> (2022) sowie Strobls Monografie <em>A History of Displaced Knowledge<\/em> (2025) hebt hervor, wie Verfolgte ihr kulturelles und soziales Kapital nutzten, um Wege ins Exil zu finden. Die Verbindung von Wissens- und Exilgeschichte er\u00f6ffnet neue Perspektiven auf \u00f6sterreichische Intellektuelle im Exil, insbesondere in Australien. Diese kulturhistorische Herangehensweise erg\u00e4nzt die Analyse von <strong>Moritz Boesser<\/strong>, der Gabriela Stiebers klassische Studie <em>Die L\u00f6sung des Fl\u00fcchtlingsproblems 1945\u20131960<\/em> (1995) und einen Beitrag von Philipp Strobl und Nikolaus Hagen (2022) zur <em>Displaced Persons<\/em>-Forschung gegen\u00fcberstellt. Boesser zeigt dabei auf, wie sich der Blick auf Nachkriegsfl\u00fcchtlinge von institutioneller Verwaltungsgeschichte hin zu einer st\u00e4rker akteurszentrierten Forschung verschoben hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-15 wp-block-paragraph\">Die Forschung zu Fluchtmigration w\u00e4hrend des Kalten Krieges wird in der Rezension von <strong>Reinhard Faber und Felix Kisling<\/strong> beleuchtet. Sie vergleichen Sarah Knolls Aufsatz <em>Calling for Support: International Aid for Refugees in Austria during the Cold War<\/em> (2021) und ihren gemeinsam mit Maximilian Graf verfassten Beitrag <em>In Transit or Asylum Seekers?<\/em> (2017). Beide Texte untersuchen \u00d6sterreichs Rolle als Transitland f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge aus Osteuropa und analysieren, wie humanit\u00e4re Rhetorik und internationale Hilfe das Selbstbild der Zweiten Republik pr\u00e4gten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-16 wp-block-paragraph\">Einen weiteren Schwerpunkt in der Migrationsgeschichte \u00d6sterreichs bildet die Arbeitsmigration seit den 1960er Jahren, die <strong>Fabian Eigner und David Manaila<\/strong> in drei Werken nachzeichnen: Vida Bakondys <em>Austria Attractive for Guest Workers?<\/em>, Ingrid Blasges <em>Fl\u00fcchtling, Gastarbeiter, Mensch mit \u201eMigrationshintergrund\u201c<\/em> und Lisa Gr\u00f6sels <em>Fremde von Staats wegen<\/em>. Diese Studien verdeutlichen, dass \u00d6sterreich zwar strukturell l\u00e4ngst ein Einwanderungsland war, sich aber weiterhin als tempor\u00e4res Aufnahmeland verstand. Besonders pr\u00e4gnant zeigen sie, wie stark Sprache und politische Rhetorik den gesellschaftlichen Diskurs \u00fcber Migration formten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-17 wp-block-paragraph\">Die politischen und institutionellen Dimensionen von Migration stehen im Mittelpunkt der Rezension von <strong>Mohammad Amin Haeri und Sven Ivanic<\/strong>, die Bernhard Perchinigs <em>Migration, Integration und Staatsb\u00fcrgerschaft in \u00d6sterreich seit 1918<\/em> (2009) und Rainer Baub\u00f6cks Essay <em>Nach Rasse und Sprache verschieden<\/em> (1996) gegen\u00fcberstellen. Beide Autoren verdeutlichen, wie sich \u00f6sterreichische Migrationspolitik zwischen Inl\u00e4nderprimat, Integrationsmodellen und europ\u00e4ischen Rechtsentwicklungen bewegte. Erg\u00e4nzend dazu hebt <strong>Hanna Perberschlager<\/strong> in ihrer Rezension zu Dirk Rupnows <em>Geschichte und Ged\u00e4chtnis von Migration in \u00d6sterreich<\/em> (2019) hervor, dass Migration in der kollektiven Erinnerung und in kulturellen Institutionen noch immer unterrepr\u00e4sentiert ist. Rupnow pl\u00e4diert f\u00fcr eine inklusive Geschichtsschreibung, die migrantische Perspektiven systematisch in Archive, Museen und Bildung integriert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-18 wp-block-paragraph\">Eine weitere theoretische \u00d6ffnung bietet die Rezension von <strong>Matthias Hailwax<\/strong>, der Alexander Rubels <em>Migrationsgeschichte als Weltgeschichte<\/em> (2021) bespricht. Rubel fordert, Migration nicht auf die Moderne oder auf Krisenzeiten zu beschr\u00e4nken, sondern sie als universales Strukturprinzip menschlicher Geschichte zu verstehen \u2013 von der Fr\u00fchgeschichte bis zur Gegenwart. Schlie\u00dflich f\u00fchren <strong>Anna Schuster<\/strong>\u2019s \u00dcberlegungen zu Erol Yildiz\u2019 <em>Postmigrantische Lebensentw\u00fcrfe jenseits der Parallelgesellschaft<\/em> (2019) in die Gegenwart: Yildiz versteht Postmigration nicht als neue Disziplin, sondern als Perspektivwechsel, der Migration als gesellschaftsnormale Realit\u00e4t begreift.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-19 wp-block-paragraph\">In ihrer Gesamtheit zeigen die hier versammelten Rezensionen, wie breit und vielschichtig die \u00f6sterreichische Migrationsforschung inzwischen geworden ist. Von den quantitativen Studien zur Mobilit\u00e4t im Habsburgerreich \u00fcber rechtshistorische und politische Analysen bis hin zu kultur- und wissensgeschichtlichen Ans\u00e4tzen spannt sich ein weiter Bogen. Zugleich wird sichtbar, dass das Forschungsfeld trotz beachtlicher Fortschritte fragmentiert bleibt. Die Vielfalt der behandelten Werke legt nahe, dass es an der Zeit ist, Migration nicht l\u00e4nger als Randthema, sondern als zentrales Narrativ \u00f6sterreichischer Geschichte zu begreifen \u2013 als Geschichte von Bewegung, \u00dcbersetzung und Neuverortung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-20 wp-block-paragraph\">Rezensent:in: <strong>Leonie Scheumbauer, Anna Lena K\u00f6gler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-21 wp-block-paragraph\"><em>Annemarie Steidl. <\/em><em>On Many Routes: Internal, European, and Transatlantic Migration in the Late Habsburg Empire (West Lafayette 2021).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-22 wp-block-paragraph\">Die Wiener Historikerin Annemarie Steidl besch\u00e4ftigt sich in ihrem Werk <em>\u201eOn Many Routes: Internal. European, and Transatlantic Migration in the Late Habsburg Empire\u201c<\/em> mit der Frage, wie sich die r\u00e4umliche Mobilit\u00e4t (intern, europ\u00e4isch, transatlantisch) in der sp\u00e4ten Habsburgermonarchie gestaltete und wie diese Mobilit\u00e4tsformen historisch, sozial und \u00f6konomisch zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-23 wp-block-paragraph\">Im ersten Kapitel steht die Binnenmigration im Vordergrund. Diese war deutlich verbreiteter als Auslands- oder \u00dcberseemigrationen und fand oft saisonal und \u00fcber kurze Distanzen statt. Bewegungen zwischen l\u00e4ndlichen Regionen und St\u00e4dten waren \u00fcblich, etwa durch Erntehelfer, Dienstboten oder Bauarbeiter. Die St\u00e4dte Wien, Budapest und Prag entwickelten sich zu bedeutenden Metropolen f\u00fcr Zuwanderer und wurden zu wichtigen Zielen f\u00fcr Arbeitsmigration. Der Staat versuchte Migration durch das Heimatrecht zu regulieren, das den Anspruch auf soziale Unterst\u00fctzung an eine Gemeinde band.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-24 wp-block-paragraph\">Das zweite Kapitel besch\u00e4ftigt sich mit der Migration \u00fcber die Grenzen der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie hinweg. Zwischen 1876 und 1910 verlie\u00dfen rund f\u00fcnf Millionen Menschen die Monarchie, meist vor\u00fcbergehend oder saisonal. Zu den Zielregionen geh\u00f6rten unter anderem das Deutsche Reich, die Schweiz, Italien und Russland. Auch viele Frauen zog es in die St\u00e4dte, wo sie vor allem in der Hausarbeit oder im Dienstleistungssektor Besch\u00e4ftigung fanden. Aus B\u00f6hmen und Galizien wanderten viele Menschen zur Arbeit ins Russische oder ins Deutsche Reich aus. Gleichzeitig kam es jedoch zu einer bemerkenswerten Zuwanderung. Viele Menschen aus Italien und dem Deutschen Reich lie\u00dfen sich in der Monarchie nieder, w\u00e4hrend Wien zunehmend zum Anziehungspunkt f\u00fcr Ungarn und Slowaken wurde. Budapest wurde hingegen f\u00fcr viele Galizier zur neuen Heimat. Ab 1910 ging die Migrationsbewegung deutlich zur\u00fcck und kam mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 schlie\u00dflich abrupt zum Erliegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-25 wp-block-paragraph\">In Kapitel drei analysiert Annemarie Steidl die transatlantische Migration aus der Habsburgermonarchie in die USA zwischen den 1850er Jahren und dem Ersten Weltkrieg. Rund vier Millionen Menschen verlie\u00dfen das Reich, viele mit dem Ziel, zeitweise in Amerika zu arbeiten. Migration war selten dauerhaft, sondern meist tempor\u00e4r und zirkul\u00e4r. \u00d6sterreich-Ungarn trat relativ sp\u00e4t in die transatlantische Migration ein. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm sie durch bessere Verkehrsverbindungen und gezielte Werbung der Reedereien deutlich zu. Besonders viele Migranten kamen aus armen, l\u00e4ndlichen Regionen wie Galizien oder der S\u00fcdslowakei. \u00dcberproportional vertreten waren ethnische Minderheiten wie Slowaken, Ruthenen, Kroaten und Juden. Steidl betont, dass wirtschaftliche Motive, wie etwa der Wunsch, Geld zu verdienen oder in der Heimat zu investieren, im Vordergrund standen. Die meisten Ausgewanderten arbeiteten in US-Industriezentren unter schwierigen Bedingungen. Besonders hervorzuheben ist Steidls Kritik an der Verwendung der Begriffe \u201eEmigration\u201c und \u201eImmigration\u201c, die der Realit\u00e4t zirkul\u00e4rer Migration nicht gerecht w\u00fcrden. Sie pl\u00e4diert stattdessen f\u00fcr ein flexibleres Verst\u00e4ndnis von Migration als mehrstufigen Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-26 wp-block-paragraph\">Im vierten Kapitel geht es um die vielschichtigen Migrationsbewegungen innerhalb, nach und aus Zentraleuropa. Steidl kritisiert klassische Unterscheidungen wie \u201eintern\u201c oder \u201einternational\u201c und zeigt, dass Migration im Habsburgerreich meist mehrgleisig verlief und regional sehr unterschiedlich gepr\u00e4gt war. Sie verdeutlich, dass Binnen-, Europa- und \u00dcberseemigration oft miteinander verflochten waren. Anhand statistischer Daten und Fallbeispiele wie etwa aus B\u00f6hmen oder Westgalizien zeigt sie, dass Migration selten geradlinig war. Menschen migrierten oft mehrfach, in wechselnde Richtungen, abh\u00e4ngig von sozialen Netzwerken, Arbeitsm\u00f6glichkeiten und regionalen Rahmenbedingungen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist Westgalizien, wo die ausgepr\u00e4gte transatlantische Migration von kirchlichen Organisationen begleitet wurde, die den Migranten Unterst\u00fctzung boten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-27 wp-block-paragraph\">Im abschlie\u00dfenden Fazit pl\u00e4diert Steidl f\u00fcr einen regional historischen Zugang zur Migrationsforschung. Migration war kein einfacher Ortswechsel, sondern ein dynamischer, oft tempor\u00e4rer Prozess, gepr\u00e4gt von R\u00fcckkehr, Neuorientierung und sozialer Einbettung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-28 wp-block-paragraph\">Methodisch setzt Steidl prim\u00e4r auf quantitative Verfahren. Sie verwendet Regressionsanalysen, um Zusammenh\u00e4nge zwischen innerstaatlicher, europ\u00e4ischer und transatlantischer Migration, zu untersuchen. Auch Karten werden als wichtiges Hilfsmittel eingesetzt, um Migrationswege visuell verst\u00e4ndlich darzustellen. Obwohl Steidl h\u00e4ufig mit statistischen Daten arbeitet, beschr\u00e4nkt sie sich nicht auf \u00f6konomische Ursachen von Migration. Es gelingt ihr nachvollziehbar darzustellen, wann, auf welche Weise und aus welchen sozialen, wirtschaftlichen oder kulturellen Gr\u00fcnden Migration stattfand.<sup data-fn=\"0f1ae3ae-41ef-4770-8040-537a28dce289\" class=\"fn\"><a href=\"#0f1ae3ae-41ef-4770-8040-537a28dce289\" id=\"0f1ae3ae-41ef-4770-8040-537a28dce289-link\">4<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-29 wp-block-paragraph\">Die Forschung wird sowohl auf sogenannte \u201eStock-Daten\u201c wie Volksz\u00e4hlungen, als auch auf \u201eFlowDaten\u201c, wie beispielsweise Schiffslisten gest\u00fctzt. Die Hauptquellenbasis bilden dabei vor allem die staatlichen Volksz\u00e4hlungen \u00d6sterreichs und Ungarns aus den Jahren 1869 bis 1910, erg\u00e4nzt durch Schiffslisten aus dem Jahr 1910, die \u00dcberfahrten von Bremen und Hamburg nach New York dokumentieren. Hinzu kommen Berichte des ungarischen Statistischen Amts von 1918, die Daten zur internationalen Migration enthalten. Dar\u00fcber hinaus werden auch regionale Daten erg\u00e4nzt und kirchliche Erhebungen verwendet, wie eine Umfrage der polnischen katholischen Kirche aus dem Jahr 1907, die Aufschluss \u00fcber die Auswanderung aus der Di\u00f6zese Tarn\u00f3w in Westgalizien gibt. Steidl betont jedoch, dass die vorhandenen Quellen urspr\u00fcnglich nicht f\u00fcr die historische Migrationsforschung erstellt wurden, weshalb ihr Erkl\u00e4rungswert in Bezug auf Migrationsprozesse nur begrenzt ausgesch\u00f6pft werden kann.<sup data-fn=\"1c0daa3b-8a2c-45e1-9279-09f8ea66ffeb\" class=\"fn\"><a href=\"#1c0daa3b-8a2c-45e1-9279-09f8ea66ffeb\" id=\"1c0daa3b-8a2c-45e1-9279-09f8ea66ffeb-link\">5<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-30 wp-block-paragraph\">Die Argumentationen Steidls sind klar und gut strukturiert. Sie verbindet sorgf\u00e4ltige quantitative Datenanalysen mit einem differenzierten Blick auf die Lebensrealit\u00e4ten der Migrant*innen. So zeigt sie, dass Migration viel komplexer ist, als einfache Modelle mit \u201epush\u201c und \u201epull\u201c-Faktoren darzustellen versuchen. Ihre Arbeit macht deutlich, dass Migration von vielen verschiedenen sozialen und wirtschaftlichen Gr\u00fcnden gepr\u00e4gt ist. Besonders hervorzuheben sind ihre fundierten statistischen Auswertungen, in denen sie unterschiedliche Mobilit\u00e4tsmuster systematisch miteinander vergleicht. Dadurch erh\u00e4lt ihre Argumentation eine solide empirische Grundlage. Trotz der wissenschaftlichen Methodik verliert sie die Menschen hinter den Zahlen nicht aus dem Blick. Ihre Argumentation ist kritisch, reflektiert und \u00fcberzeugend, weil sie nicht nur deskriptiv arbeitet, sondern auch bekannte Theorien hinterfragt und weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-31 wp-block-paragraph\"><a><\/a> Steidl legt in ihrer Arbeit den Schwerpunkt klar auf quantitative, statistische Auswertungen. Die theoretischen Ans\u00e4tze und Begriffe sind teilweise anspruchsvoll, was den Zugang f\u00fcr Leser*innen ohne fachlichen Hintergrund m\u00f6glicherweise erschweren kann. Ebenfalls anzumerken ist, dass die Struktur des Werks teilweise un\u00fcbersichtlich erscheint, da manche Grafiken erst im Anhang zu finden sind und dadurch das Verst\u00e4ndnis im Lesefluss erschwert wird. Abgesehen davon bietet das Buch einen gelungenen Einstieg in die Thematik, da es einen breiten und gut strukturierten \u00dcberblick \u00fcber die Migrationsprozesse in der Habsburgermonarchie bietet. Der Autorin gelingt es besonders \u00fcberzeugend, zu zeigen, dass Migration nicht isoliert innerhalb nationalstaatlicher Grenzen verstanden werden kann. Indem sie regionale Kontexte konsequent einbezieht, er\u00f6ffnet Steidl eine differenzierte Sichtweise auf historische Migrationsprozesse. Ihr transnational ausgerichteter Ansatz erm\u00f6glicht neue Zug\u00e4nge zu bereits bekannten Bewegungen und macht deutlich, wie relevant diese Themen bis heute sind. Dar\u00fcber hinaus schlie\u00dft Steidls Werk eine Forschungsl\u00fccke, da es bislang noch keine einheitliche Darstellung der Migration im sp\u00e4ten Habsburgerreich gab. Durch die Verbindung von Binnen-, Europa- und Transatlantikmigration liefert die Autorin einen umfassenden \u00dcberblick und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur historischen Migrationsforschung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-32 wp-block-paragraph\"><br>Rezensent:in: <strong>Katja Dolinek und Clemens Mayr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-33 wp-block-paragraph\"><em>Andreas Weigl, Demographic Transitions Accelerated: Abortion, Body Politics, and the End of SupraRegional Labor Immigration in Post-War Austria, in: Peter Berger et Al. (Hgs.), From Empire to Republic: Post-World War I Austria (Innsbruck\/New Orleans, 2010), 142-170<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-34 wp-block-paragraph\"><em>Ilse Reiter-Zatloukal, Ehe, Staatsangeh\u00f6rigkeit und Migration \u2013 \u00d6sterreich 1918\u20131938, in: Beitr\u00e4ge zur Rechtsgeschichte \u00d6sterreichs 2\/1 (2012), 118\u2013137.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-35 wp-block-paragraph\">Dieses Gutachten setzt sich mit zwei Beitr\u00e4gen zur \u00f6sterreichischen Migrationsgeschichte in der Zwischenkriegszeit auseinander, Andreas Weigls Text \u201eDemographic Transitions Accelerated: Abortion, Body Politics, and the End of Supra-Regional Labor Immigration in Post-War Austria\u201c, der im Jahr 2010 ver\u00f6ffentlicht wurde, sowie Ilse Reiter-Zatloukals Text aus dem Jahr 2012 \u201eEhe, Staatsangeh\u00f6rigkeit und Migration \u2013 \u00d6sterreich 1919\/1938\u201c. Die beiden Texte analysieren die demographischen, rechtlichen und sozialen Umbr\u00fcche in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg aus unterschiedlicher, sich erg\u00e4nzender Perspektive. Weigl behandelt das Thema aus einer bev\u00f6lkerungsgeschichtlichen und sozialpolitischen Sicht, w\u00e4hrend sich Reiter-Zatloukal mit einer juristisch-historischen Perspektive befasst. Ziel dieses Gutachtens ist es, die wissenschaftliche Aussagekraft beider Texte zu bewerten und ihre Relevanz in der \u00f6sterreichischen Migrationsforschung der Zwischenkriegszeit darzulegen. Im Folgenden werden beide Texte gesondert analysiert und anschlie\u00dfend mit einander verglichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-36 wp-block-paragraph\">\u201cDemographic Transitions Accelerated: Abortion, Body Politics, and the End of Supra-Regional Labor Immigration in Post-War Austria\u201d erschien im Jahr 2010 in einem Sammelband mit dem Titel \u201eFrom Empire to Republic. Post World War I Austria\u201c. Er behandelt die tiefgreifenden Bev\u00f6lkerungsverschiebungen und sozialen Umbr\u00fcche in \u00d6sterreich nach dem Ersten Weltkrieg. Im Fokus steht die These, dass sich in der Ersten Republik ein beschleunigter demographischer und epidemiologischer \u00dcbergang vollzogen hatte. Der Autor, Andreas Weigl, ist ein \u00f6sterreichischer Historiker an der Sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Wien mit einem Schwerpunkt in der historischen Demographie. Seine Forschung verkn\u00fcpft quantitative Methoden mit sozialhistorischen Ans\u00e4tzen, insbesondere im Kontext der \u00f6sterreichischen Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-37 wp-block-paragraph\">Weigl beschreibt die Zeit nach 1918 als eine Phase drastischer sozialpolitischer und medizinischer Einschnitte. Sterbe- und Geburtsraten sanken deutlich. In Wien fiel die Reproduktionsrate auf ein historisches Minimum von 1,6 Kindern pro Frau, Abtreibungen nahmen zu und traditionelle Familienbilder begannen sich zu ver\u00e4ndern. Parallel dazu \u00e4nderte sich auch die Migrationsdynamik. Viele Tschech:innen und Slowak:innen wanderten aus \u00d6sterreich ab, w\u00e4hrend deutschsprachige \u201eAlt\u00f6sterreicher:innen\u201c aus den Nachfolgestaaten der Monarchie nach \u00d6sterreich kamen. Der Kleinstaat sah sich zunehmend als \u00fcberbev\u00f6lkert und f\u00f6rderte eine gezielte Emigration. Eine im ersten Weltkrieg begonnene und nach dem Krieg sich ausweitende Versorgungskrise f\u00fchrte zu dramatischen Mangelerscheinungen, insbesondere bei Kindern. Sie wurde durch internationale Hilfen teilweise abgefangen. Weiters dokumentiert Weigl einen starken R\u00fcckgang der S\u00e4uglings- und TBC-Sterblichkeit sowie einen erheblichen Anstieg der Lebenserwartung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-38 wp-block-paragraph\">Weigls Forschungsfrage ist implizit klar und methodisch \u00fcberzeugend umgesetzt. Er kombiniert umfangreiche quantitative Daten mit sozial- und medizingeschichtlichen Deutungen. Qualitative Quellen, wie etwa \u00e4rztliche Fallberichte, erg\u00e4nzen die statistische Analyse und verleihen der Studie zus\u00e4tzliche Tiefe. Allerdings bleiben einige Punkte erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. Teilweise finden sich mehrere Angaben, die widerspr\u00fcchlich scheinen, wie etwa die unterschiedlichen Zahlen zu Abtreibungen, die mit mehr Kontext und Differenzierung einen besseren \u00dcberblick erm\u00f6glichen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-39 wp-block-paragraph\">Weigls Beitrag bietet eine fundierte Analyse der demographischen und migrationsbezogenen Entwicklungen der Zwischenkriegszeit. Er zeigt, wie Krieg und politische Umbr\u00fcche Mobilit\u00e4t, Bev\u00f6lkerungspolitik und soziale Normen beeinflussten. Der Text liefert wichtige Impulse f\u00fcr die Migrationsgeschichtsforschung zur Ersten Republik und bietet Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr weiterf\u00fchrende Studien zu Geschlechterrollen, Bev\u00f6lkerungspolitik und der Rolle staatlicher Institutionen bei der Regulierung von Migration.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-40 wp-block-paragraph\">Ilse Reiter-Zatloukal ist Rechtswissenschaftlerin und am Institut f\u00fcr Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universit\u00e4t Wien\u200b. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Rechtsgeschichte im Austrofaschismus und Nationalsozialismus sowie das Migrationsrecht und Strafrecht im 19. und 20. Jahrhundert.\u200b<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-41 wp-block-paragraph\">In ihrem Text \u201eEhe, Staatsangeh\u00f6rigkeit und Migration \u2013 \u00d6sterreich 1918-1938\u201c, beschreibt die Autorin die rechtlichen Begebenheiten in Sachen Ehe- und Scheidungsrecht, sowie Staatsangeh\u00f6rigkeit in der Zeit der ersten Republik. Dabei betrachtet sie die Auswirkungen von binationalen Ehen, sprich Ehen zwischen eine:r \u00d6sterreicher:in mit einer:m ausl\u00e4ndischen Staatsb\u00fcrger:in sowie zwischen Katholischen und nicht-katholischen Personen. Das Augenmerk im Text liegt besonders auf der rechtlichen Ungleichheit zwischen Ehem\u00e4nnern und Ehefrauen zu dieser Zeit und der Frage, welche Rolle (Zwangs-)Migration in dieser Thematik spielt. Erschienen ist der Text als Beitrag in der Zeitschrift \u201eBeitr\u00e4ge zur Rechtsgeschichte \u00d6sterreichs\u201c im Juni 2012.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-42 wp-block-paragraph\">Reiter-Zatloukal zeigt, dass Frauen deutlich von ihrem Mann abh\u00e4ngig waren. Dies best\u00e4tigt auch welche Bedeutung der, zu dieser Zeit nicht scheidbaren, katholischen Ehe zukommt. Sie behandelt das Thema mit qualitativen Methoden, indem sie mit zeitgen\u00f6ssischen Gesetzestexten und Fachliteratur aus dem Forschungsbereich der Rechtsgeschichte arbeitet. Die Arbeit hat einen geschlechterspezifischen und migrationsgeschichtlichen Bezug. Dar\u00fcber hinaus wird ein mikrogeschichtlicher Zugang angewandt, als der Lebenslauf von Venetiana (Veza) Taubner\u2010Calderon beschrieben wird. Ebenfalls vergleicht der Text die gesetzliche Lage in \u00d6sterreich mit jener von anderen europ\u00e4ischen Staaten und der USA in jener Zeit.<br>Abschlie\u00dfend stellt sie das analysierte Thema in den Kontext des \u201eAnschlusses\u201c 1938, in welchem sie die dadurch verursachten rechtlichen Auswirkungen in diesem Bereich als \u201emodernisierenden Effekt\u201c beschreibt. Sie betont au\u00dferdem, dass es noch bis 1983 dauert, bis es zur Gleichstellung der Geschlechter im Staatsangeh\u00f6rigkeitsrecht kommen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-43 wp-block-paragraph\">Eine klare Forschungsfrage ist in diesem Text nicht formuliert. Vielmehr handelt es sich um eine sehr detaillierte Beschreibung der historischen Lage, um die These der Ungleichheit der Gesetze zu unterst\u00fctzen. Um die rechtshistorische Gegebenheit dieser Zeit zu erl\u00e4utern, sind die Quellen, die Literatur sowie die Methodik passend gew\u00e4hlt und geben die Thematik exakt wieder. Die Autorin st\u00fctzt sich auf zeitgen\u00f6ssische Gesetzestexte sowie auf ausgew\u00e4hlte rechtshistorische Fachliteratur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-44 wp-block-paragraph\">Die Arbeitet bietet einen interessanten Beitrag zur Forschung, da sie verschiedene Perspektiven und Forschungsans\u00e4tze verwendet und ihre Argumentation mit passenden Quellen untermauert, beispielsweise durch die Schilderungen der pers\u00f6nlichen Geschichte von Venetiana Taubner-Calderon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-45 wp-block-paragraph\">Positiv anzumerken ist die genaue Darstellung der behandelten Materie, indem Reiter-Zatloukal detailliert die gesetzlichen Grundlagen, sowie zeitgen\u00f6ssische Gerichtsurteile jener Zeit beschreibt. Dies wird unter anderem mit Urteilen des OGH (Oberster Gerichtshof) bewerkstelligt. Ebenfalls ist die Gegen\u00fcberstellung der juristischen Situation in \u00d6sterreich und gew\u00e4hlten Beispielen im Ausland hilfreich, um sich einen gro\u00dfen \u00dcberblick zu verschaffen und die Lage in \u00d6sterreich besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. In den sehr detaillierten Darstellungen der Gesetzeslage ist es jedoch wom\u00f6glich kompliziert, einen \u00dcberblick zu behalten.<br>Zu empfehlen ist dieser Text besonders einem wissenschaftlich interessierten Publikum, welches sich mit der komplexen juristischen Gemengelage dieser Zeit auseinandersetzen m\u00f6chte. Als thematische Einstiegslekt\u00fcre ist dieser Text aufgrund seiner detailgenauen Ausf\u00fchrungen nicht zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-46 wp-block-paragraph\">Beide Texte leisten aus unterschiedlichen disziplin\u00e4ren Perspektiven einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Migrationsdynamiken in der Ersten Republik. Gemeinsam zeigen die beiden Autor:innen Andreas Weigl und Ilse Reiter-Zatloukal, wie stark Migration in der Ersten Republik nicht nur eine soziale Realit\u00e4t war, sondern ein zentraler Gegenstand staatlicher Kontrolle, ideologischer Aushandlung und rechtlicher Disziplinierung. Ihre Kombination bietet ein nuancierten Bild der Migrationsgeschichte zwischen 1918 und 1938, das dem Wechselspiel von Politik, Recht, K\u00f6rper und Staatsb\u00fcrgerschat besondere Aufmerksamkeit schenkt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-47 wp-block-paragraph\"><br>Rezensent:in: <strong>Maximilian K\u00f6pl und Lukas Pallua<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-48 wp-block-paragraph\"><em>Philipp Strobl und Susanne Korbel \u201cMediations Through Migrations: An Introduction on Cultural Translation and Knowledge Transfer\u201d, in Susanne Korbel et Al. (Hgs.), Cultural Translation and Knowledge Transfer on Alternative Routes of Escape from Nazi Terror: Mediations Through Migrations (London, 2022)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-49 wp-block-paragraph\"><em>Philipp Strobl, A History of Displaced Knowledge: Austrian Refugees from National Socialism in Australia (Leiden, 2025).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-50 wp-block-paragraph\">Die erzwungene Emigration \u00f6sterreichischer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nach dem \u201eAnschluss\u201c 1938 markiert einen tiefen Einschnitt in der gesellschaftlichen und kulturellen Geschichte des Landes. Besonders betroffen war die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung, deren Lebenswelten durch Verfolgung, Entrechtung und Vertreibung radikal ver\u00e4ndert wurden. Zwei zentrale Texte beleuchten diese Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven: die Einleitung zu Mediations Through Migrations: An Introduction on Cultural Translation and Knowledge Transfer sowie die Kapitel 4 und 5 aus der Monografie <em>A History of Displaced Knowledge: Austrian Refugees from National Socialism in Australia<\/em>. Beide Beitr\u00e4ge zeigen, wie Verfolgte ihr kulturelles und soziales Kapital nutzten, um Wege ins Exil zu finden, und wie Wissen, Netzwerke und Identit\u00e4ten \u00fcber nationale Grenzen hinweg transformiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-51 wp-block-paragraph\"><em>Review zum Text: <\/em><em>Philipp Strobl und Susanne Korbel, Mediations Through Migrations: An Introduction on Cultural Translation and Knowledge Transfer<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-52 wp-block-paragraph\">Der rezensierte Text soll als Einleitung des Sammelbandes \u201eCultural Translation and Knowledge Transfer on Alternative Routes of Escape from Nazi Terror: Mediations Through Migrations (Studies for the International Society for Cultural History)\u201d von Philipp Strobl und Susanne Korbel einleitende Worte und Erkl\u00e4rungen liefern, um den Sammelband anschlie\u00dfend besser zu verstehen. Dabei wird zum einen auf wissenschaftliche Forschungsmethoden im Zusammenhang mit Migration eingegangen, zum anderen liegt der Fokus auch auf die Erl\u00e4uterung wichtiger moderner Begriffe im Zusammenhang mit Wissensgeschichte sowie Migrationsgeschichte. All dies wird im Kontext des Anschluss \u00d6sterreichs 1938 ans Deutsche Reich und der damit verbundenen Flucht\/Migration vieler Menschen mithilfe von zwei migrantischen Beispielbiografien erkl\u00e4rt. Im Kontext des aktuellen Forschungsstandes l\u00e4sst sich feststellen, dass das von Strobl und Korbel behandelte Themengebiet nicht zum wissenschaftlichen Mainstream z\u00e4hlt, da darin alternative Fluchtrouten in der Exilforschung repr\u00e4sentiert. Es handelt sich dabei zudem um einen Bereich mit vergleichsweise jungen Begrifflichkeiten und Forschungsans\u00e4tzen, weshalb weiterer Forschungsbedarf besteht. Ziel dieses Gutachtens ist es, zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die vorliegende Einleitung ihrer Funktion als hinf\u00fchrende Einf\u00fchrung f\u00fcr den Sammelband gerecht wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-53 wp-block-paragraph\">Da es sich bei dem vorliegenden Text um die Einleitung eines umfangreicheren Sammelbandes handelt, wird keine explizite Forschungsfrage formuliert. Dies ist in Anbetracht der Zielsetzung jedoch auch nicht erforderlich, da die Einleitung \u2013 wie bereits erw\u00e4hnt \u2013 dazu dient, zentrale moderne Begriffe und Theorien im Kontext der Migrations- und Wissensgeschichte zu erl\u00e4utern. Die Darstellung folgt dabei einem klar erkennbaren roten Faden: Zun\u00e4chst wird ein allgemeiner historischer Kontext zur Migration im Zusammenhang mit den Geschehnissen in \u00d6sterreich um 1938 skizziert, bevor im Anschluss zwei exemplarische Biografien eingef\u00fchrt werden. In den folgenden Kapiteln werden sodann die f\u00fcr den Sammelband zentralen Begriffe und Theorien erl\u00e4utert. Dies geschieht stets unter Bezugnahme auf den \u201eAnschluss\u201c 1938 sowie die beiden Biografien, wodurch eine konsistente Argumentationslogik und eine stringente textliche Struktur gew\u00e4hrleistet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-54 wp-block-paragraph\">Die in der Einleitung angewandten Methoden sind s\u00e4mtlich qualitativer Natur, was im gegebenen Zusammenhang methodisch sinnvoll erscheint. Dies ist insbesondere dadurch begr\u00fcndet, dass vor allem Verfahren wie die historische Semantik Anwendung finden. Dar\u00fcber hinaus werden weitere qualitative Methoden eingesetzt, beispielsweise die Textanalyse im Fall der Briefe von Chaimowicz sowie die Methode der Oral History im Zusammenhang mit der Biografie von Exiner. Die Auswahl dieser Ans\u00e4tze entspricht dem Ziel, komplexe historische und biografische Zusammenh\u00e4nge differenziert zu rekonstruieren und zu analysieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-55 wp-block-paragraph\">Hinsichtlich der Vielzahl der herangezogenen Quellen und der zitierten Literatur l\u00e4sst sich festhalten, dass die Abdeckung als ausreichend bewertet werden kann. Mit insgesamt 85 Belegen und Anmerkungen auf 20 Seiten liegt eine solide Grundlage f\u00fcr eine wissenschaftlich fundierte Arbeit vor. Die Qualit\u00e4t der verwendeten Literatur ist insgesamt angemessen: W\u00e4hrend f\u00fcr die Darstellung historischer Aspekte teils auf \u00e4ltere Publikationen zur\u00fcckgegriffen wird \u2013 was in diesem Zusammenhang vertretbar erscheint \u2013 handelt es sich bei den Werken zur Begriffsgeschichte zumeist um neuere Literatur. Auff\u00e4llig ist, dass der Verfasser mehrfach auf eigene Publikationen Bezug nimmt. Dies wurde korrekt, transparent sowie sinnvoll gemacht, sodass die Selbstzitate kein Problem darstellen. Die Verwendung von Endnoten anstelle von Fu\u00dfnoten tr\u00e4gt zwar zu einem \u00fcbersichtlicheren Schriftbild bei, erschwert jedoch die unmittelbare Nachvollziehbarkeit der Quellenbelege; zudem werden ausf\u00fchrliche Anmerkungen in Endnoten erfahrungsgem\u00e4\u00df seltener rezipiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-56 wp-block-paragraph\">Der Text zeichnet sich insgesamt durch Klarheit und gute Lesbarkeit aus. Allerdings weisen einzelne Unterkapitel hinsichtlich ihrer Strukturierung gewisse Schw\u00e4chen auf, die sich nachteilig auf die Verst\u00e4ndlichkeit auswirken k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlt das Unterkapitel \u201eSources and Archives\u201c, wo es schwierig ist zu verstehen, welche Meinung welcher Historiker bzw. welche Historikerin vertritt und was ihre Beweggr\u00fcnde und Vorschl\u00e4ge sind. \u00c4hnliches passiert im Unterkapitel \u201eCultural Translation\u201c, da dort die Erl\u00e4uterung der verschiedenen \u201eturns\u201c etwas kompliziert zu verstehen ist. Es wird zwar alles ein bisschen erkl\u00e4rt wird, es ist dann aber sehr schwierig zu verstehen, was denn nun Kulturelle \u00dcbersetzung \u00fcberhaupt ist. Der Begriff ist nicht selbsterkl\u00e4rend und da das Buch denselben Titel tr\u00e4gt, ist es ung\u00fcnstig, dass genau dieser Begriff nicht einfach und ausf\u00fchrlich genug erkl\u00e4rt wird. Ebenfalls ist dieses Unterkapitel das Einzige, wo die Beispielbiografie von Chaimowicz nicht hilfreich ist. Ansonsten sind aber alle Unterkapitel sehr verst\u00e4ndlich. Die Argumentation im Text ist weitgehend \u00fcberzeugend: In den meisten Unterkapiteln entwickeln die beiden Verfasser nachvollziehbar eigene \u00dcberlegungen, die sie sowohl durch externe als auch durch eigene Quellen fundiert untermauern. Dadurch entsteht eine ausgewogene und schl\u00fcssige argumentative Basis, die nur wenig Anlass zur Kritik bietet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-57 wp-block-paragraph\"><em>Review zu den Kapiteln 4 &amp; 5 aus dem Sammelband: Philip Strobl, A History of Displaced Knowledge: Austrian Refugees from National Socialism in Australia<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-58 wp-block-paragraph\"><a><\/a> Im Jahr 2025 ist das Buch \u201eA History of Displaced Knowledge: Austrian Refugees from National Socialism in Australia\u201c ver\u00f6ffentlicht worden. Darin geht es um die Leben von \u00d6sterreichern, die in den Jahren 1938\/39 nach Australien gefl\u00fcchtet sind und sich dort ein neues Leben aufgebaut haben. Die beiden Kapitel befassen sich mit den Erfahrungen \u00f6sterreichischer Staatsb\u00fcrger: innen, die im Nationalsozialismus als Juden klassifiziert wurden und infolgedessen nach Australien flohen. Vor allem die Geschehnisse rund um den Anschluss \u00d6sterreichs bis zu den Novemberpogromen werden im Kapitel 4 behandelt. Kapitel 5 befasst sich mit den Migrationsm\u00f6glichkeiten und Netzwerken, welche den Fl\u00fcchtenden zur Verf\u00fcgung standen. Historische Fakten und Daten werden flie\u00dfend mit Interviewsausschnitten verwoben. Bei diesen Ausschnitten handelt es sich um Augenzeugenberichte einer Stichprobe von 26 gefl\u00fcchteten Personen, die ihre Erlebnisse geteilt haben. Es liegt ein besonderer Augenmerk darauf, dem Leser verst\u00e4ndlich zu machen, dass die Nutzung diverser sozialer Netzwerke essenziell gewesen ist, um aus dem nationalsozialistischen Deutschland ausreisen zu k\u00f6nnen. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Forschungsbereich, der hier behandelt wird, nicht direkt dem Mainstream angeh\u00f6rt. So ist die Aufarbeitung der NS-Zeit zwar durchaus ein gro\u00dfes Thema in der Wissenschaft, allerdings sind die selbstgesetzten Schwerpunkte, n\u00e4mlich Auswanderung nach Australien und der Vorgang der Auswanderung, durchaus in einer Nische anzusiedeln. Durch die Behandlung dieser Schwerpunkte, werden sie ein St\u00fcck in die Mitte der Diskussionen ger\u00fcckt. Die Rezension versucht Lesern ein Bild der behandelten Themen und der Relevanz der beiden Kapitel f\u00fcr die \u00f6sterreichische Migrationsgeschichtsforschung zu vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-59 wp-block-paragraph\">Da es sich nur um ein Gutachten von zwei Kapiteln, aus einer Arbeit handelt, ist die urspr\u00fcnglich gestellte Forschungsfrage nicht zu ermitteln. Ein roter Faden ist dennoch sehr gut nachvollziehbar, aus welchem man sich auch ein Bild von die Forschungsfrage machen kann. So wird zuerst der Anschluss \u00d6sterreichs aus der Sicht der Zeitzeugen und die drastischen Ver\u00e4nderungen der Lebenswelt dargestellt. \u00dcber die verschiedenen Praktiken, die durch die nationalsozialistische F\u00fchrung genutzt wurden, um die \u201ej\u00fcdische\u201c Bev\u00f6lkerung zu unterdr\u00fccken und zu enteignen, bis zu den Novemberpogromen und den daraus endg\u00fcltigen Entscheidungen das Land zu verlassen wird im Kapitel vier geschrieben. Das f\u00fcnfte Kapitel befasst sich mit Netzwerken. So wird zuerst einmal erkl\u00e4rt, wobei es sich bei Netzwerken handelt und woraus diese bestehen k\u00f6nnen. Daraufhin werden erneut die Erfahrungen der befragten Personen wiedergegeben. Dieses Mal mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Ausl\u00f6sern der Flucht und der vielschichtige Unterst\u00fctzung die sie genutzt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-60 wp-block-paragraph\">Die Arbeit nutzt vor allem qualitative Methoden, was daran liegt, dass ein gro\u00dfer Teil aus den Berichten der Augenzeugen besteht. Neben den Interviewausz\u00fcgen werden auch quantitative Fakten und Erkl\u00e4rungen, welche mit quantitativen Methoden erstellt worden sind, genutzt, um die Aussagen der Gefl\u00fcchteten gut einzurahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-61 wp-block-paragraph\">Der Autor der Arbeit hat sich mit dem Thema, auch abseits der Interviews intensiv besch\u00e4ftigt. Neben diesen Quellen werden n\u00e4mlich viele andere Quellen hinzugezogen, vor allem, um den historischen Rahmen zu schaffen. So werden in den zwei Kapiteln insgesamt 251 Quellenverweise, wie Zeitzeugenberichte und Literaturverweise gemacht. Einige wiederholen sich nat\u00fcrlich, beziehungsweise zitiert sich der Autor auch manchmal selbst. Dies kann problematisch sein, da die Objektivit\u00e4t darunter leiden kann, doch wird durch die vielen anderen Quellen dieser Kritikpunkt entkr\u00e4ftet. Die Quellen sind unterschiedlich alt. Es gibt sehr neue Quellen aus den 20er Jahren unseres Jahrhunderts, aber auch wesentlich \u00e4ltere, unter anderem aus den 1970er Jahren. Es werden klassische Fu\u00dfnoten genutzt, die jedem Leser erm\u00f6glichen sofort herauszufinden, welcher Quelle sich bedient wurde, um Aussagen im Text zu t\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-62 wp-block-paragraph\">Der Text wurde f\u00fcr eine breite Leserschaft formuliert. Dies ist sehr f\u00f6rderlich f\u00fcr die Lesbarkeit und das Verst\u00e4ndnis des Textes. Alle Unterkapitel haben einen Sinn und f\u00fchren den roten Faden gut weiter. Einzig die Strukturierung ist etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe der Stichprobe und dem h\u00e4ufigen Wiedergeben der Interviews wird der Flie\u00dftext oft unterbrochen. Dies ist an sich kein Problem, doch werden in unterschiedlichen Kapiteln die gleichen Ausschnitte wiedergeben, was durchaus beim Lesen zu einem Moment der Verwirrung f\u00fchren kann. Zentrale Begriffe sowie notwendige Vorkenntnisse werden im Text pr\u00e4zise und verst\u00e4ndlich definiert und erl\u00e4utert. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der sozialen Netzwerke im f\u00fcnften Kapitel, die exemplarisch veranschaulicht, wie grundlegende Informationen f\u00fcr fachfremde Leserinnen und Leser klar und zug\u00e4nglich vermittelt werden k\u00f6nnen, ohne dabei inhaltlich zu \u00fcberfrachten oder unn\u00f6tig zu verkomplizieren. Die Argumentation ist in beiden Kapiteln kaum zu kritisieren. Wie bereits fr\u00fcher angesprochen, sind die Zeitzeugenaussagen sehr gut mit wissenschaftlichen Fakten unterf\u00fcttert und eingerahmt. Auch die Nutzung der vielen diversen Quellen aus \u00d6sterreich und Deutschland erzeugen ein qualitativ hochwertiges Bild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-63 wp-block-paragraph\"><em>Fazit<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-64 wp-block-paragraph\">Stellt man den Text \u201cMediations Through Migrations: An Introduction on Cultural Translation and Knowledge Transfer\u201d den beiden Kapiteln 4 &amp; 5 aus dem Sammelband \u201cA History of Displaced Knowledge: Austrian Refugees from National Socialist in Australia\u201d gegen\u00fcber, lassen sich einige Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede festmachen. Beide Texte behandeln, wie bereits in der Einleitung erw\u00e4hnt, den Anschluss \u00d6sterreichs 1938 ans Deutsche Reich und die damit verbundene Flucht und Migration. Des Weiteren werden in beiden Texten Beispielbiografien sowie junge Begrifflichkeiten (u.a. Kulturelle \u00dcbersetzung und Kulturelles Kapital) verwendet, um wissenschaftliche Erkenntnis zu erarbeiten. Die beiden Texte unterscheiden sich vor allem in ihrer Zielsetzung sowie ihrem Umfang. \u201cMediations Through Migrations: An Introduction on Cultural Translation and Knowledge Transfer\u201d ist mit zwei Beispielbiografien weniger umfangreich als die Kapitel 4 und 5 des Sammelbandes \u201eA History of Displaced Knowledge: Austrian Refugees from National Socialist in Australia\u201c mit rund 26 Augenzeugenberichten. Dies macht jedoch Sinn, da die Einleitung als Einstieg in das Thema gedacht ist und sich prim\u00e4r mit der Erkl\u00e4rung wichtiger Begriffe des Themas auseinandersetzt. In Kapitel 4 und 5 werden diese Begrifflichkeiten wiederum aufgegriffen, jedoch liegt der Fokus auf den Erlebnissen und Schicksalen der Gefl\u00fcchteten. Der Text \u201cMediations Through Migrations: An Introduction on Cultural Translation and Knowledge Transfer\u201d ist damit eine gute Basis, um die Kapitel 4 und 5 des Sammelbandes \u201eA History of Displaced Knowledge: Austrian Refugees from National Socialism in Australia\u201c besser zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-65 wp-block-paragraph\"><br>Rezensent:in: <strong>Moritz Boesser<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-66 wp-block-paragraph\"><em>Gabriela Stieber, Die L\u00f6sung des Fl\u00fcchtlingsproblems 1945-1960, in: Thomas Albrich et. Al. (Hg.), \u00d6sterreich in den F\u00fcnfzigern (Innsbruck, 1995), 67-93.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-67 wp-block-paragraph\"><em>Philipp Strobl und Nikolaus Hagen, Neue Perspektiven in der DP-Forschung in \u00d6sterreich, in: Nikolaus Hagen, et Al. (Hgs.), Displaced Persons-Forschung in Deutschland und \u00d6sterreich. Eine Bestandsaufnahme zu Beginn des 21. Jahrhunderts (Berlin, 2022), 35-60.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-68 wp-block-paragraph\">Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg hat die noch heute bestehende zweite \u00f6sterreichische Republik nachhaltig gepr\u00e4gt. Ein Aspekt der dazu ma\u00dfgeblich beigetragen hat ist der Bev\u00f6lkerungszuwachs durch die im Land verbliebenen Fl\u00fcchtlinge, Vertriebenen und andere Migrant:innen. Die Erforschung dieser Thematik, vor allem mit Blick auf die Auswirkungen auf die \u00f6sterreichische Gesellschaft, wurde lange Zeit vernachl\u00e4ssigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-69 wp-block-paragraph\">Um einen Einblick in das Forschungsfeld zu vermitteln sollen in diesem Gutachten zwei zeitlich weiter auseinanderliegende Beitr\u00e4ge zur Displaced-Persons-Forschung in \u00d6sterreich analysiert und als Beitr\u00e4ge zur Erforschung der Geschichte der Displaced Persons (DPs) in \u00d6sterreich eingeordnet werden. Einerseits handelt es sich um Gabriela Stiebers, in dem von Thomas Albrich herausgegebenen Sammelband \u201e\u00d6sterreich in den F\u00fcnfzigern\u201c aus dem Jahr 1995 und dem Beitrag von Philipp Strobl und Nikolaus Hagen, in einem von ihnen gemeinsam herausgegebenen Tagungsband aus dem Jahr 2021.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-70 wp-block-paragraph\"><em>Die L\u00f6sung des Fl\u00fcchtlingsproblems 1945-1960<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-71 wp-block-paragraph\">Gabriela Stiebers Beitrag \u201eDie L\u00f6sung des Fl\u00fcchtlingsproblems 1945-1960\u201c nimmt eine besondere Rolle in der Erforschung von DPs in \u00d6sterreich ein. Die Autorin verfolgt in ihrem Text einen wesentlich umfassenderen Ansatz als in vielen anderen Arbeiten zu dem Thema zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung 1995. Sie betrachtet die Displaced Persons in \u00d6sterreich in ihrer Gesamtheit ohne einzelne Personengruppen zu priorisieren. Sie betrachtet die Thematik aus verschiedenen Blickrichtungen, einerseits die organisatorische, welche Institutionen waren auf internationaler sowie nationaler Ebene f\u00fcr die DPs in \u00d6sterreich verantwortlich? Andererseits gibt sie einen Einblick in das Lagerleben selber und hinterfragt, welche institutionellen Akteure dieses unter welchen Gesichtspunkten wie geformt haben? Sie st\u00fctzt sich in ihrer Arbeit gr\u00f6\u00dftenteils auf Aktenbest\u00e4nde der Abteilung 12U des Bundesministeriums f\u00fcr Inneres, welche f\u00fcr die DPs und die Lager in \u00d6sterreich nach der \u00dcbertragung durch die Alliierten verantwortlich war, sowie auf Sitzungsprotokolle der mit der Versorgung jener befassten internationalen Organisationen (United Nations Relief and Rehabilitation Administration, International Refugee Organization, Unitend Nations High Commissioner for Refugees).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-72 wp-block-paragraph\">Die Arbeit gliedert sich in vier Unterkapitel. Das erste Unterkapitel thematisiert den \u00dcbergang der Verantwortlichkeit von den Alliierten auf \u00f6sterreichische Beh\u00f6rden und ber\u00fccksichtigt dabei auch die Rolle internationaler Hilfsorganisationen. Das zweite und umfangreichste Kapitel widmet sich den Lagern in \u00d6sterreich \u2013 sowohl dem allt\u00e4glichen Leben im Lager als auch deren Organisation aus beh\u00f6rdlicher Perspektive. Im dritten Kapitel steht die Aufl\u00f6sung der Lager im Fokus, erneut unter Einbeziehung internationaler Akteure. Abschlie\u00dfend wird im letzten Unterkapitel eine r\u00fcckblickende Zusammenfassung gegeben, in der die Hindernisse im Umgang mit der sogenannten \u201eFl\u00fcchtlingsproblematik\u201c in \u00d6sterreich benannt und diskutiert werden, wobei differenziert aufgezeigt wird, inwiefern diese Herausforderungen erfolgreich oder weniger erfolgreich bew\u00e4ltigt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-73 wp-block-paragraph\">Die Autorin fokussiert sich in ihrem Beitrag auf die Gesamtzahl der DPs und Fl\u00fcchtlinge in \u00d6sterreich sowie auf die Geschichte der Institutionen die f\u00fcr sie verantwortlich waren. Dieser Ansatz hat Vor- und Nachteile. Er dient als roter Faden um die langfristige Entwicklung in \u00d6sterreich zu betrachten, hat allerdings die Tendenz die Lebensrealit\u00e4t der Personen etwas in den Hintergrund treten zu lassen. Der Bezug auf einen Quellenbestand der von verantwortlichen Stellen erstellt wurde, mag dazu beitragen, dass der Text selber etwas anmutet, als w\u00fcrde man als lesende Person den Blick der Obrigkeit auf die in \u00d6sterreich befindlichen DPs vermittelt bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-74 wp-block-paragraph\">Die Versorgung von Fl\u00fcchtlingen und DPs in \u00d6sterreich als Problem zu bezeichnen, wie es bereits im Titel getan wird, ergibt sich aus dem historischen Kontext, in dem diese Setzung g\u00e4ngig war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-75 wp-block-paragraph\">Jedoch wird dabei auf sprachlicher Ebene das Problem auf die Personengruppe verschoben, w\u00e4hrend es ja in Wirklichkeit ein Problem der Verwaltung war, wie die Arbeit selber gut zeigt. Aber diese Kritik soll nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass Stiebers Beitrag eine gute Einf\u00fchrung in die Thematik liefert, auch noch 30 Jahre nach der urspr\u00fcnglichen Ver\u00f6ffentlichung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-76 wp-block-paragraph\"><em>Displaced Persons-Forschung in Deutschland und \u00d6sterreich. Eine Bestandsaufnahme zu Beginn des 21. Jahrhunderts<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-77 wp-block-paragraph\">Der Beitrag von Philipp Strobl und Nikolaus Hagen im Tagungsband zur Displaced Persons Forschung in \u00d6sterreich zeigt in erster Linie die Leerstellen \u00f6sterreichischer Forschung auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-78 wp-block-paragraph\">Die beiden Autoren f\u00fchren in die Thematik ein, liefern Definitionen und Zahlen bez\u00fcglich der DPs in \u00d6sterreich, um von dort aus die Erforschung dieses Themenfeldes in den Blick zu nehmen. Die Anf\u00e4nge dieses Forschungsfeldes lassen sich auf Arbeiten US-amerikanischer Wissenschaftler*innen zur\u00fcckf\u00fchren.. Innerhalb \u00d6sterreichs kommt dem Historiker Thomas Albrich eine Schl\u00fcsselposition zu. Dieser hat seit den 1980er Jahren vor allem j\u00fcdische DPs in den Fokus seiner Forschung genommen. In Zuge dessen wurde Innsbruck zu einem zentralen Ort der \u00f6sterreichischen DP-Forschung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-79 wp-block-paragraph\">Eine weitere Personengruppe, der ebenfalls Aufmerksamkeit gewidmet wurde, sind die sogenannten \u201eVolksdeutschen\u201c Displaced Persons (DPs), wobei auch in diesem Bereich lediglich eine begrenzte Anzahl einschl\u00e4giger Forschungsarbeiten vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-80 wp-block-paragraph\">Die bisherige Forschung im Feld der Displaced Persons hat bis hierhin ihr Augenmerk auf das Lagerleben in, sowie die Migration aus \u00d6sterreich in andere L\u00e4nder gerichtet, damit einhergehend wurde \u00d6sterreich haupts\u00e4chlich als Transitland wahrgenommen. Dementsprechend sind die soziokulturellen Einfl\u00fcsse von ehemaligen DPs, die in \u00d6sterreich verblieben sind, auf die \u00f6sterreichische Nachkriegsgesellschaft weitestgehend unerforscht geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-81 wp-block-paragraph\">An dieser Stelle liefert der Beitrag eine Vielzahl von neuen Ans\u00e4tzen, die es zu erforschen den Autoren lohnend scheinen. Dabei sind die zentralen Forschungsfelder die genannt werden Wissensgeschichte sowie Biografieforschung. Unter diesen beiden Oberbegriffen lie\u00dfe sich nach Strobl und Hagen der soziale, kulturelle und \u00f6konomische Einfluss, den DPs in \u00d6sterreich unzweifelhaft gehabt haben, auf die Nachkriegsgesellschaft n\u00e4her beleuchten. Strobl hat in seiner j\u00fcngst erschienenen Monographie \u201eA History of Displaced Knowledge\u201c diese Ans\u00e4tze verfolgt und damit zumindest begonnen diese Leerstelle selbst zu f\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-82 wp-block-paragraph\">Die beiden Autoren heben wiederholt die Bedeutung akteursbezogener und interkultureller Ans\u00e4tze der zeitgen\u00f6ssischen Migrationsforschung hervor und pl\u00e4dieren daf\u00fcr, diese Perspektiven st\u00e4rker in die historische Aufarbeitung der Geschichte der Displaced Persons in \u00d6sterreich einzubeziehen. Ein weiteres explizit benanntes Forschungsdesiderat ist der Vergleich sowohl im internationalen Kontext \u2013 also mit anderen Gesellschaften, die Displaced Persons (DPs) aufgenommen haben \u2013 als auch innerhalb \u00d6sterreichs, etwa hinsichtlich der Integration unterschiedlicher Gruppen. Ziel eines solchen Vergleichs ist es, die jeweils angewandten Strategien zur Integration zu analysieren und zu bewerten, inwieweit diese in der bestehenden Gesellschaftsordnung erfolgreich zur sozialen Eingliederung der DPs beigetragen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-83 wp-block-paragraph\">Insgesamt l\u00e4sst sich der Beitrag als Aufforderung an die Forschung verstehen, Migrationsforschung \u00fcberhaupt mehr in den Fokus zu nehmen, als auch Anst\u00f6\u00dfe zu geben, in welche Richtung sich diese Forschung orientieren k\u00f6nnte bzw. sollte. Die Normalit\u00e4t von Migration, welche in den letzten Jahren immer sichtbarer geworden ist, jedoch von politischer Seite negiert und instrumentalisiert worden ist, l\u00e4sst diese Forderung nur umso relevanter erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-84 wp-block-paragraph\"><em>Fazit<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-85 wp-block-paragraph\">Vergleicht man die Texte von Stieber und Strobl\/Hagen f\u00e4llt einem zuallererst auf, das in den dazwischenliegenden fast 30 Jahren nicht so viel in der Erforschung der DPs in \u00d6sterreich passiert zu sein scheint. Stiebers Text liefert einen guten \u00dcberblick und Einstieg in die Thematik, auch wenn manche ihrer Ans\u00e4tze vielleicht heute anders, oder erweitert, verwendet werden sollten. Der Text von Strobl und Hagen gibt einen umfassenden \u00dcberblick in das Forschungsfeld im Allgemeinen, jedoch vor allem auch einen Einblick in welche Leerstellen noch zu f\u00fcllen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-86 wp-block-paragraph\">Die beiden Beitr\u00e4ge eignen sich aus dieser Perspektive sehr gut um auf der einen Seite einen thematischen Einblick in die Problematik zu bekommen, und auf der anderen einen Ausblick wie die Erforschung des Themas bis hierhin stattgefunden hat und was noch geleistet werden m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-87 wp-block-paragraph\"><br>Rezensent:in: <strong>Reinhard Faber und Felix Kisling<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-88 wp-block-paragraph\"><em>Sarah Knoll, Calling f\u00fcr Support. International Aid for Refugees in Austria during the Cold War (Wien, 2021). In: Oliver Rathkolb (Hg.), Zeitschrift Zeitgeschichte, 48. Jahrgang, Heft 3 (Wien, 2021), 387-409.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-89 wp-block-paragraph\"><em>Maximilian Graf, Sahra Knoll, In Transit or Asylum Seekers? Austria and the Cold War Refugees from the Communist Bloc, In: G\u00fcnther Bischof, Dirk Rupnow (Hg.), Migration in Austria, Reihe Contemporary Austrian Studies, 26. Ausgabe (Innsbruck, 2017), 91-111.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-90 wp-block-paragraph\">Diese Rezension stellt zwei aktuelle Werke zur Fluchtmigration in \u00d6sterreich w\u00e4hrend des Kalten Krieges vor und vergleicht diese miteinander. Einerseits handelt es sich um einen Aufsatz in der Fachzeitschrift Zeitgeschichte aus dem Jahr 2021 mit dem Titel \u201eCalling f\u00fcr Support. International Aid for Refugees in Austria during the Cold War\u201c. Zudem analysieren wir noch einen Fachartikel aus dem Jahr 2017 mit dem Titel \u201eIn Transit or Asylum Seekers? Austria and the Cold War Refugees from the Communist Bloc\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-91 wp-block-paragraph\">Sarah Knoll, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts f\u00fcr Zeitgeschichte an der Universit\u00e4t Wien, hat mit ihrem in englischer Sprache ver\u00f6ffentlichten Artikel (siehe Titel 1) unter Beweis gestellt, dass sie durch ihr profundes Wissen \u00fcber die Entwicklungen der Migration in \u00d6sterreich des 20. Jahrhundert zu den profilierten Kenner:innen dieses Themas z\u00e4hlt. Sie fokussiert in diesem Artikel auf das Zusammenspiel zwischen den jeweiligen \u00f6sterreichischen Regierungen und der UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees), deren Entstehung 1951 erst mit der Ungarnkrise 1956 internationale Bedeutung errang. Ebenso konnte die junge Zweiten Republik \u00d6sterreich als erstes westliches Aufnahmeland nahe am Eisernen Vorhang internationales Ansehen erwerben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-92 wp-block-paragraph\">Diese beiden Aspekte werden von Sarah Knoll interessant und anschaulich geschildert, nachdem sie Grundlegendes zur UNHCR sowie der Migrationssituation nach dem Zweiten Weltkrieg einf\u00fchrte. Nach einer eindr\u00fccklichen Beschreibung der Ungarnmigration 1956 wird als n\u00e4chste Herausforderung die Fluchtbewegung 1968 aus der Tschechoslowakei beleuchtet. Spannend an den folgenden Ausf\u00fchrungen ist der erkennbare weltweite Wandel aufgrund der globalen Wirtschaftskrise (Erd\u00f6lschock) der fr\u00fchen 1970er Jahre und das gleichzeitige deutliche Ansteigen der Migrationszahlen aufgrund der stattfindenden Entkolonisierung in Asien und Afrika. Gleichzeitig nahm international bis in die 1980er Jahre hinein die anfangs gro\u00dfe Bereitschaft zur Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen aus dem \u201eOstblock\u201c ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-93 wp-block-paragraph\">\u00d6sterreich war in der Folgezeit bis zum Fall des Eisernen Vorhangs 1989 immer wieder mit Migrationswellen konfrontiert und forderte stets die Unterst\u00fctzung der internationalen Staatengemeinschaft im Hinblick auf organisatorische Hilfe bei der Weiterreise der Eintreffenden bzw. finanzielle Abgeltung hinsichtlich Schulungs- und Wohnprogramme f\u00fcr die in \u00d6sterreich Verbleibenden, die in den 1980er-Jahren aus Polen und Rum\u00e4nien ankamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-94 wp-block-paragraph\">Bereits diese galten jedoch nicht mehr als politische Fl\u00fcchtlinge, sondern wurden als \u201eWirtschaftsmigranten\u201c abqualifiziert, ebenso die Fl\u00fcchtenden aus der DDR. Der Jugoslawienkrieg zu Beginn der 1990er-Jahre bewirkte in \u00d6sterreich die offizielle Abkehr vom Bild eines offenen humanit\u00e4ren Transitlandes mittels Zur\u00fcckweisung und Grenzkontrollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-95 wp-block-paragraph\">Der Forschungsstand zeigt sich zu diesem interessanten zeitgeschichtlichen Thema doch recht unterschiedlich. So gibt es zur Ungarnkrise 1956 umfangreiche Studien, zu den folgenden deutlich weniger und eine zusammenf\u00fchrende Forschungsbewegung zu allen Fluchtmigrationswellen der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts wartet noch auf ihren Startschuss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-96 wp-block-paragraph\">Spannend und in allen Passagen des Artikels l\u00e4sst die Verfasserin die Lesenden durch eine fl\u00fcssige und verst\u00e4ndliche Darstellung die jeweiligen Phasen der Migrationsgeschichte in \u00d6sterreich Revue passieren, ebenso die von Anfang an auch fokussierte Rolle und Leistungen des UNHCR. Wenn auch die Wahl der wenigen \u00dcberschriften im Artikel nicht g\u00e4nzlich die Inhalte der jeweiligen Abs\u00e4tze erahnen l\u00e4sst, gelingt es ihr, einen guten \u00dcberblick zu gestalten und vor allem das Wechselspiel zwischen inner\u00f6sterreichischer Hilfeleistung und der internationalen Unterst\u00fctzung nachvollziehbar zu machen. Sie verweist dazu auf eine sehr gro\u00dfe Anzahl von Quellen und Literatur, auf die sich ihre Ausf\u00fchrungen aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-97 wp-block-paragraph\">Der Artikel \u201cIn Transit or Asylum Seekers? Austria and the Cold War Refugees from the Communist Bloc\u201d wurde von der bereits vorgestellten Sahra Knoll gemeinsam mit Maximilian Graf verfasst und in der Reihe \u201eContemporary Austrian Studies\u201c im Jahr 2017 ver\u00f6ffentlicht. Maximilian Graf studierte an der Universit\u00e4t Wien Geschichte mit einem Schwerpunkt auf \u00d6sterreichs Politik im Kalten Krieg, welches er 2012 mit einer Dissertation abschloss und arbeitete anschlie\u00dfend eine gewisse Zeit am Institut f\u00fcr Zeitgeschichte. Im Zuge seiner Karriere mit einigen Wissenschaftspreisen ausgezeichnet und durch sein Engagement in verschiedenen Forschungsprojekten auch im Feld der neueren Migrationsgeschichte verleihen Maximilian Graf ebenfalls eine Expertise auf diesem Feld. Genau wie der bereits zuvor vorgestellte Text behandelt auch dieser die vier gro\u00dfen Migrationswellen des 20. Jahrhunderts nach \u00d6sterreich, n\u00e4mlich 1956 aus Ungarn, 1968 aus der Tschechoslowakei, 1981 aus Polen und 1989 aus dem gesamten Ostblock, im Text mit Fokus auf Fl\u00fcchtlinge aus Rum\u00e4nien und der DDR. W\u00e4hrend der erste Artikel sich vor allem auf die Bedeutung von internationaler Hilfe zur Bew\u00e4ltigung dieser Krisen fokussierte, versuchen die beiden Historiker*innen hier die Medienrezeption dieser Ereignisse zu analysieren und die wandelnde Selbstwahrnehmung \u00d6sterreichs im Zusammenhang mit Transit und Migration zu ermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-98 wp-block-paragraph\">Wie der vorhergegangene Text ist auch dieser dynamisch geschrieben und zeichnet sich durch eine gelungene Mischung quantitativer und qualitativer Elemente in Bezug auf die Methodik des Textes aus. Sowohl numerische Daten als auch Zeitzeugnisse wie Zeitungsartikel, welche wegen der Thematik der Medienrezeption als Quellen, unerl\u00e4sslich sind, wurden in den Text organisch eingearbeitet, um die Ausgangsfragen des Textes befriedigend zu beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-99 wp-block-paragraph\">Anhand der Ergebnisse, welche in dem Artikel herausgearbeitet werden, k\u00f6nnen einige Kernaussagen deutlich erfasst werden. Zum einen scheint sich \u00d6sterreich in diesen Krisen haupts\u00e4chlich als Transitland verstanden zu haben, was man an der Neigung zur schnellen Umverteilung der Gefl\u00fcchteten in umliegende Staaten erkennen kann. Vor allem, wenn besagte Gefl\u00fcchtete aus L\u00e4ndern mit einer gemeinsamen Grenze kamen, was die Schwierigkeit der Bew\u00e4ltigung durch die konzentrierte Masse der Hilfsbed\u00fcrftigen verst\u00e4rkte, wurde seitens der Politik rasch um internationale Hilfe angesucht. Denn auch seitens der Bev\u00f6lkerung kam bei verl\u00e4ngerter Dauer der Krise entsprechender Druck auf die Regierung, welcher sicher auch durch Boulevardmedien befeuert wurde. Die heimischen Medien stilisierten \u00d6sterreich sp\u00e4testens beim Fall der Mauer schon hin zu einer Art \u201eKrisenmanager\u201c bei Fluchtwellen aus dem Osten. Obwohl die beiden Historiker*innen gewisse Charakteristika dieser Meistererz\u00e4hlung als zutreffend erachten, setzen sie sich f\u00fcr eine Neubetrachtung und Demystifizierung der Rolle \u00d6sterreichs in der Krisenbew\u00e4ltigung ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-100 wp-block-paragraph\">Knoll und Graf bewerkstelligen es, in dem 21-seitigen Artikel eine Zeitspanne von 34 wechselhaften Jahren \u00f6sterreichischer Migrationsgeschichte zu betrachten und systematische logische Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Beeindruckend ist, wie organisch quantitative und qualitative Methoden miteinander in der Schrift verarbeitet werden, was in anderen Artikeln nicht der Fall ist. Allerdings kommt das Thema der Medienrezeption in dem Artikel beinahe etwas zu kurz. Zwar wird dieser Aspekt in der Einleitung als Hauptpunkt der Arbeit angek\u00fcndigt, findet allerdings nur wenig Platz und wird erst wieder in der Conclusio tats\u00e4chlich wieder aufgegriffen. Dennoch liefert der Artikel spannende Einblicke in diesen wenig betrachteten Bereich der \u00d6sterreichischen Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-101 wp-block-paragraph\">So sind beide Artikel jedenfalls dazu geeignet, ein Interesse f\u00fcr dieses Thema weiter auszubauen und es w\u00e4re dadurch auch das Verdienst der Autor:innen, wenn sich Forschende k\u00fcnftig entweder mit einer qualifizierten Zusammenschau aller Entwicklungen zum Thema befassen oder aber in einzelne bisher weniger behandelte Migrationsbewegungen vertiefen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-102 wp-block-paragraph\"><br>Rezensent:in: <strong>Fabian Eigner und David Manaila<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-103 wp-block-paragraph\"><em>Vida Bakondy, \u2018Austria Attractive for Guest Workers?\u2019: Recruitment of Immigrant Labor in Austria in the 1960s and 1970s, in: G\u00fcnter bischof et al., Migration in Austria (New Orleans, 2017), 113\u2013138.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-104 wp-block-paragraph\"><em>Ingrid Blasge, Fl\u00fcchtling, Gastarbeiter, Mensch mit \u201eMigrationshintergrund\u201c \u2013 \u00d6sterreichische Zuwanderungsgeschichte seit 1955 aus identit\u00e4tspolitischer Perspektive, in: Philipp Strobl (Hg.), \u00d6sterreich in der Zweiten Republik: ein Land im Wandel (Hamburg, 2014), 117-132.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-105 wp-block-paragraph\"><em>Lisa Gr\u00f6sel, Fremde von Staats wegen: 50 Jahre \u201eFremdenpolitik\u201c in \u00d6sterreich (Wien, 2016).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-106 wp-block-paragraph\">\u00d6sterreichs Verh\u00e4ltnis zur Migration ist von tief verwurzelten Spannungen gepr\u00e4gt \u2013 zwischen historischer Realit\u00e4t und politischem Selbstbild, zwischen au\u00dfenpolitischer Selbstdarstellung und innergesellschaftlicher Abgrenzung. Diese Ambivalenz zeigt sich nicht nur in konkreten politischen Entscheidungen, sondern auch in den Begriffen, mit denen \u00fcber Zugeh\u00f6rigkeit und Fremdheit gesprochen wird. In der Auseinandersetzung mit Migrationsbewegungen seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird deutlich, dass Migration zwar ein konstanter Bestandteil \u00f6sterreichischer Gesellschaft ist, aber bis heute h\u00e4ufig als Ausnahmezustand, als vor\u00fcbergehende Erscheinung behandelt wird.<br>Drei verschiedene Analysen und Blickwinkel bieten uns hier die vorliegenden Texte von Vida Bakondy (\u201cAustria Attractive for Guest Workers?\u201d Recruitment of Immigrant Labor in Austria in the 1960s and 1970s), Ingrid<em> <\/em>Blasge (Fl\u00fcchtling, Gastarbeiter, Mensch mit \u201eMigrationshintergrund\u201c &#8211; \u00d6sterreichische Zuwanderungsgeschichte seit 1955 aus identit\u00e4tspolitischer Perspektive) und Lisa Gr\u00f6sel (Fremde von Staats wegen). Wenn die drei Texte auch ein gemeinsames Themengebiet, n\u00e4mlich Migration, abbilden, ist es trotzdem, oder gerade deswegen, wert sie zu lesen. Die Texte werden im Folgenden also einzeln analysiert und verglichen, ebenso wird eine kontextuelle Leseempfehlung ausgesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-107 wp-block-paragraph\">Zwar behandeln logischerweise alle drei Texte die Gastarbeiterthematik insbesondere rund um Jugoslawien und die T\u00fcrkei, da es f\u00fcr \u00d6sterreich wirtschaftlich sowie gesellschaftlich massive \u00c4nderungen mit sich brachte, jedoch gibt Ingrid Blasges Text hier wahrscheinlich den einsteigerfreundlichsten Beitrag ab.<br>Das erste Kapitel gibt einen historischen \u00dcberblick seit 1955, setzt hier gezielt auch auf andere Fluchtwellen, wie beispielsweise Ungarn und hebt somit hervor, dass \u00d6sterreich auch abseits der bekannten Arbeitermigration in den 1970er Jahren und dem Nah-Ost-Konflikt ab 2014 stets Migrations- und Aufnahmeland war. Im zweiten Kapitel widmet auch sie sich der Gastarbeiterbewegung. Diese wird kurz und kompakt behandelt und beinhaltet die wichtigsten Punkte, was f\u00fcr ein schnelles Einlesen erm\u00f6glicht. Im dritten Kapitel wird der Umgang mit Sprache im Migrationskontext behandelt, der bis heute die Politik und Gesellschaft besch\u00e4ftigt. Die Argumentation zeigt, dass eine unterschiedliche sprachliche Wortf\u00fchrung im Sinne der Migrationsdebatte Wertigkeiten miteinbezieht und politisch und gesellschaftlich instrumentalisiert wird, oft zum Nachteil der Gefl\u00fcchteten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-108 wp-block-paragraph\">Vida Bakondys Beitrag konzentriert sich gro\u00dfteils auf die Gastarbeiterbewegung \u2013 von der Entstehung der Idee, (die kein \u00f6sterreichisches Ph\u00e4nomen darstellte), \u00fcber die rechtlichen Rahmenbedingungen, weiter zur Verwirklichung der Vertr\u00e4ge bis hin zum Anwerben der Gastarbeiterinnen und deren Methoden und Umgang mit den Folgeerscheinungen gibt Bakondys Text einen fundierten Einblick in die Thematik. Sie geht au\u00dferdem auf die gescheiterten beziehungsweise effektlosen Vertr\u00e4ge und deren Gr\u00fcnde, wie zum Beispiel mit Spanien, ein, beschreibt weiters das Entstehen des Raab-Olah-Abkommens und die tragende Rolle der Sozialpartnerschaft (und wie diese daraus auch politisch profitierte) und geht au\u00dferdem auf die gro\u00dfen sozialen und rechtlichen Kluften zwischen \u00d6sterreicherinnen und Gastarbeiterinnen ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-109 wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich in der Kernthematik handelt Lisa Gr\u00f6sels Text von der Gastarbeiterbewegung. Der herausstechendste Unterschied ist wohl die Sprache, denn w\u00e4hrend Bakondy in Englisch schreibt, ist Gr\u00f6sels Beitrag in Deutsch verfasst und erfreut sich wohl zumindest im deutschsprachigen Bereich einer gr\u00f6\u00dferen Rezipienteninnenschaft. Wenn auch inhaltlich einige Parallelen bestehen, fokussiert sich Gr\u00f6sel weniger auf die Rahmenbedingungen, mehr auf die Lebensrealit\u00e4ten von Gefl\u00fcchteten, auf soziale Unterschiede. Sie differenziert, schreibt aus unterschiedlichen Perspektiven, meistens sind es zwei: der\/die \u00d6sterreicher:in und der\/die Nicht\u00f6sterreicher:in. Diese Ungerechtigkeit als Ausgangspunkt zieht sich durch den ganzen Text und offenbart wissenschaftlich die sehr rohen Seiten des wirtschaftlichen Aufschwungs \u00d6sterreichs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-110 wp-block-paragraph\">Zusammengefasst machen alle analysierten Texte Muster sichtbar \u2013 mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, aber aufeinander bezogene Weise. Die Argumentationen sind in sich schl\u00fcssig und nachvollziehbar, wobei eine klare Strukturierung der Inhalte besonders in der historischen Perspektive zur Lesbarkeit beitr\u00e4gt. Begrifflichkeiten werden sorgf\u00e4ltig eingef\u00fchrt und erkl\u00e4rt, sodass die Leserinnen den Gedankeng\u00e4ngen auch ohne spezielles Vorwissen gut folgen k\u00f6nnen. Einige Abschnitte, besonders bei der kulturwissenschaftlichen Analyse, wirken stilistisch etwas dichter und setzen mitunter voraus, dass man sich in die Sprache einliest \u2013 was jedoch nicht zu Lasten der Verst\u00e4ndlichkeit geht. Insgesamt sind beide Texte sprachlich klar und weitgehend frei von unn\u00f6tig komplizierter Fachsprache. Die verwendeten Werke sind aktuell und einschl\u00e4gig, sodass die Aussagen gut abgesichert sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-111 wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend bleibt zu vermerken, dass es allen Beitr\u00e4gen gelingt, zentrale Fragen der Migrationsgesellschaft \u00d6sterreichs sichtbar zu machen \u2013 auf theoretischer wie auf praktischer Ebene. W\u00e4hrend Gr\u00f6sel und Bakondy eine thematisch vertiefte Auseinandersetzung mit der Gastarbeiterbewegung im Speziellen bieten, gibt Blasge einen guten Einstieg zum Einlesen in die Migrationsgeschichte, der zum Weiterlesen anregt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-112 wp-block-paragraph\"><br>Rezensent:in: <strong>Mohammad Amin Haeri und Sven Ivanic<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-113 wp-block-paragraph\"><em>Bernhard Perchinig, Migration, Integration und Staatsb\u00fcrgerschaft in \u00d6sterreich seit 1918, Mitteilungen der \u00d6sterreichischen Geographischen Gesellschaft (2009), 1-31<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-114 wp-block-paragraph\"><em>Rainer Baub\u00f6ck, &#8220;Nach Rasse und Sprache verschieden&#8221;: Migrationspolitik in \u00d6sterreich von der Monarchie bis heute, Institut f\u00fcr H\u00f6here Studien &#8211; Institute for Advanced Studies 31 (1996), 1-29.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-115 wp-block-paragraph\">Ziel dieser Review ist die kritische Beurteilung der zentralen Argumentationsthesen, Untersuchungsergebnisse und methodischen Vorgehensweisen sowie des Erkenntniswerts der wissenschaftlichen Aufs\u00e4tze \u201eMigration, Integration und Staatsb\u00fcrgerschaft in \u00d6sterreich seit 1918\u201c und \u201eNach Rasse und Sprache verschieden Migrationspolitik in \u00d6sterreich von der Monarchie bis heute\u201d von Bernhard Perchinig beziehungsweise Rainer Baub\u00f6ck. W\u00e4hrend sich Perchinig mit den Fragestellungen \u201cWie erfolgten die Ver\u00e4nderung und Entwicklung der \u00f6sterreichischen Migrations-, Staatsb\u00fcrgerschafts- und Integrationspolitik seit 1918\u201d und \u201cWelche sozialen, institutionellen und politischen Grundbedingungen beeinflussten die \u00f6sterreichischen Migrations- und Integrationslandschaft?\u201d besch\u00e4ftigt, setzt sich Baub\u00f6ck mit der Frage \u201cWarum wird \u00d6sterreichs reichhaltige Tradition sowohl als Auswanderungs- wie Einwanderungsland in den gegenw\u00e4rtigen Debatten \u00fcber die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen und die Zulassung \u00f6konomischer Immigranten so sehr vernachl\u00e4ssigt?\u201d auseinander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-116 wp-block-paragraph\">Bevor sich Perchinigs Text seiner Materie widmet, erfolgt zuerst die Definition der internationalen Migration, Binnenmigration und Staatsb\u00fcrgerschaft sowie Integration. Danach greift er das in der Ersten Republik bestehende Heimatrecht auf, das f\u00fcr die Unterst\u00fctzung und das Abschiebeverbot der armen Gemeindeb\u00fcrgerInnen unverzichtbar ist. Auch f\u00fchrt er das 1925 eingetretene Inlandarbeiterschutzgesetz zur blo\u00dfen Anwerbung von fachkundigen Ausl\u00e4nderInnen und Inl\u00e4nderprimat zur Beg\u00fcnstigung der \u00f6sterreichischen Arbeiterschaft an. Die Zweite Republik war schlie\u00dflich von der Ansiedlung der vertriebenen Volksdeutschen aus Ost- und Mitteleuropa und zwangsweise einberufenen ArbeitnehmerInnen und Kriegsinternierten sowie j\u00fcdischen \u00dcberlebenden gepr\u00e4gt, die unter den \u201eDisplaced Persons\u201c zusammengefasst werden. Jedoch erhielten die Volksdeutschen gegen\u00fcber den DPs stets arbeits- und staatsb\u00fcrgerrechtliche Vorteile. Weiters entstanden zwei Modelle zur politischen Arbeitsmarktregelung wie die Marktsteuerung (\u00d6VP\/Arbeitgebervertretung) und das Zusammenspiel von Staat und Sozialpartnerschaft (SP\u00d6\/Gewerkschaften). Nachdem die Bundeswirtschaftskammer die verst\u00e4rkte Ausl\u00e4nderbesch\u00e4ftigung in den 1950er Jahren beanspruchte, beg\u00fcnstigte der \u00f6sterreichische EU-Beitritt das Schwanken des Inl\u00e4nderprimats. Dank der migrationspolitischen Vergemeinschaftung wurde auch die Gleichstellung der Drittstaatsangeh\u00f6rigen beim passiven Wahlrecht erreicht. Weil der Autor die Auswirkungen der sozialen B\u00fcrgerrechte (Heimatrecht) und \u00f6sterreichischen Parteien (\u00d6VP\/SP\u00d6\/FP\u00d6) sowie institutionellen Organe der EU (Verfassungsgerichtshof) auf die Migrations-, Staatsb\u00fcrgerschafts- und Integrationspolitik \u00d6sterreichs seit 1918 beleuchtet und diese drei Aspekte eine zunehmend progressive \u00d6ffnung durchlaufen, werden die obenstehenden Fragestellungen vollst\u00e4ndig beantwortet.<sup data-fn=\"c02bd0b6-0642-4c29-af81-879bd634f187\" class=\"fn\"><a href=\"#c02bd0b6-0642-4c29-af81-879bd634f187\" id=\"c02bd0b6-0642-4c29-af81-879bd634f187-link\">6<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-117 wp-block-paragraph\">Baub\u00f6ck hingegen analysiert den historischen Verlauf der Reaktionen \u00d6sterreichs auf Migration und Fl\u00fcchtlingswellen seit der Habsburgermonarchie bis in die 90er Jahre. Die Annahme, dass \u00d6sterreich stets als Transitland f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und nicht als langfristige Heimat f\u00fcr MigrantInnen wahrgenommen wurde, wird dabei besonders in den Fokus genommen. Historische Muster in Verbindung mit der \u00f6sterreichischen Identit\u00e4t, Symbolpolitik im Zusammenhang mit Migrationsstr\u00f6men, die Gastarbeiterpolitik seit den 1960ern und die politische Debatte rund um Migration stellen die einzelnen Eckpfeiler seiner Analyse dar, an welchen er sich orientiert. Als Kritik hebt Baub\u00f6ck vor allem das Fehlen einer inklusiven \u00f6sterreichischen Identit\u00e4t hervor. Die Hauptaussage des Textes von Baub\u00f6ck besch\u00e4ftigt sich mit einem anderen Aspekt. Er geht vor allem darauf ein, dass sich \u00d6sterreich in seiner j\u00fcngsten Geschichte als Transitland und nicht als dauerhaftes Aufnahmeland f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und MigrantInnen verstand. Die politischen und gesellschaftlichen Implikationen werden dabei diskutiert und kritisch hinterfragt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-118 wp-block-paragraph\">Um an die Methodik anzuschlie\u00dfen, folgt Perchinig der rekonstruktiv-deskriptiven Vorgangsweise f\u00fcr die Erforschung der chronologischen Entwicklung und Ver\u00e4nderung der Integrationspolitik seit 1918. Es besteht auch eine historisch-vergleichende Methodik, da Gruppen wie die Volksdeutschen und DPs in der Ersten Republik arbeits- und staatsb\u00fcrgerrechtlich einander gegen\u00fcberstellt werden und L\u00e4nder wie \u00d6sterreich, Deutschland und die Niederlande im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedstaaten das Daueraufenthaltsrecht konsequent an Integrationsma\u00dfnahmen koppeln m\u00f6chten. Trotz dieser gew\u00e4hlten Methodik ist sein wissenschaftlicher Aufsatz stark von oben geschrieben worden, wodurch die Wahrnehmung der Migrierenden nahezu ausgeklammert wird. Au\u00dferdem enth\u00e4lt sein Text keine ausf\u00fchrliche Methodendiskussion, die seine genaue Vorgangsweise bei der Themenaufarbeitung erkl\u00e4ren w\u00fcrde. Weil er zu Beginn die internationale Migration, Binnenmigration, Staatsb\u00fcrgerschaft und Integration definiert und die zuletzt Genannten vor allem der historischen Wandelbarkeit unterliegen, wird er grunds\u00e4tzlich der kritischen Migrationsforschung zugeordnet. Weiters ist die geschichtliche Differenzierung der Migrationsgruppen f\u00fcr die schleppende wissenschaftliche Aufarbeitung der Displaced Persons wichtig. Des Weiteren sind die herangezogenen Quellen wie beh\u00f6rdliche und institutionelle Beitr\u00e4ge vom Bundesministerium f\u00fcr Inneres und \u00d6sterreichischen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung und wissenschaftliche Monografien und Sammelb\u00e4nde von Rainer Baub\u00f6ck zuverl\u00e4ssig, weil die amtliche Glaubw\u00fcrdigkeit sichergestellt ist und letzterer ebenso die fachliche Expertise teilt. Diese hervorragende Quellenauswahl entspricht seinem Ansatz und ist bis auf die 1961 gehaltene Ansprache von Julius Raab, dem ehemaligen Pr\u00e4sidenten der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft, und den 1985 erschienenen Sammelbeitrag von Hannes Wimmer zur \u00f6sterreichischen Ausl\u00e4nderbesch\u00e4ftigungspolitik recht aktuell gewesen. Es fehlt, wie bereits erw\u00e4hnt, trotz der gen\u00fcgenden Literatur und beantworteten Forschungsfragen eine ausgewogenere Aufarbeitung. Die Kurzitate der meisten Quellen wurden im Flie\u00dftext in Klammern gestellt, der auch die kapitel\u00fcbergreifenden Ausarbeitungen von Bernhard Perchinig umfasst. Dahingegen dienen die teils versetzten Fu\u00dfnoten als Erkl\u00e4rungsgrundlage und enthalten Dokumentennennungen wie Bundesgesetzbl\u00e4tter. Zudem ist das Literaturverzeichnis wegen fehlender Seitenzahlen und Ortsangaben teilweise l\u00fcckenhaft. Au\u00dferdem ergeben sich stellenweise Unklarheiten bei der kritischen Argumentation, denn Perchinig zieht einen Vergleich zwischen \u00d6sterreich und Deutschland beim prozentualen Anteil der integrierten Fl\u00fcchtlinge in der Nachkriegszeit, ohne ein bestimmtes Jahr zu nennen. Daher ist dieser wenig aufschlussreich. Dar\u00fcber hinaus sind manche Textstellen wie jene zu staatlichen Migrationsregelungen in \u00d6sterreich-Ungarn zu verschachtelt, um ihren Sinn sofort erfassen zu k\u00f6nnen.<sup data-fn=\"ea7eb06a-9913-4883-b9af-3ef67eeeeae0\" class=\"fn\"><a href=\"#ea7eb06a-9913-4883-b9af-3ef67eeeeae0\" id=\"ea7eb06a-9913-4883-b9af-3ef67eeeeae0-link\">7<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-119 wp-block-paragraph\">Im Gegensatz dazu st\u00fctzt sich Baub\u00f6ck methodisch auf qualitative Ans\u00e4tze. Gesetze, kontroversielle Ereignisse, einzelne politische Entscheidungen und gesellschaftliche Entwicklungen werden als Evidenz angef\u00fchrt. Es werden aber auch statistische Elemente herangezogen und in der Analyse inkludiert wie etwa Volksz\u00e4hlungen, welche zu den quantitativen Methoden z\u00e4hlen. Das Essay ist in neun Kapitel unterteilt, wobei jedes einzelne Kapitel einen historischen Abschnitt der \u00f6sterreichischen Migrationsgeschichte behandelt. Bez\u00fcglich der Quellen wurde mit einer Reihe an Monographien, Sammelb\u00e4nden und wissenschaftlichen Zeitschriften gearbeitet, welche sich zu einem gewissen Teil sehr spezifisch mit einzelnen Aspekten der verschiedenen Fl\u00fcchtlings- und Migrationsstr\u00f6me befassen. Genauso werden aber auch Werke zitiert, die allgemeine historische Forschungsergebnisse pr\u00e4sentieren und auch nicht exklusiv das Thema Migration behandeln. Statistische Ergebnisse und Eckdaten werden genauso wie einzelne historisch relevante Ereignisse klar dargelegt und in ann\u00e4hrend chronologischer Reihenfolge pr\u00e4sentiert. Dabei f\u00e4llt auf, dass sich viele der Unterthemen stark \u00fcberschneiden und thematisch ineinandergreifen. Zus\u00e4tzlich sp\u00fcrt man als Leser, wie sich der Aufbau des Essays im Laufe der Kapitel inhaltlich von historischer Analyse immer mehr in Richtung gesellschaftlicher Schlussfolgerungen aus eben jenen vergangenen Kapiteln bewegt. Das ist argumentativ sehr eing\u00e4ngig, da hier mit historischer Evidenz die sp\u00e4tere Beantwortung der Forschungsfrage untermauert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-120 wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend bewerten wir das Essay von Baub\u00f6ck als positiv und empfehlen es als konstruktiven Beitrag zur \u00f6sterreichischen Geschichts- und Migrationsforschung weiter, weil die Migrationsforschung im deutschsprachigen Raum vergleichsweise wenige Ergebnisse vorweisen kann. Als Einf\u00fchrung in die Kontroversen, Debatten und wichtigsten historischen Begebenheiten rund um Migration in \u00d6sterreich sehen wir dieses Essay vor allem wegen der schl\u00fcssigen Argumentation und der relevanten Diskussionsans\u00e4tze und aufgeworfenen Fragen als n\u00fctzlichen Einstiegstext f\u00fcr Interessenten. Weiters l\u00e4sst sich sagen, dass der wissenschaftliche Aufsatz von Bernhard Perchinig trotz der bestehenden M\u00e4ngel die historischen Spuren der Migrations-, Staatsb\u00fcrgerschafts- und Integrationspolitik aufdeckt, um die gegenw\u00e4rtigen einschr\u00e4nkenden Migrationsma\u00dfnahmen verstehen zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig stellt er eine teils offene, teils restriktive \u00f6sterreichische Migrationspolitik in Aussicht.<sup data-fn=\"9a32a0cf-cee0-4b95-8734-2293bd248382\" class=\"fn\"><a href=\"#9a32a0cf-cee0-4b95-8734-2293bd248382\" id=\"9a32a0cf-cee0-4b95-8734-2293bd248382-link\">8<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-121 wp-block-paragraph\"><br>Rezensent:in: <strong>Hanna Perberschlager<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-122 wp-block-paragraph\"><em>Dirk Rupnow, Geschichte und Ged\u00e4chtnis von Migration in \u00d6sterreich, in: Senol Grasl-Akkilic et.Al. (Hgs.), Aspekte der \u00f6sterreichischen Migrationsgeschichte (Wien, 2019), 18-59.<br><\/em><br>Migration ist kein neues Ph\u00e4nomen, doch ihre historische Verankerung und erinnerungskulturelle Aufarbeitung stehen in \u00d6sterreich erst seit vergleichsweise kurzer Zeit im Fokus wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Passend dazu fordert der Migrationshistoriker Dirk Rupnow in seinem Beitrag \u201eGeschichte und Ged\u00e4chtnis von Migration in \u00d6sterreich\u201c, Migration als zentralen Bestandteil der \u00f6sterreichischen Geschichte und Gesellschaft anzuerkennen und st\u00e4rker im kollektiven Ged\u00e4chtnis, als auch in Institutionen, zu verankern. Er zeigt, dass Migration kein Ausnahmezustand, sondern seit Jahrzehnten gelebte Realit\u00e4t ist, die bisher oft ausgeblendet wurde. Die vorliegende Rezension setzt sich mit diesem, von ihm verfassten Beitrag, erschienen in \u201eAspekte der \u00f6sterreichischen Migrationsgeschichte\u201c, welches von Senol Grasl-Akkilic, Marcus Schober und Regina Wonisch herausgegeben wurde, auseinander. Ziel ist es, Rupnows Beitrag inhaltlich und methodisch zu analysieren, wobei zun\u00e4chst eine knappe Zusammenfassung der zentralen Aussagen, Quellen, der verwendeten Methodik, sowie seiner Schlussfolgerung gegeben werden soll. Im Anschluss erfolgt eine kritische Bewertung hinsichtlich der Forschungsfrage, der Methodenauswahl, der Argumentationsstruktur und der Originalit\u00e4t des Beitrags, wobei auch die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen des Textes aufgezeigt und auf deren Grundlage Empfehlungen f\u00fcr m\u00f6gliche methodische oder inhaltliche Weiterentwicklungen ausgesprochen werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-123 wp-block-paragraph\">Der Text beanstandet, dass Migration in \u00d6sterreich bislang nur unzureichend als historisch und gesellschaftlich pr\u00e4gendes Ph\u00e4nomen untersucht wurde, obwohl Migration seit Jahrzehnten die Entwicklung des Landes wesentlich gepr\u00e4gt hatte. Meist wird sie als Ausnahme- oder Krisenerscheinung behandelt, nicht als selbstverst\u00e4ndlicher Teil der Geschichte und Gegenwart. In Schulb\u00fcchern, Museen, Denkm\u00e4lern und Archiven, so die Aussage, fehlen migrantische Perspektiven h\u00e4ufig, was zu einem einseitigen nationalen Geschichtsbild beitr\u00e4gt. Dabei wird \u00fcbersehen, dass Menschen mit Migrationshintergrund das Land l\u00e4ngst gepr\u00e4gt haben und \u00d6sterreich zumindest seit dem 20. Jahrhundert divers war und sich nicht gerade erst in diese Richtung entwickelt. Der Text fordert, Migration systematisch in Archive und kulturelle Institutionen zu integrieren, individuelle Erfahrungen zu dokumentieren und eine multiperspektivische, transnationale Geschichtsschreibung zu etablieren, in der jede Geschichte z\u00e4hlt. So k\u00f6nnte eine inklusive Erinnerungskultur entstehen, die der Realit\u00e4t einer Migrationsgesellschaft gerecht wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-124 wp-block-paragraph\">Bez\u00fcglich der angewandten Methodik zeigt sich, dass eine Diskursanalyse \u2013 also die Untersuchung politischer und gesellschaftlicher Debatten \u00fcber Migration \u2013 durchgef\u00fchrt wurde. Au\u00dferdem setzt Rupnow in einer vergleichenden Perspektive \u00d6sterreich in einen gr\u00f6\u00dferen, internationalen Kontext. Er untersucht im Rahmen einer historischen Analyse die Migrationsgeschichte anhand historischer Quellen, erforscht mit Hilfe von Ged\u00e4chtnisforschung die kollektive Erinnerung oder Verdr\u00e4ngung von Migration in \u00d6sterreich und st\u00fctzt seine Thesen durch quellenbasierte Forschung, wobei Archivmaterialien, Zeitungsartikel, politische Dokumente oder Studien verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-125 wp-block-paragraph\">Hinsichtlich der konkreten Forschungsfrage l\u00e4sst sich sagen, dass sie in Rupnows Text nur angedeutet ist und nicht ausdr\u00fccklich genannt wird. Stattdessen wird eine Vielzahl von Aspekten und Problemen angesprochen, wie die verzerrte Wahrnehmung von Migration in \u00d6sterreich, die mangelnde Repr\u00e4sentation von Migrant*innen in einzelnen Institutionen, sowie die Notwendigkeit einer multiperspektivischen Geschichtsschreibung. Den Leserinnen und Lesern bleibt es folglich selbst \u00fcberlassen, eine pr\u00e4zise Fragestellung abzuleiten. Grunds\u00e4tzlich l\u00e4sst sich allerdings behaupten, dass sich die Frage, wer auf welche Weise und aus welchen Gr\u00fcnden erinnert oder verdr\u00e4ngt wird, durch den gesamten Text zieht.<br>Ein zentrales Argument f\u00fcr die Sinnhaftigkeit der gew\u00e4hlten Methodik ist, dass Rupnows Diskursanalyse verdeutlicht, wie stark Begriffe gesellschaftliche Wirklichkeit mitpr\u00e4gen. So verdeutlicht \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c, \u201ewie europ\u00e4isch verzerrt und auf die Gegenwart beschr\u00e4nkt die Wahrnehmung in \u00d6sterreich\u201c<sup data-fn=\"4a69a2cd-f6c4-44d4-844a-cf27b9d75041\" class=\"fn\"><a href=\"#4a69a2cd-f6c4-44d4-844a-cf27b9d75041\" id=\"4a69a2cd-f6c4-44d4-844a-cf27b9d75041-link\">9<\/a><\/sup> ist, w\u00e4hrend der lang verwendete Begriff vom \u201eGastarbeiter\u201c, \u201eder das Land wieder zu verlassen hat, sobald seine Arbeitskraft nicht mehr ben\u00f6tigt wird\u201c<sup data-fn=\"2d961425-b414-4fba-bf0e-a43abb17bc02\" class=\"fn\"><a href=\"#2d961425-b414-4fba-bf0e-a43abb17bc02\" id=\"2d961425-b414-4fba-bf0e-a43abb17bc02-link\">10<\/a><\/sup>, migrationspolitische Deutungsmuster offenlegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-126 wp-block-paragraph\">Durch die historische Analyse k\u00f6nnen zudem Wandlungsprozesse, Kontinuit\u00e4ten und Br\u00fcche erarbeite werden, wie z.B. ab der Arbeitsmigration der 1960er bis hin zur Debatte 2015\/2016. Das dient auch der Dekonstruktion des Narrativs vom \u201epl\u00f6tzlich entstandenen Einwanderungsland\u201c. Die Ged\u00e4chtnisforschung ist in diesem Zusammenhang bedeutsam, da der Text sich grundlegend mit der Frage besch\u00e4ftigt, wer erinnert wird und wer in Vergessenheit ger\u00e4t. Mittels der vergleichenden Perspektive werden spezifische \u00f6sterreichische Narrative, Verdr\u00e4ngungen und Vers\u00e4umnisse verdeutlicht und schlussendlich wird die Arbeit durch quellenbasierte Forschung erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-127 wp-block-paragraph\">Was die Quellen anbelangt, l\u00e4sst sich sagen, dass Rupnow einen Literatur\u00fcberblick gibt und haupts\u00e4chlich auf gedruckte Werke verwendete, wobei allerdings an Stellen wie der medialen Berichterstattung zu den Anwerbeabkommen unter anderem auf \u201eDer Standard\u201c und \u201eDie Presse\u201c verwiesen wird, welche auch online einsehbar sind. Bei den Informationen zu einzelnen Dokumentationsarchiven (z.B. beim Vielfaltenarchiv, oder DOMiD) werden offizielle Webseiten zitiert. Auch schreibt er \u00fcber den Deutschen Museumsbund und seine Handreichung 2015, und gibt als Quelle f\u00fcr seine Informationen die Handreichung direkt an, anstatt einer Sekund\u00e4rliteratur. Dies ist als sehr positiv zu beurteilen, da so die Informationen direkt aus der Originalquelle stammen und die Genauigkeit der Darstellung erh\u00f6ht wird. Bei Statistiken greift er auf Statistik Austria zur\u00fcck, oder zum Beispiel bei der Anzahl der Asylantr\u00e4ge auf die Daten des BMEiA.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-128 wp-block-paragraph\">Rupnows Argumentationsstruktur weist einen klaren roten Faden auf, da der Text mit einer Kritik an der Gegenwartswahrnehmung beginnt und daraus schl\u00fcssig die Forderung nach einer inklusiven Erinnerungskultur entwickelt, indem argumentiert wird, dass \u00d6sterreich bereits seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist (wirtschaftlicher Aufstieg durch Arbeitsmigration), migrantische Geschichten jedoch trotzdem in Archiven fehlen und Deutschland hier als Vorreiter angesehen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-129 wp-block-paragraph\">Der Text m\u00f6chte dazu anregen, die nationale Geschichtsschreibung zu erweitern, indem er Migration als transnationales Ph\u00e4nomen thematisiert und die Problematik der fehlenden Sichtbarkeit von Migrant*innen anspricht. Diese Kritik ist nicht v\u00f6llig neu, allerdings geht Rupnow jedoch weiter als viele bisherigen Ans\u00e4tze, da er nicht nur fordert, dass Migrant*innen sichtbar werden, sondern auch, dass sie hinsichtlich ihrer eigenen Geschichte und Geschichtsschreibung aktiv mitbestimmen d\u00fcrfen. Der Text ist also dahingehend als originell\/innovativ zu bezeichnen, weil er Migrant*innen als aktive Subjekte historischer Narrative einfordert und Migration als strukturierendes Element der \u00f6sterreichischen Gesellschaft begreift. Er leistet einen Beitrag zur Forschung, indem eine vernachl\u00e4ssigte historische Realit\u00e4t sichtbar gemacht wird, Institutionen und Erinnerungspraktiken kritisch analysiert werden und neue theoretische Perspektiven f\u00fcr eine plurale Geschichtsschreibung er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-130 wp-block-paragraph\">Eine St\u00e4rke des Textes liegt in seiner Quellenarbeit, da wie oben bereits erw\u00e4hnt wurde, die Informationen \u00fcber z.B. die einzelnen Dokumentationsarchive oder die Handreichung des Deutschen Museumsbundes aus den direkten Quellen bezogen wurden und nicht aus Sekund\u00e4rliteratur \u00fcber diese Thematik. Auch die methodische Herangehensweise ist \u00e4u\u00dferst passend gew\u00e4hlt (-siehe Beispiele oben). Als weitere St\u00e4rke ist der Aktualit\u00e4tsbezug zu nennen, wobei auch aktuelle Debatten um Staatsb\u00fcrgerschaftstests aufgegriffen werden. So werden Staatsb\u00fcrgerschaftstests kritisiert, da sie historische Fakten der Mehrheitsgesellschaft abfragen, aber keine Auseinandersetzung mit migrantischen Geschichten fordern.<sup data-fn=\"8b95eee1-193d-464b-a852-1dc0396bebdc\" class=\"fn\"><a href=\"#8b95eee1-193d-464b-a852-1dc0396bebdc\" id=\"8b95eee1-193d-464b-a852-1dc0396bebdc-link\">11<\/a><\/sup> Negativ f\u00e4llt auf, dass im Flie\u00dftext Kapitel\u00fcberschriften fehlen, wobei die \u00dcberg\u00e4nge oft abrupt sind und sich nicht sofort entnehmen l\u00e4sst, um was genau es im folgenden Kapitel geht und diese am Anfang nicht immer klar miteinander verschr\u00e4nkt, sondern eher nebeneinanderstehend wirken. Stellenweise wirkt der Text auch wiederholend, da einige Argumente mehrfach formuliert werden (z.B. \u201eMigration geh\u00f6rt zur Geschichte \u00d6sterreichs\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-131 wp-block-paragraph\">Dirk Rupnows Beitrag leistet einen wichtigen und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen Beitrag zur \u00f6sterreichischen Migrationsgeschichte. Er zeigt \u00fcberzeugend, dass Migration kein Randph\u00e4nomen oder Ausnahmezustand ist, sondern ein konstitutives Element der \u00f6sterreichischen Gesellschaft und Geschichte. Der Text tr\u00e4gt wesentlich dazu bei, das Bewusstsein f\u00fcr die Notwendigkeit einer pluralen und transnationalen Erinnerungskultur zu sch\u00e4rfen und r\u00fcckt marginalisierte Stimmen ins Zentrum des historischen Diskurses. Besondern ist das Lesen des Textes jenen Personen zu empfehlen, die Migration noch immer nicht als Teil der \u00f6sterreichischen Geschichte wahrnehmen wollen \u2013 insgesamt kann er aber allen, die sich f\u00fcr \u00f6sterreichische Migrationsgeschichte und deren Wahrnehmung interessieren, sehr empfohlen werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-132 wp-block-paragraph\"><br>Rezensent:in: <strong>Matthias Hailwax<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-133 wp-block-paragraph\"><em>Alexander Rubel, \u201cMigrationsgeschichte Als Weltgeschichte. Ein Pl\u00e4doyer F\u00fcr Neue Akzente in Der Historischen Migrationsforschung unter Einbeziehung Der Vor- Und Fr\u00fchgeschichte\u201d, in: Adrei Cusco Et Al. <\/em><em>(Hg.), Migration and Population Politics during War(Time) and Peace(Time): Central and Eastern Europe from the Dawn of Modernity to the Twentieth Century (Cluj-Napoca, 2021), 25-63.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-134 wp-block-paragraph\">Unter dem Titel \u201eMigrationsgeschichte als Weltgeschichte\u201c er\u00f6ffnete der Althistoriker Alexander Rubel 2019 eine Konferenz zur Migration in Osteuropa. Die Beitr\u00e4ge erschienen 2021 im Sammelband \u201eMigration and Population Politics during War(time) and Peace(time): Central and Eastern Europe from the Dawn of Modenity to the Twentieth Century\u201c. Rubel betont darin, dass Migration kein modernes Ph\u00e4nomen ist, sondern bereits in der Vor- und Fr\u00fchgeschichte eine pr\u00e4gende Rolle spielte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-135 wp-block-paragraph\">Im Zentrum seiner Argumentation steht die Auffassung, dass Migration nicht als Ausnahme oder Sonderfall, vielmehr als grundlegender Bestandteil menschlicher Existenz verstanden werden muss \u2013 quasi als <em>conditio humana<\/em>. Migration d\u00fcrfte weder auf Krisenzeiten noch auf Fluchtbewegungen reduziert werden. Sie soll als Motor sozialer, wirtschaftlicher und politischer Dynamiken untersucht werden. Rubel pl\u00e4diert deshalb f\u00fcr eine methodische und konzeptionelle Neubewertung der Migrationsgeschichte, die \u00fcber die Neuzeit hinausgreift und auch die fr\u00fchesten Menschheitsepochen einschlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-136 wp-block-paragraph\">Eine klar formulierte Forschungsfrage wird nicht genannt. In dem Text macht sich der Autor jedoch zum Ziel, zu hinterfragen, ob sich Migration bis zum Beginn der Menschheit zur\u00fcckverfolgen und bewerten l\u00e4sst, ohne dabei in altbekannte oder vereinfachte Denkmuster zu verfallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-137 wp-block-paragraph\">Die Argumentation folgt dabei einen roten Faden. Der Autor beginnt mit einem \u00dcberblick \u00fcber die aktuelle Migrationsforschung, stellt anschlie\u00dfend neue Perspektiven f\u00fcr die Fr\u00fchgeschichte vor und diskutiert schlie\u00dflich wie Migration w\u00e4hrend der Neolithischen Revolution mit dem Sesshaft werden der Menschen verwoben war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-138 wp-block-paragraph\">Der Text \u00fcberzeugt durch eine schl\u00fcssige Analyse, verlangt aber stellenweise Fachwissen, etwa wenn genetische Forschungen in die Betrachtung einbezogen wird. Besonders stark ist Rubels Kritik an der Vernachl\u00e4ssigung fr\u00fchgeschichtlicher Migration und seine Abgrenzung von nationalgeschichtlich verengten Perspektiven. Er fordert, Migration nicht nur als Folge von Gro\u00dfereignissen zu verstehen. Sondern als eigenst\u00e4ndigen historischen Faktor mit eigener Wirkungskraft. Damit regt er zu einem differenzierten Diskurs an, insbesondere zu Fragen nach Identit\u00e4t und Ideologie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-139 wp-block-paragraph\">Allerding bleiben einige Schw\u00e4chen bestehen. Die Sprache ist stellenweise komplex und erschwert den Zugang; k\u00fcrzere S\u00e4tze oder Zwischenfazits h\u00e4tten die Lesbarkeit verbessert. Zudem fehlen konkrete Hinweise darauf, \u201ewie\u201c sich die angedeuteten Ans\u00e4tze praktisch in der empirischen Forschung umsetzen lassen (zum Beispiel: Migration in verschiedenen Regionen vergleichen, Rekonstruktion von einzelnen St\u00e4mmen, Migration in Verbindung mit Sprachentwicklung\/-verbreitung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-140 wp-block-paragraph\">Insgesamt jedoch liefert Rubels Beitrag einen wichtigen Impuls, Migration konsequent in die Weltgeschichte zu interagieren. Trotz mancher sprachlichen H\u00fcrden \u00fcberzeugt er durch originelle Ideen und mit einer klaren Botschaft: Migration ist kein Randthema, sondern ein Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis historischer Entwicklungen. Dadurch entstand ein lesenswerter Beitrag, der zu weiteren Diskussionen einl\u00e4dt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-141 wp-block-paragraph\"><br>Rezensent:in: <strong>Schuster, Anna<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-142 wp-block-paragraph\"><em>Erol Yildiz, \u201cPostmigrantische Lebensentw\u00fcrfe jenseits der Parallelgesellschaft,\u201d in: Alexander B\u00f6ttcher, et. Al. (Hgs.), Migration bewegt und bildet: Kontrapunktische Betrachtungen (Innsbruck, 2019), 13-29.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-143 wp-block-paragraph\">Die folgende Rezension soll einen postmigrantischen Text des Ethnologen Erol Yildiz diskutieren und dessen Wert f\u00fcr die Migrationsforschung in \u00d6sterreich analysieren. Das Kapitel \u201ePostmigrantische Lebensentw\u00fcrfe jenseits der Parallelgesellschaft\u201c ist Teil eines Readers<sup data-fn=\"f3646ece-7f4f-4e13-9971-737020663d90\" class=\"fn\"><a href=\"#f3646ece-7f4f-4e13-9971-737020663d90\" id=\"f3646ece-7f4f-4e13-9971-737020663d90-link\">12<\/a><\/sup> rund um den Umgang der Gesellschaft mit und interdisziplin\u00e4ren Zug\u00e4ngen zu Migration. In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse der Geisteswissenschaften am Forschungsfeld \u201eMigration\u201c stark gewachsen. Dies hat eine Vielzahl an neuen Perspektiven hervorgebracht. Eine dieser Betrachtungsweisen ist der von Yildiz diskutierte Zugang \u201ePostmigration\u201c. Der Begriff der \u201ePostmigration\u201c wurde erstmals im Jahr 1995 gepr\u00e4gt. Der folgende Definitionsversuch basiert auf jenem der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung Deutschland<sup data-fn=\"bae1fc4f-d9e8-49fa-8b28-b5fc85b0b6db\" class=\"fn\"><a href=\"#bae1fc4f-d9e8-49fa-8b28-b5fc85b0b6db\" id=\"bae1fc4f-d9e8-49fa-8b28-b5fc85b0b6db-link\">13<\/a><\/sup>, kann aber nat\u00fcrlich auch f\u00fcr jedes andere Land angewendet werden. Deutschland, bzw. auch \u00d6sterreich muss als Land betrachtet werden, in dem Migration stattgefunden hat und nach wie vor stattfindet. Dies erfordert Umdeutung von Zuschreibungen und nationalen Identit\u00e4ten und das Schaffen von gleichen Bedingungen f\u00fcr alle Mitglieder der Gesellschaft. Das Pr\u00e4fix \u201cpost\u201d bedeutet nicht das Ende der Migration, sondern beschreibt einen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess in einer Phase, in der Migration bereits stattgefunden hat. Hierzu muss sozialer Wandel anerkannt werden, Migration als Ph\u00e4nomen, das Einfluss auf die Gesamtgesellschaft hat, betrachtet werden und die Anpassung von etablierten Strukturen, Institutionen und politischen Kulturen erfolgen. Das von Yildiz behandelte Thema Postmigration ist f\u00fcr die Migrationsforschung von Relevanz, da postmigrantische Forschung versucht etablierte Denkweisen zum Thema Migration zu ver\u00e4ndern und stattdessen neue Perspektiven einer vielf\u00e4ltigen Gesellschaft zu liefern. Ziel dieser Rezension ist es, den Begriff Postmigration in Verbindung mit Yildiz\u2018 Artikel im Allgemeinen zu diskutieren, St\u00e4rken und Schw\u00e4chen des Zugangs und der Arbeit aufzuzeigen und m\u00f6gliche neue Blickwinkel zu erl\u00e4utern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-144 wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst erkl\u00e4rt Yildiz den Begriff \u201ePostmigration\u201c. Dieser soll nicht als neue Disziplin, sondern als eine ver\u00e4nderte Denkweise verstanden werden: Migration ist kein Sonderfall, sondern eine gesellschaftsver\u00e4ndernde Kraft. Ebenso stellt er einen Bezug zum Postkolonialismus und den postkolonialen Theorien her. Dann beschreibt Yildiz die Erfahrung des Migranten Bilals mit Alltagsrassismus und dem Gef\u00fchl als \u201eAusl\u00e4nder\u201c in Deutschland zu leben. Anschlie\u00dfend nennt Yildiz einige postmigrantische Strategien, beispielsweise Humor und Ironie in Form des postmigrantischen Theaters. Schlie\u00dflich appelliert Yildiz f\u00fcr ein transkulturelles, offenes und dynamisches Gesellschaftsverst\u00e4ndnis. Yildiz\u2018 zentrale Schlussfolgerung ist, dass Migration als normaler, konstitutiver Teil der Gesellschaft verstanden werden muss. Zur Darstellung seiner Sichtweise st\u00fctzt Yildiz seinen Text auf eine Vielzahl von Quellen aus unterschiedlichsten Forschungsrichtungen. Yildiz widmet mehrere Passagen seines Kapitels den Berichten von Menschen mit Migrationshintergrund und beschreibt deren Erfahrungen anhand von Fallbeispielen. Hierzu nutzt er eine qualitative Methode, n\u00e4mlich Interviews mit Betroffenen, zur Informationsbeschaffung. Im Zuge der Interviews findet auch der \u201eHistory from Below\u201c<sup data-fn=\"d6be89de-e5e1-47e9-b209-1412a912501a\" class=\"fn\"><a href=\"#d6be89de-e5e1-47e9-b209-1412a912501a\" id=\"d6be89de-e5e1-47e9-b209-1412a912501a-link\">14<\/a><\/sup>-Ansatz Anwendung, da Yildiz nicht die Narrative der Eliten wiedergibt, sondern jene einer marginalisierten Gruppe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-145 wp-block-paragraph\">Besonders positiv hervorzuheben ist an Yildiz\u2019 Arbeit zun\u00e4chst die klare und stringente Struktur. Der in der Einleitung deutlich markierte rote Faden \u2013 Migration als Analysen \u2013 zieht sich konsequent durch die gesamte Arbeit und verleiht ihr Koh\u00e4renz. Die Argumentationen von Yildiz sind in sich schl\u00fcssig und der eigene Standpunkt wird klar und nachvollziehbar dargestellt. Hervorzuheben ist zudem die hohe Dichte an Quellen, die die Argumentation st\u00fctzen und die fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung unterstreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-146 wp-block-paragraph\">Kritisch betrachtet werden kann vor allem die Tatsache, dass Yildiz die \u201eNeuartigkeit\u201c der postmigrantischen Perspektive \u00fcberm\u00e4\u00dfig hervorhebt. So verdeutlicht er in seinem Aufsatz mehrmals, dass er den postmigrantischen Zugang f\u00fcr \u201eradikal neuartig\u201c h\u00e4lt. Bereits das lateinische Pr\u00e4fix \u201epost\u201c, das als Zeichen f\u00fcr erkenntnistheoretische Wenden gilt, soll diese Neuartigkeit verdeutlichen. Yildiz schreibt, dass die postmigrantische Forschung eine \u201eerkenntnistheoretische Wende\u201c im Migrationskontext einleitet\u201c.<sup data-fn=\"d6f964ad-6633-4032-b1e6-36cdb4752b4e\" class=\"fn\"><a href=\"#d6f964ad-6633-4032-b1e6-36cdb4752b4e\" id=\"d6f964ad-6633-4032-b1e6-36cdb4752b4e-link\">15<\/a><\/sup> Dennoch gilt, dass auch Konzepte, die das Pr\u00e4fix \u201epost\u201c nutzen, an Modernit\u00e4t verlieren und andere Konzepte an deren Stelle treten. Daher stimme ich einer von Hartmut M. Griese<sup data-fn=\"2cb50639-e494-414e-86c2-83409f7765d5\" class=\"fn\"><a href=\"#2cb50639-e494-414e-86c2-83409f7765d5\" id=\"2cb50639-e494-414e-86c2-83409f7765d5-link\">16<\/a><\/sup> verfassten Rezension zu, dass postmigrantische Forschung den Begriff Migration nicht wie von Yildiz beschrieben \u201eradikal neu denkt\u201c sondern vielmehr eine Perspektive ist, die bereits vorhandenen Ans\u00e4tzen der Migrationsforschung einen neuen Namen gibt und sich bereits vorhandener Methodik bedient.<sup data-fn=\"bf2d862e-b36c-40de-81da-4ae696ab60cb\" class=\"fn\"><a href=\"#bf2d862e-b36c-40de-81da-4ae696ab60cb\" id=\"bf2d862e-b36c-40de-81da-4ae696ab60cb-link\">17<\/a><\/sup> Beispielsweise sind Yildiz Beschreibungen der Geschichte eines Migranten mit dem \u201eHistory from Below\u201c-Ansatz vergleichbar.<sup data-fn=\"2622cffe-bc44-4b94-b147-a572038de890\" class=\"fn\"><a href=\"#2622cffe-bc44-4b94-b147-a572038de890\" id=\"2622cffe-bc44-4b94-b147-a572038de890-link\">18<\/a><\/sup> Gute Forschungspraxis orientiert sich an etablierten wissenschaftlichen Methoden. In diesem Zusammenhang ist jedoch kritisch anzumerken, dass die \u201eNeuartigkeit\u201c der postmigrantischen Perspektive in der Arbeit aus meiner Sicht teilweise \u00fcberbetont wird. Zwar stellt dieser Ansatz einen innovativen Zugang dar, doch sollte seine Verortung im Kontinuum bestehender migrationssoziologischer Theorien und Ans\u00e4tze differenzierter reflektiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-147 wp-block-paragraph\">Generell ist die \u00dcberbetonung des Begriffs \u201eradikal\u201c in Yildiz\u2018 Text auff\u00e4llig. Mutma\u00dflich m\u00f6chte der Autor hiermit nicht blo\u00df die \u201eradikale Neuartigkeit\u201c seines Ansatzes darstellen, sondern auch hervorheben, dass etablierte Denkweisen und -muster zum Thema Migration aufgebrochen werden m\u00fcssen, allerdings k\u00f6nnte dieser Umstand noch st\u00e4rker betont werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-148 wp-block-paragraph\">Trotz der gut lesbaren Sprache des Autors (wenig verschachtelte S\u00e4tze, gut verst\u00e4ndliche Sprache und kurze Kapitel mit pr\u00e4gnanten \u00dcberschriften), ist der Text von Kunstw\u00f6rtern (beispielsweise \u201eTranstopien\u201c, \u201eGlobalisierung von unten\u201c, \u201eHerkunftsdialoge\u201c, \u201eTranskodierung\u201c) und wissenschaftlichen Konzepten (\u201eDritter Raum\u201c), die nicht allgemein gel\u00e4ufig sind, durchzogen. Dies erweckt den Eindruck, dass einige relevante Facetten des Themas Migration f\u00fcr Laien nicht greifbar sind und Yildiz stattdessen f\u00fcr akademische KollegInnen schreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-149 wp-block-paragraph\">Sieht man von der \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Betonung des Innovationscharakters seines Ansatzes ab, bietet Yildiz\u2018 Beitrag einen Mehrwert zu zuk\u00fcnftiger Forschung. So k\u00f6nnen Yildiz\u2018 \u201epostmigrantische Strategien\u201c interessante Ideen zum Umgang mit Migration und Hass liefern. Beispielsweise k\u00f6nnen humoristische Darstellungen von Migration in Filmen und Theatern und Poetry Slam Veranstaltungen dabei helfen mit Stereotypen und Klischees zu brechen. Offen bleibt jedoch, wie solche Veranstaltungen ein breites Publikum erreichen und nicht blo\u00df jene Personen ansprechen sollen, die entweder betroffen sind oder ohnehin Interesse am Thema haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-150 wp-block-paragraph\">Zusammenfassend er\u00f6ffnet die postmigrantische Forschung ebenso wie Yildiz\u2019 Beitrag neue Perspektiven auf ein gesellschaftlich hochrelevantes und kontrovers diskutiertes Thema. Im Vordergrund sollte dabei weniger die Schaffung neuer theoretischer Begriffe oder kunstvoller Neologismen stehen, sondern vielmehr die kritische Auseinandersetzung mit den realen Herausforderungen und Machtverh\u00e4ltnissen einer postmigrantischen Gesellschaft. Eine vertiefte Analyse dieser Dynamiken bietet gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr zuk\u00fcnftige Forschungsarbeiten. Deutlich wird: Das Thema Migration ist l\u00e4ngst nicht ausgesch\u00f6pft, sondern bleibt ein offenes und produktives Feld wissenschaftlicher Diskussion.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"4523bf41-ece1-45bc-96bc-be8ae27d7766\">Dirk Rupnow, <em>Geschichte und Ged\u00e4chtnis von Migration in \u00d6sterreich<\/em>, in: Senol Grasl-Akkilic et.Al. (Hgs.), Aspekte der \u00f6sterreichischen Migrationsgeschichte (Wien, 2019), 18-59. S. 22. <a href=\"#4523bf41-ece1-45bc-96bc-be8ae27d7766-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 1\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"21e9ccbb-c4af-41b0-a896-99e73ff04193\">Thomas Angerer, <em>An Incomplete Discipline: Austrian Zeitgeschichte and Recent History<\/em>, in: G\u00fcnter Bischof, et al., (Hgs.): Austria in the Nineteen Fifties (New Brunswick, 1995), 207\u2013251. <a href=\"#21e9ccbb-c4af-41b0-a896-99e73ff04193-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 2\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"33aad9bb-19c8-4ff6-b350-7b18e8021b30\">Oliver Rathkolb, <em>Die paradoxe Republik<\/em>: \u00d6sterreich 1945 bis 2025 (Wien, 2025). <a href=\"#33aad9bb-19c8-4ff6-b350-7b18e8021b30-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 3\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"0f1ae3ae-41ef-4770-8040-537a28dce289\">Vgl. Annemarie Steidl, <em>On Many Routes: Internal. European, and Transatlantic Migration in the Late Habsburg Empire<\/em> (West Lafayette, 2021), S. 15f. <a href=\"#0f1ae3ae-41ef-4770-8040-537a28dce289-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 4\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"1c0daa3b-8a2c-45e1-9279-09f8ea66ffeb\">Vgl. ebd. 16. <a href=\"#1c0daa3b-8a2c-45e1-9279-09f8ea66ffeb-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 5\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"c02bd0b6-0642-4c29-af81-879bd634f187\">Bernhard Perchinig, <em>Migration, Integration und Staatsb\u00fcrgerschaft in \u00d6sterreich seit 1918<\/em> (Wien, 2009), in: Mitteilungen der \u00d6sterreichischen Geographischen Gesellschaft 151 (2012), S. 3ff., 6ff., 10ff., 13, 17, 18f., 21f., 24ff. <a href=\"#c02bd0b6-0642-4c29-af81-879bd634f187-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 6\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"ea7eb06a-9913-4883-b9af-3ef67eeeeae0\">Ebda. S. 3ff., 6ff., 10ff., 13, 17, 18f., 21f., 24ff., 25, 28ff., 31. <a href=\"#ea7eb06a-9913-4883-b9af-3ef67eeeeae0-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 7\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"9a32a0cf-cee0-4b95-8734-2293bd248382\">Ebda. S. 28. <a href=\"#9a32a0cf-cee0-4b95-8734-2293bd248382-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 8\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"4a69a2cd-f6c4-44d4-844a-cf27b9d75041\">Rupnow, <em>Geschichte und Ged\u00e4chtnis<\/em>, S. 18. <a href=\"#4a69a2cd-f6c4-44d4-844a-cf27b9d75041-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 9\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"2d961425-b414-4fba-bf0e-a43abb17bc02\">Ebda. S. 22. <a href=\"#2d961425-b414-4fba-bf0e-a43abb17bc02-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 10\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"8b95eee1-193d-464b-a852-1dc0396bebdc\">Vgl. ebda. 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Wolf, and Erol Yildiz, eds., <em>Migration bewegt und bildet: Kontrapunktische Betrachtungen<\/em> (Innsbruck, 2019). <a href=\"#f3646ece-7f4f-4e13-9971-737020663d90-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 12\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"bae1fc4f-d9e8-49fa-8b28-b5fc85b0b6db\">Naika Foroutan,<em> \u201cPost-Migrant Society\u201d,<\/em> Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, April 21, 2015, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/migration-integration\/kurzdossiers\/205295\/post-migrant-society\/\">https:\/\/www.bpb.de\/themen\/migration-integration\/kurzdossiers\/205295\/post-migrant-society\/<\/a>. <a href=\"#bae1fc4f-d9e8-49fa-8b28-b5fc85b0b6db-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 13\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"d6be89de-e5e1-47e9-b209-1412a912501a\">\u201eHistory from Below\u201c wurde in den 1960er-Jahren durch E.P. Thompson gepr\u00e4gt. Der Ansatz richtet den Blick auf Alltagskultur und die \u201eeinfachen Leute\u201c als aktive Gestalter der Geschichte. Ziel ist es, historische Erfahrungen aus der Perspektive der Betroffenen zu verstehen und die Geschichtsschreibung zu demokratisieren. (vgl. Bernet, Raphael und Zachariah, <em>History from Below<\/em>, 4). <a href=\"#d6be89de-e5e1-47e9-b209-1412a912501a-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 14\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"d6f964ad-6633-4032-b1e6-36cdb4752b4e\"><em>Erol Yildiz, \u201cPostmigrantische Lebensentw\u00fcrfe jenseits der Parallelgesellschaft,\u201d in: Alexander B\u00f6ttcher, et. Al. (Hgs.), Migration bewegt und bildet: Kontrapunktische Betrachtungen (Innsbruck, 2019), 13-29.<\/em> S. 13. <a href=\"#d6f964ad-6633-4032-b1e6-36cdb4752b4e-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 15\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"2cb50639-e494-414e-86c2-83409f7765d5\">Hartmut M. Griese, Review of <em>Nach der Migration: Postmigrantische Perspektiven jenseits der Parallelgesellschaft<\/em>, ed. Erol Yildiz and Marc Hill, <em>EWR<\/em> 14, no. 5 (2015), published September 23, 2015, <a href=\"http:\/\/www.klinkhardt.de\/ewr\/978383942504.html\">http:\/\/www.klinkhardt.de\/ewr\/978383942504.html<\/a>. <a href=\"#2cb50639-e494-414e-86c2-83409f7765d5-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 16\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"bf2d862e-b36c-40de-81da-4ae696ab60cb\">Yildiz, <em>Postmigrantische Lebensentw\u00fcrfe<\/em>, S. 15. <a href=\"#bf2d862e-b36c-40de-81da-4ae696ab60cb-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 17\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"2622cffe-bc44-4b94-b147-a572038de890\">Ebda. S. 17f. <a href=\"#2622cffe-bc44-4b94-b147-a572038de890-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 18\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein studentisches Publikationsprojekt mit Rezensionen zentraler Werke zur \u00f6sterreichischen Migrationsgeschichte Philipp Strobl, Moritz Boesser, Katja Dolinek, Fabian Eigner, Reinhard Faber, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":439,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":"[{\"content\":\"Dirk Rupnow, <em>Geschichte und Ged\u00e4chtnis von Migration in \u00d6sterreich<\/em>, in: Senol Grasl-Akkilic et.Al. 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